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Bergstolz bei der Zillertaler MTB Challenge


Als Laura anrief um mich zur Zillertaler MTB Challenge zu überreden, fielen Schlagworte wie „das Zillertal von vorne bis ganz hinten" und „mit Ski kennst Du das alles" und „es geht durch mehrere Skigebiete". Und weil ich ja leicht zu überzeugen und zu begeistern bin, hab ich dummerweise ja gesagt.

120720 ZBC_057Ich finde das ja super, Straßen und Gebiete, die man im Winter zigmal mit dem Auto und den Ski fährt, mit dem Rad zu erleben. Und das war auch mein Ansatz: Fügen, Hochfügen, Gerlos, Mayrhofen und Hintertux. Alles Orte, Straßen und Pisten die wir sehr, sehr gut aus dem Winter kennen. Das Zillertal mal „erradeln" und zum Schluss den Gletscher „stürmen". Das und natürlich der Trainingseffekt – drei Tage, drei Mal 70km mit je 3000 Höhenmetern.

Als ich mich dann, nach der ersten Euphorie, das erste Mal mit den echten, wirklichen und leider sehr anstrengenden Hardfacts beschäftigt habe, war erst mal eins klar: Neues Material muß her! Was Schnelles, Leichtes. Eine ordentliche Wettkampfwaffe. Wettkampf, Olympia, Sabine Spitz, Haibike. Sven von Haibike hatte kürzlich auch großzügig angeboten gerne mal ein Testrad zu schicken. Zeit also, um diesen Gefallen einzufordern. Am Telefon erklärte ich ihm, in was ich mich wieder reinquatschen hab lassen: Etappenrennen, 3 Tage, 200km, 10.000 Höhenmeter, etwas Teer, hauptsächlich Forststraßen. Svens Empfehlung kam wie aus der Pistole geschossen: 29er, Hardtail! Genau das ist das was Du brauchst! Und wir haben auch ein wunderschönes Greed RC 30 hier, das ich Dir gerne leihen kann.

Perfekt, dachte ich, als ich ein paar Tage später das Rad aus dem Karton hievte. Alles einstellen, Tacho dran und ab nach Mayrhofen!

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Leider ist es zurzeit im Zillertal wie überall in Europa. Die Wettervorhersage sagt das eine, das Wetter macht genau das Gegenteil. Und so war es klar, dass aus dem bedrohlich wirkenden Himmel pünktlich zum Startschuss in Fügen am Freitagmorgen die ersten Tropfen fielen. Na ja, jetzt geht´s eh erst mal bergauf, da ist´s ja egal. Der Regen wurde aber immer stärker und oben in Hochfügen war es dazu noch empfindlich kalt: Mistwetter! Ein Glück, dass wir gleich wieder Höhenmeter vernichteten und nach einem Gegenanstieg das Skigebiet von Kaltenbach erreichten. Auf bekannten „Ziehwegen" ging es zur Talstation, durch Stumm und in den giftigen, langen, steilen Schluss Anstieg zum Stummerberg. Knapp 1500hm Anstieg auf 12km – herzlich willkommen im Zillertal. Endlose Forststraßen, keine Erholung in Form einer kurzen Abfahrt, nicht mal gerade aus ging es. Was hab ich mir da nur wieder eingebrockt! Nach gefühlten 3 Stunden kamen dann endlich der ersehnte Scheitelpunkt und eine schöne Abfahrt ins Ziel der ersten Tagesetappe in Zell am Ziller.

120720 ZBC_247Als mir am Abend Gernot – Organisator und Rennchef – erklärt, dass sich das Zillertal mit der „Zillertaler MTB Challenge" ganz klar als das härteste Etappenrennen der Alpen positionieren will und dass es ja neben der King/Queens Wertung noch die „Light-Variante" Prince/Princess gäbe und die ja mit Seilbahnunterstützung sei, wird mir wieder mal schlagartig klar, dass ich nichts mehr am Telefon zusagen sollte, ohne GENAU zu wissen um was es geht!

Der zweite Renntag setzte auch genau da an wo der Erste aufgehört hatte: mit einem giftigen, langen und zähem Anstieg. Nur diesmal knapp 2000hm auf 18km von Zell am Ziller auf´s Übergangsjoch mit einer netten 37° Rampe als Sahnehäubchen oben drauf. Aber entweder hatte ich mich schon ans Bergauffahren gewöhnt, oder die vertraute Umgebung im Skigebiet Zillertal Arena mit schönen Ausblicken und Eindrücken machten den Berg „fahrbarer" als den am Tag davor. Die Abfahrt nach Gerlos mit ihren Singletrailpassagen war dann auch ein wahrer Genuss. Dann noch mal kurz und hart hoch auf die Panoramastraße und mit Highspeed zurück ins Tal nach Zell am Ziller und auf die Sprintwertung Richtung Tagesziel im Mayrhofen. Tag zwei war geschafft.

120720 ZBC_147Für Tag drei stand der „Conqueror of the Ice" auf dem Programm. Natürlich hatten die Streckenplaner kein Einsehen und schickten uns von Mayrhaofen direkt Richtung Hintertuxer Gletscher, nein, es musste natürlich noch der Penken ins Tableau. Also wieder 1000hm zum warmwerden. Aber irgendwie hab ich an dem Tag „nicht den Tritt gefunden" und mich nicht wirklich wohl auf dem Rad gefühlt. Die Abfahrt nach Lanersbach war anfänglich sehr ruppig und ich hatte da schon zwei, drei Fahrfehler. Als ich endlich Teer erreicht und etwas entspannte, passiert das unverweigerliche: Eine Kurve falsch angebremst, das Rad bricht aus und schon liegt man. Vorderrad total verbogen, Abschürfungen und einen Cut am Ellbogen. Das war´s mit der „Eroberung" dacht ich. So ein Sche... Und wieder nässende Wunden und Schmerzen und dann noch der „Beichtgang" zu Sven. Und alles wegen einer Sekunde Unaufmerksamkeit und diesem dummen Fahrfehler. So vor mich hin fluchend kam ich per Pedes bei der nächsten Bergretter Station an. Krankentransport, Sports Clinic, Hotel, Heim, Couch. Schmerzmittel sind einfach wunderbar und die Tour kommt jetzt genau richtig.

Meine Mitstreiter haben mir dann noch von der Gänsehauteinfahrt am Hintertuxer Gletscher erzählt. Von großen Gefühlen und einem harten letzten Anstieg. Schade, ich hätte ihn auch gern erobert. Und jetzt ist da wieder mal diese blöde Sache mit der offenen Rechnung! Also, Hintertuxer Gletscher, nimm Dich in Acht. 2013 erobere ich Dich!!!

Letzte Änderung amFreitag, 20 Juli 2012 07:58

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