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Interview mit Leah Evans

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Interview mit Leah Evans, Patagonia Ambassador und Gastgeberin des Breaking Trail Event Mattias Fredriksson Interview mit Leah Evans, Patagonia Ambassador und Gastgeberin des Breaking Trail Event

Patagonia Ambassador und Gastgeberin des Breaking Trail-Event

„Ehre die Berge, verbessere deine Selbstständigkeit und bring das den Jungen bei. Schlag neue Wege ein, wann immer du kannst.“ Unter diesem Motto lädt Patagonia zusammen mit Ambassador Leah Evans zu einem Abend Freeride-Talk. Ob du einsame Lines im Wintersturm liebst, Überquerungen und Durchschreitungen bevorzugst, oder aber gerade deine ersten Turns im Powder gezogen hast – Leah wird an diesem Abend tief in ihrem persönlichen Erfahrungsschatz kramen, um andere zu inspirieren: Viel mehr ist in deinem Leben möglich, als du glaubst! Mit dabei im Talk sind Freunde, die ihre Leidenschaft für die Berge teilen: Giulia Monego, Per As und Blair Fyffe.

20201118 5D X0878Leah, bitte erzähl uns von deinen Anfängen im Skisport und wie du mit dem Backcountry und dem Freeriding in Verbindung kamst.
Ich bin in Rossland, British Columbia, aufgewachsen, wo man auf Skiern einen Hügel hinunterfährt und ein wenig im Backcountry unterwegs sein kann. Meine Familie ging immer Touren, und so war mir der Hügel bald nicht mehr genug. Ich war neugierig auf das Tourengehen und bat meinen Vater, mich mitzunehmen.

Ich erinnere mich an das erste Mal – wir sahen uns „Roberts' Face“ (Mount Roberts) an. Ich sollte dort an einem Contest teilnehmen, also musste ich mir die Lines ansehen. Wir brachen auf und er stellte mir immer wieder Fragen wie „Was hast du an?“ und „Warum hast du kein Wasser dabei?“. Es gab so viele Dinge, von denen ich keine Ahnung hatte, und er sagte: „So sieht's aus, das musst du in deinem Rucksack haben.“

Das war meine erste Erfahrung, und so war es fast zwingend, dass ich zum Skitourengehen kam. Aber als ich nach Revelstoke zog, gab es dort eine riesige Skitouren-Kultur, also begann ich mit meinen Freunden Ausflüge zu unternehmen, und als die Ausrüstung besser wurde, wollte ich noch mehr entdecken und lernen. Das Leben in Revelstoke war fantastisch, weil es dort so viel zu tun gibt.

20201118 DSC09680Welche Gefühle bringt dir das Skitouren, im Unterschied zu anderen Aktivitäten auf dem Berg?
Im Allgemeinen ist man beim Skitouren mehr mit dem Schnee und der Schneedecke verbunden, weil man die Verantwortung für seine eigenen Entscheidungen trägt. Beim Hochgehen kannst du dich mit deiner Gruppe unterhalten und eine besondere Verbindung aufbauen, aber auch wirklich mit der Landschaft verbunden sein.

Man bemerkt mehr Dinge, wie zum Beispiel, dass sich der Schnee erwärmt, dass es ein wenig windig ist oder dass das Licht so schön ist. Ich denke, es ist ein Prozess. Wenn man auf der Skipiste ist, ist man auf einer Karnevalsfahrt, und man kann gedanklich abschalten, aber beim Skitourengehen hat man die Zeit, seine Umgebung zu verarbeiten, und ich finde, dass es eher ein naturverbundeneres Erlebnis ist.

Wie bereitest du dich also auf einen Tag im Backcountry vor und was sind die wichtigen Dinge, die man mitnehmen muss?
Ich habe von klein auf gelernt, dass es Notwendiges gibt, das man immer im Rucksack hat. Deshalb habe ich meinen immer mit den gleichen Dingen gepackt: LVS-Gerät, Schaufel und Sonde sind Pflicht – diese Dinge haben ihre eigene Tasche, und ich weiß, dass sie da sind – und ich habe immer einen Erste-Hilfe-Kasten und eine Stirnlampe dabei.

Dann weiß ich je nach Wetterlage, ob ich Kleidungsschichten oder eine bestimmte Menge Wasser oder Essen einpacken muss. Ich versuche, ein System zu haben und es wirklich einheitlich zu halten, um effizient zu sein. Ich möchte wissen, wo meine Felle sind, damit ich sie bei Bedarf innerhalb einer Minute aufziehen kann. Das ist der erste Schritt.

Dann schaue ich mir die Lawinenvorhersage an und trommle meine Truppe zusammen, um sicherzustellen, dass wir alle auf dem gleichen Stand sind. Davor stelle ich mich selbst auf den Prüfstand und schaue, ob ich mental vorbereitet bin und in der Lage sein werde, gute Entscheidungen zu treffen. Ich betrachte das immer als meine emotionale Vorhersage. Du kannst dir die Lawinenvorhersage anschauen, doch du musst auch in dich selbst reinhören. Du bist der menschliche Faktor, die Berge werden immer da sein. Es gibt so viele Arten des Skifahrens, und das ist meine persönliche Methode.

20201118 fredriksson m 0326 cc WEBEs ist toll, dass dein Vater dir die Welt des Skitourengehen eröffnet hat. Gibst du dein Wissen auch weiter?
Das ist ein großer Teil meiner Arbeit und was ich bei Girls Do Ski mache, die Ski-Camps, die ich organisiere. Es ist ein Ort für Menschen, die Fragen stellen, kein Ego haben und zugeben, dass sie keine Ahnung haben und daher offen für Tipps und Ratschläge sind. Ich arbeite auch ehrenamtlich für Avalanche Canada. Sie haben verschiedene Veranstaltungen, auf denen ich sprechen werde, um mit Leuten in Kontakt zu treten, die nicht viel Erfahrung im Backcountry haben.

„Girls Do Ski“ hast du vor 12 Jahren ins Leben gerufen. Das ist eine wirklich großartige Initiative, um mehr Menschen für den Skisport zu begeistern. Was hat dich dazu bewogen, diese Initiative ins Leben zu rufen?
Als ich jünger war und in Red Mountain an Wettkämpfen teilnahm, traf ich eine ganze Reihe von Mädchen aus der ganzen Welt, und das hat mich umgehauen. Ich hatte keine Ahnung, dass man auch in Japan, Australien oder Neuseeland Ski fahren kann. Mir wurde klar, dass es mehr Menschen wie mich geben muss, die Skifahren so sehr lieben. Mir wurde klar, dass ich keine Anomalie war.

Es waren weniger Frauen als Männer in diesem Sport aktiv, so dass ich mich fragte, wie wir alle zusammenkommen könnten, um die Messlatte für den Frauenskisport höher zu legen. Dort ist die Veranstaltungsidee entstanden. Mich freut es riesig zu sehen, wie weit die Community gekommen ist. Wir haben die ersten Spuren gelegt, und jetzt sind sie schon vor uns.

Bemerkst du als Frau im Wintersport, dass sich die Dinge rund um das Thema Inklusion und Teilhabe zum Besseren verändern?
Ja, absolut. Es ist eine wirklich coole Zeit, Menschen nach draußen zu bringen. Ich habe eine Zunahme bei Teilhabe und Mentoring erlebt, und das Gespräch über Zugänglichkeit hat begonnen. Ich habe einen großen Teil meines Lebens damit verbracht, Skifahrerinnen in eine Community einzubinden. Ich bin so begeistert zu sehen, dass andere Menschen dies auch in ihren örtlichen Gemeinschaften tun.

Was hast du für die kommende Saison geplant, besonders bei allem, was gerade so los ist?
Meine Tage konzentrieren sich gerade darauf, einen COVID-Managementplan für „Girls Do Ski“ zu erstellen – letztes Jahr war unser bisher bestes Jahr und dieses Jahr müssen wir kreativ denken, basierend auf den pandemiebegrenzenden Dingen.

Ich bin zuversichtlich, dass wir eine solide Grundlage für das haben, was wir tun werden, und wir sind auf den Winter vorbereitet, aber alle sitzen im selben Boot, es gibt diese Ungewissheit. Wir haben jedoch auch einige wirklich gute Online-Strategien, um alle zu erreichen.

20201118 Ryan Creary creary r 0903 cc WEBIm November wirst du Gastgeberin des Patagonia Breaking Trail-Events sein, das sich an die Backcountry-Community in ganz Europa richtet. Warum sollte man an dieser Veranstaltung teilnehmen?
Durch die Teilnahme an einer Veranstaltung zur Backcountry- und Skitourenplanung machst du dich mit den grundlegenden Dingen vertraut, die du wissen musst. Jede Gelegenheit, von Menschen zu lernen, die viel Zeit im Backcountry verbracht haben, ist unglaublich wertvoll. Vielleicht wirst du schon bekannte Dinge hören, aber jedes Mal, wenn du jemandem zuhören kannst, der sein Leben dem Backcountry- und Skitourengehen gewidmet hat, wirst du einige wirklich gute Tipps erfahren, und jeder wird etwas auf seine eigene Art und Weise vermitteln.

Es geht darum, so viele Informationen wie möglich aufzunehmen. Nicht jeder hat einen Vater, der dir all das nötige Wissen vermitteln kann. Man muss andere Menschen finden, die in den Bergen zuhause sind und die die Rolle als Mentor übernehmen können. Diese Veranstaltungen sind so wichtig, weil sie einfach zugänglich sind, man sich dadurch in eine Community einklinken kann und in die richtige Richtung geführt wird.

Als Ambassador für Patagonia und als Aktivistin im Kampf für den Winter, inwiefern engagierst du dich beruflich und persönlich im Kampf gegen den Klimawandel?
Beim Kampf für die Rettung des Jumbo Glacier hab ich mich sehr engagiert. Es gibt auch die gemeinnützige Organisation Wildsight, die Umweltschutzprogramme organisiert und Menschen für den Umweltschutz mobilisiert. Das war mein Hauptaugenmerk. Im Sommer arbeite ich mit ihnen zusammen und begeistere die Jugend für den Umweltschutz. Sie schärfen das Bewusstsein für die Dinge, die in nächster Nähe um einen herum geschehen, um alle zum Nachdenken anzuregen. Das ist meine Leidenschaft, und ich möchte die Menschen mit der Natur in Verbindung bringen, damit sie etwas fühlen und sie schützen wollen.

Im Sommer arbeite ich als Wanderführerin. Ich versuche, das Lernen über die Natur cool zu gestalten, damit die Menschen sich um sie kümmern und mehr Verantwortung übernehmen. Im Winter müssen wir diese Orte und Umgebungen erleben, um zu erkennen, dass diese Bäume geschützt werden müssen und nicht gefällt werden dürfen. Mit meiner Botschaft habe ich wirklich versucht, die Menschen an Orten zu verwurzeln, damit es mehr Verbündete gibt, um diese zu beschützen.

20201118 clark a 0620 BPGlaubst du, dass wir in dieser Zeit offener sind, uns um unsere unmittelbare Umgebung zu kümmern? Und glaubst du, dass es einen Unterschied machen wird?
Mehr denn je entdecken die Menschen Orte in ihrer näheren Umgebung. In British Columbia (BC) war es einfach verrückt, wie viel in diesem Sommer hier los war. Die Leute haben Gegenden in BC besucht, in denen sie noch nie zuvor gewesen sind. Normalerweise würden die Menschen reisen, aber jetzt sind sie stark an diese nahe gelegenen Orte gebunden. Es gibt so viele Dinge, die an COVID nicht positiv gewesen sind, aber wir müssen realistisch werden und erkennen, wo wir leben und dass die Welt nicht mehr global, sondern lokal ist, was meiner Meinung nach eine positive Sache sein kann.

Als Nächstes stehen die „Girls Do Ski“-Camps an, aber welche anderen Tourenpläne hast du mit BC als deinem persönlichen Backcountry im Sinn?
Wir besuchen Orte, an denen wir noch nie zuvor waren! Mein Partner ist Skiführer, und normalerweise arbeitet er viel, aber er hat jetzt viel mehr Zeit – ebenso wie einige meiner Freunde, die Guides sind. Ich werde noch viel mehr Leute zum Skifahren haben – und ich drücke die Daumen – dass wir das auch machen können.

Es gibt so vieles, was ich noch nicht gemacht habe. Und das gilt auch für den Rogers Pass, obwohl ich dort mein ganzes Leben lang Ski gefahren bin. Das war eine wirklich interessante Übung in Dankbarkeit; im normalen Leben machen wir nie eine Pause, um zu erkennen, was um uns herum ist – wir wollen immer mehr. Wenn ich den ganzen Winter hier verbringen muss, kann ich mich glücklich schätzen. Revelstoke ist einfach toll.

Leah, vielen Dank für deine Zeit. Wir wünschen dir viel Erfolg mit dem Breaking Trail Event und den Girls Do Ski-Camps!

Das Interview mit Leah Evans führte Patagonia.

Weitere Informationen und einen Link zur Anmeldung für das Patagonia Breaking Trails-Event findest du hier.

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