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ROMANIAN ROMANCE PART1 | RUMÄNIEN


ROMANIAN ROMANCE PART1 | RUMÄNIEN

Heli-Biken in den Karpaten
Text: Birgit Ertl / Fotos: Tamara Fritz und Birgit Ertl

Letzten August machten wir uns zu viert auf in ein Abenteuer, das irgendwo zwischen alpinem Größenwahn und Balkan-Sommermärchen lag: Heli-Biken in Rumänien. Mit dabei: Tammy und Fabs aus Innsbruck, Stefan aus Salzburg und ich, aus Altenmarkt im Pongau, mit großen Plänen, aber ohne Speicherkarte für meine Kamera.

Hier unsere Geschichte:
Der Flug von München nach Timișoara dauert gerade einmal 1,5 Stunden. Kaum genug Zeit, um sich mental auf das vorzubereiten, was uns erwartet. Am Flughafen dann die erste Begegnung mit rumänischer Gelassenheit: Unser Mietauto begrüßt uns mit mehreren orange leuchtenden Kontrolllampen. „Kein Problem“, versichert man uns. „Wir haben Teile dazugekauft, das System erkennt sie nur nicht.“ Aha. Manchmal ist Vertrauen die beste Entscheidung. Also rollen wir los. 25 Minuten später erreichen wir Timișoara. Zwei Nächte bleiben wir hier, bevor es in die Berge nach Muntele Mic geht.

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Timișoara, oft „Klein-Wien“ genannt, überrascht mit einer wunderschönen, barocken Altstadt, die man ideal zu Fuß erkunden kann. Vorausgesetzt, es hat nicht knapp 40 Grad wie bei uns im August. Trotzdem machen wir uns auf den Weg, um einige der Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden.

Das Herz der Stadt schlägt auf der Piața Unirii, ein Platz mit barocken Fassaden, Cafés und der römisch-katholischen Domkirche. Ein paar Schritte weiter beeindruckt die mächtige Timișoara Orthodox Cathedral mit ihren bunten Ziegeln und den typischen byzantinischen Türmen. Zwischen Jugendstilfassaden, schattigen Innenhöfen und der eleganten Piața Victoriei versuchen wir, möglichst langsam zu gehen, jede schnellere Bewegung würde als Hochleistungssport gelten.

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Damit wir auch wirklich die besten Spots der Stadt entdecken, schicken uns die Jungs von Heliski Romania einen Guide. Angekündigt wird er als „Après-Ski-Sensei“. Wir treffen Răzvan. Er wird seinem Titel mehr als gerecht. Răzvan zeigt uns nicht nur historische Sehenswürdigkeiten, sondern führt uns auch in die hohe Kunst des urbanen Après-Ski mit ein. Bars, Clubs, versteckte Spots – alles dabei. Auch kulinarisch bleiben keine Wünsche offen. Unbedingt empfehlenswert: das Zai Après Café. Es ist ein perfekter Mix aus Lässigkeit und richtig gutem Essen.

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Abends spazieren wir entlang der Bega. Die Uferpromenade wirkt wie eine kleine Oase: Bäume, Wasser, entspannte Stimmung und plötzlich: Musik. Auf einem am Ufer vertäuten Schiff findet ein Konzert statt. Der rumänische Rapper Macanache liefert eine Show, die uns komplett unerwartet erwischt. Spontan. Laut. Großartig. Manchmal sind es genau diese Zufälle, die eine Reise unvergesslich machen.

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HITZEFLUCHT & MUSCHI-FILET
Am zweiten Tag zwingt uns die Hitze zur Kapitulation. Wir gehen ins Freibad: DJ, Pool, Sommer-Delirium. Wir ergeben uns dem Wetter und der Erkenntnis, dass selbst ambitionierte Heli-Biker Grenzen haben.

Bevor es in die Berge geht, steht noch ein strategischer Zwischenstopp im Einkaufszentrum an. Ich brauche dringend Speicherplatz für meine Kamera, denn meine Speicherkarte liegt zuhause. Nebenbei decken wir uns mit Reiseproviant ein. Darunter: „Muschi Filet“, rumänisch für aufgeschnittenen Schinken, wie uns Răzvan erklärt. Unsere Gesichter: unbezahlbar. Mitten im Einkaufszentrum entdecken wir einen Stand mit motorisierten Plüschtieren, auf denen Kinder durch die Mall cruisen können. Die Verkäuferin versichert uns, sie halten bis 80 Kilo aus. Fünf Sekunden später sitzen wir auf vier motorisierten Tieren. Natürlich liefern wir uns ein Rennen. Natürlich geht es um Prestige. Natürlich geht es um den besten Platz im Heli. (Spoiler: Wir werden alle hinten sitzen.)

Mit neuer Speicherkarte und blinkendem Armaturenbrett machen wir uns schließlich auf den Weg nach Muntele Mic. 2,5 Stunden Fahrt liegen vor uns, raus aus der flirrenden Hitze der Stadt, hinein in die Berge Rumäniens. Und dort beginnt das eigentliche Abenteuer.

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ANKUNFT AM SPIELPLATZ DER DUNCAS:
Boost Mode, Bärenhunde und ein bisschen „illegal in Austria“ Unser bunt leuchtendes Mietauto kämpft sich Richtung Muntele Mic. Der Berg liegt im Südwesten Rumäniens im Kreis Caraș-Severin und gehört zum Țarcu-Massiv der südlichen Karpaten. Mit knapp 1.800 Metern Höhe ist er vielleicht kein Riese, aber definitiv der perfekte Ausgangspunkt für ein Abenteuer, das man in dieser Form in den Alpen wohl kaum erleben könnte. Oben angekommen checken wir in unserer Unterkunft Montis Hotel & Spa ein. Die Luft ist merklich kühler als in der Stadt, die Vorfreude hoch. Wir ahnen noch nicht, dass wir gerade in das private Wohnzimmer einer rumänischen Heli-Dynastie eingetreten sind. Am Parkplatz vor dem Hotel lernen wir sie kennen: Cristi Dunca, unser Guide für die nächsten Tage, und seinen Vater Romeo Dunca. Romeo ist Gründer von Heliski Romania, einem Familienunternehmen, das ursprünglich Heliskiing in den rumänischen

Karpaten etablierte und später auch Heli-Biking-Touren entwickelte. Romeo ist eine Persönlichkeit, die zu beschreiben, ein Buch nicht reichen würde. Abenteuer scheint bei den Duncas ohnehin genetisch veranlagt zu sein. Romeo war der erste Rumäne, der die Paris–Dakar Rallye beendete, er hat sowohl den Nord- als auch den Südpol auf Skiern erreicht und stand sogar auf dem Gipfel des Manaslu (8163 m) im Himalaya. Aktuell fliegt er seinen dritten Helikopter. Zwei hat er bereits „aufgestellt“. „Only one was my fault“, sagt er trocken. „The other time another pilot flew. And nobody was injured…“ Na dann. Und man glaubt es ihm. Nicht, weil es beruhigend klingt. Sondern weil er dabei so selbstverständlich wirkt, als würde er über einen Kratzer im Autolack sprechen.

Mit einem Pickup bringt uns Cristi noch weiter den Berg hinauf.

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ROMEOS BABY: DER AIRBUS H125
Auf halber Höhe stoppen wir an der legendären Sky Lounge, im Winter Après-Ski-Hotspot, im Sommer Heli-Spielplatz. Dahinter steht er: Romeos Baby, der Airbus H125, ein Helikoptermodell, das für Hochgebirgsflüge gebaut wurde und als einziger Helikopter jemals auf dem Gipfel des Mount Everest gelandet ist.

Unsere E-Bikes, die wir vor Ort von den Duncas leihen, werden auf einem speziell konstruierten Bike-Ständer montiert, der unter dem Heli an einem Seil hängt. Fabs, selbst Pilot einer Boeing 777, fragt nach den Safety Procedures. Romeo steckt demonstrativ den Finger in den Mund, hält ihn in den Wind: „I must check the wind. It’s good. Let’s go.“

Ein weiterer Satz für die Ewigkeit: „Do you see what we do now? Also illegal in Austria.“ Damit meint Romeo wohl das Startprozedere, das bei uns zuhause wohl nicht so schnell durchgeführt werden dürfte. Aber Romeo und sein Baby sind ein eingespieltes Team. Und genau dafür lieben wir dieses Abenteuer. Wir fühlen uns nie unsicher. Aber alles wirkt … freier, ungefilterter, weniger reglementiert. Die Berge scheinen Romeos und Cristis Spielplatz zu sein und wir dürfen mitspielen.

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DROP Am ȚARCU PEAK
Romeo setzt zuerst die Bikes ab, danach landen wir daneben. Wenige Minuten später fliegt er mit dem leeren Bikeständer wieder zurück Richtung Muntele Mic. Da stehen wir nun: fünf E-Bikes mitten in den Karpaten. Kilometerweit keine Menschenseele. Heli-Biking wurde hier 2018 von der Familie Dunca eingeführt, als Cristi nach seinem Studium begann, das Familienunternehmen weiterzuentwickeln. Die Idee war einfach: Warum nicht das Konzept des Heliskiings auf Mountainbiker übertragen? Die rumänischen Karpaten bieten dafür perfekte Bedingungen: alpine Grate, endlose Wälder und Trails, die scheinbar kein Ende nehmen. Ein typischer Heli-Bike-Trip startet auf rund 2300 Metern Höhe und führt bis auf etwa 300–400 Meter ins Tal hinunter. Je nach Route entstehen so Touren zwischen 15 und 75 Kilometern Länge.

Unsere erste Tour führt uns über etwa 45 Kilometer entlang der Bergketten des Țarcu-Massivs. Die Aussicht reicht über mehrere Gipfelketten hinweg, und dank der E-Bikes können wir noch weitere Höhen erreichen. Um das zu schaffen, fahren wir ausschließlich im Boost Mode. Irgendwann wird daraus der Boobs Mode. Und je länger wir unterwegs sind, desto schlechter werden die Wortspiele. Spätestens als zum Ende der Tour das „Muschi Filet“ vom Vortag wieder in unseren Sprachgebrauch zurückkehrt, beschließen wir, weitere Wortspiele aus unserem Urlaub nicht in diesen Artikel einzubauen, um unseren Ruf, aber auch den von Bergstolz zu schützen.

Mittagessen gibt es an einem idyllischen Fluss in einem kleinen, traditionellen Restaurant. Bevor wir das Essen bekommen, springen wir zum Abkühlen in den Fluss. Trotz E-Unterstützung kommt man hier ins Schwitzen. Später ein Stopp am Lacul Mărghitaș. Natürlich springen wir auch dort rein. Man muss ja die Wasserqualität testen.

Zurück geht es per Pickup und Anhänger nach Muntele Mic.
Der Tag endet in einem kitschig tiefroten Sonnenuntergang.

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THE GREAT HERCULES EMTB EXPERIANCE
Am nächsten Morgen wartet bereits das nächste Abenteuer: The Great Hercules EMTB Experience. Ein 75 Kilometer langer Trail, der durch die Cerna-Berge bis nach Băile Herculane führt.

Der Helikopterflug zum Startpunkt der Bike-Tour dauert rund zehn Minuten. Kurz nach dem Abheben sagt Romeo: „Everything you see now, you must forget.“ Wir beschließen erneut, nicht nachzufragen. Allerdings haben wir keine Ahnung, was wir vergessen sollten, denn zu keinem Zeitpunkt wirkt irgendetwas riskant. Wir starten wieder in der Nähe des Țarcu Peak, Ziel: Băile Herculane, auf Deutsch oft Herkulesbad genannt. Eine historische Kurstadt aus Zeiten der Habsburger Monarchie, in der einst sogar Kaiserin Sisi verweilte. Heute findet man dort noch immer heiße Schwefelquellen.

Wir fühlen uns wieder, als wären wir die Einzigen in den endlos wirkenden Bergen. Hier und da treffen wir Schäfer mit ihren Herden, die den Sommer monatelang mit ihren Hunden und den Schafen in den Bergen verbringen und nur im Winter ins Tal ziehen. Ihre Hunde tragen massive Eisenhalsbänder mit Dornen zum Schutz gegen Bären. Beeindruckend. Und ein kleiner Reminder, dass wir hier wirklich in der Wildnis unterwegs sind.

Am Ende warten die heißen Schwefelquellen in Herculane. Vorher springen wir in den kalten Bach. Kaltbaden wird unser tägliches Ritual.

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METEORITENSCHAUER & ROSAMUNDE-PILCHER-MOMENT
Nach dem Bad beziehen wir unser Hotelzimmer in Herculane. Wir treffen uns auf der Terrasse auf einen Drink. Und als hätte das Universum Regie geführt: In genau dieser Nacht zieht ein Meteoritenschauer über uns hinweg. Wir liegen im Liegestuhl, schauen in den Himmel und können nicht glauben, wie kitschig perfekt dieser Tag war. Eigentlich hätte ich den Artikel an Rosamunde Pilcher schicken müssen.

RĂZVAN UND DER SCHWARZE TRAIL
Răzvan, unser „Après-Ski-Sensei“ aus Timișoara, ist inzwischen fixer Bestandteil unserer Crew geworden. Im Winter arbeitet er als Guide beim Heliskiing, im Sommer hat er allerdings wenig Erfahrung mit Mountainbikes. Deshalb laden wir ihn ein, am letzten Tag mit uns einen Trail von Muntele Mic bis ins Tal zu versuchen. Was wir selbst nicht wissen: Der Trail ist tiefschwarz.

Răzvan verflucht uns, aber er kämpft sich tapfer den Berg hinunter. Im Wald essen wir Himbeeren direkt vom Strauch, machen immer wieder kleine Snackstopps und rollen schließlich gemeinsam ins Tal.

Wir freuen uns über eine letzte perfekte Abfahrt. Nur Răzvan nicht. Der hasst sie.

Dieses Abenteuer hat uns so gut gefallen, dass bereits feststeht: Wir kommen wieder, allerdings schon im Winter mit Ski zum Heliskiing. Also: Stay tuned for Romanian Romance Part 2.




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