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RIDERPROFILE | ANDRZEJ BARGIEL


„Niemand wird unsere Träume für uns verwirklichen.“
Foto: Bartłomiej Pawlikowski / Red Bull Content Pool

Alter: 37
Wohnort: Polen
Homespot: Zakopane
Beruf: Skialpinist
Sponsoren: Grupa Murapol, Comarch, LOTTO, Red Bull, Defender
Ziele: Erkundung von Hochgebirgsskigebieten (aber nicht nur)
Projekte: Film über das Everest Ski Challenge-Projekt
Erfolge: Erster Mensch, der den Mount Everest (8.849 m) ohne Flaschensauerstoff bestieg und vom Gipfel bis Base Camp auf Skiern abfuhr, Ski-Abfahrten von sieben Achttausendern, Alle Achttausender im Karakorum auf Skiern: Broad Peak, K2, Gasherbrum I, Gasherbrum II.

Andrzej Bargiels Geschichte beginnt nicht in einem großen Skiresort, in einer kleinen polnischen Provinz. Seine Eltern führten einen traditionellen Bauernhof, die Berge rund um sein Zuhause waren klein, aber für Andrzej waren sie die ganze Welt. Skier wurden auf dem Rücken getragen, kleine Kicker selbst festgetreten, und gefahren wurde auf Ausrüstung, die heute fast wie ein Museumsstück wirkt: Holzski, vermutlich alte Skisprunglatten, einfach gekürzt, damit sie irgendwie passen. Dazu viel zu große Lederboots mit Schnallen. Komfort war egal. Hauptsache: Ski fahren.

Ein Schlüssel auf seinem Weg war sein älterer Bruder, der schon früh in den Tatras unterwegs war. Durch ihn wuchs Andrzej in ein Umfeld hinein, das ihn geprägt hat: Bergretter, Guides, Menschen, die wissen, was sie tun, weil es sonst gefährlich wird. Sein Bruder ist Bergretter und Bergführer, und Andrzej lernte früh, was es bedeutet, sich in anspruchsvollem Gelände bewusst zu bewegen. Der Moment, in dem Skibergsteigen mehr als nur Leidenschaft wurde, kam mit etwa sechzehn. Da war dieser klare Entschluss: Ich will Wettkämpfe machen. Das Absurde daran war nur, dass er kaum Ausrüstung hatte. Er trainierte trotzdem, oft ohne Skier, und baute seine Fitness vor allem durchs Laufen auf. Erst später verdiente er sich über Höhenarbeit genug Geld für die ersten Tourenski. Davor lieh er sich Material von seinem Bruder und stand mit geliehenem Material trotzdem an Startlinien.

Andrzej beschreibt sich als entschlossen, stur und neugierig, aber auch als Träumer. Und genau diese Träume wurden mit der Zeit größer, mutiger und irgendwann real. Seine Erfolge gehen längst weit über einen einzelnen Berg hinaus. Als Skibergsteiger und Kopf des Projekts „Hic Sunt Leones“ fuhr Andrzej von sieben Achttausendern ab, darunter alle Achttausender im Karakorum: Broad Peak, K2, Gasherbrum I und Gasherbrum II. Dazu kommen Expeditionen in den Karakorum, die Anden und nach Patagonien sowie die „Snow Leopard“-Challenge. Exploration ist für ihn kein Nebenprodukt, sondern der Kern seiner Motivation: neue Gebirge, neue Linien, neue Probleme, die man lösen muss.

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Everest ist trotzdem ein Kapitel, das heraussticht. Der Ski-Down ohne zusätzlichen Sauerstoff war für Andrzej kein „Stunt“, sondern eine Frage, die er sich selbst stellen wollte: Funktioniert mein Körper dort oben wirklich, und ist es im Herbst überhaupt möglich? Der Aufstieg war brutal. Siebzehn Stunden vom South Col bis zum Gipfel, ein Kampf in einer Höhe, in der alles langsamer wird und jeder Schritt mehr kostet, als man sich 
vorstellen kann. Andrzej sagt, er sei noch nie in seinem Leben so erschöpft gewesen.

Die schwierigsten Momente kamen im Abstieg. Zuerst die Passage am Hillary Step, mit Lawinengefahr und einem klaren Warnsignal, als bereits eine Schneebrettlawine abgegangen war. Und dann, rückblickend noch komplexer, der Khumbu Icefall: ein Labyrinth aus Seracs, riesigen Spalten und Gefahren von beiden Seiten. Sein Team hielt es für unmöglich, und Andrzej selbst hatte kurz den Gedanken, dass es heute vielleicht gar nicht mehr machbar ist, weil der Gletscher durch die Erwärmung zerstörter ist als früher. Dass es am Ende doch funktioniert hat, gibt ihm bis heute enorme Zufriedenheit.

Und genau dort liegt sein Kern. Andrzej sieht seine Projekte als Risikomanagement. Er ist neugierig und hartnäckig, aber wenn das Risiko zu hoch ist, dreht er um. Sein Rat an junge Rider: Schritt für Schritt Erfahrung sammeln, unabhängig werden, nicht unnötig riskieren. Gipfel sind nicht alles. Wichtig ist, gesund zu bleiben und wiederkommen zu können. Und vor allem, die Dinge für sich selbst zu tun.




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