RIDERPROFILE | JAKOB HERRMANN
„Es ist alles für was gut!“
Alter: 28
Wohnort: Werfenweng
Disziplin: Skibergsteigen
Beruf: Hüttenwirt
Sponsoren: Augment Ski
Projekte: Bikepacking – from Balkanexpress to Orientexpress!
Ziele: Zufriedenheit! Gesundheit!
Vom Rekordjäger zum Hüttenwirt
Mit zwölf Jahren stand Jakob Herrmann bei Vollmond mit seinen Eltern auf Tourenski – und genau da hat’s Klick gemacht. Der „Virus Skibergsteigen“ hat ihn erwischt und nie mehr losgelassen. Was ihn sofort gefesselt hat? Freiheit! Keine Lifte, keine Limits, einfach selbst in die unberührte Natur stapfen und seine eigenen Lines ziehen.
Jakob hat als Profi-Skibergsteiger viele Jahre alles gegeben – und 2024 sogar einen Weltrekord aufgestellt: 24.242 Höhenmeter in 24 Stunden. Ein Traum, den er sich erfüllt hat, aber einer, den er selbst kaum fassen konnte: „Der Rekord lag bei Kilian Jornet, das war schon extrem hoch. Dass ich das so ‚locker‘ schaffe, hätte ich mir nie vorstellen können. In dem Moment war ich einfach überfordert.“

Was er aus dem Spitzensport mitgenommen hat? „Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch.“ Und genau diese Einstellung lebt er heute weiter – nur nicht mehr im Rennzirkus, sondern auf seiner eigenen Hütte. Von einem Tag auf den anderen hatte er keine Lust mehr auf Wettkämpfe, weil er merkte, dass ihm sonst der Spaß am Sport verloren gehen würde. Stattdessen steckt er seine ganze Energie in seine Hütte „Minimal:isst“. Für ihn pure Erfüllung: morgens früh mit Skiern hinauf, Terrasse aufbauen, Kuchen vorbereiten, Gäste begrüßen – und abends am Holzofen Suppe einkochen, bis spät in die Nacht. „Wenn es meinen Gästen gut geht – geht es mir gut.“
Dass er nach seiner aktiven Karriere erstmal „brutal gelebt“ hat, gibt Jakob lachend zu. Kein Ernährungsplan, kein Zwang. Aber er weiß, dass ein gewisser Fokus trotzdem Sinn macht: 90/10-Regel – 90% bewusst leben, 10% einfach genießen. Rückblickend bleibt ihm vor allem ein „Did not finish“ im Kopf: bei der Pierra Menta (ein Zweierteam-Rennen), als sich Kilian Jornet in der letzten Abfahrt das Schienbein gebrochen hat. „Ich war enttäuscht, aber es hat mir so weh getan, Kilian so kämpfen zu sehen. Er wollte mich nicht enttäuschen – und genau das hat uns noch enger zusammengeschweißt.“ Tiefpunkte wie dieser haben ihn geformt – genauso wie Verletzungen und Rückschläge, die er immer als Lernprozess sah.

Für die Zukunft hat er noch sportliche Rechnungen offen: zwei Wettkämpfe, die er wegen gesundheitlicher Probleme nicht beenden konnte. Das will er nachholen – irgendwann, ohne Druck, nur fürs Gefühl. Privat wünscht er sich, dass alles so bleibt wie jetzt: Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe.
Sein Tipp an junge Rider? „Leidenschaft und Spaß!“ Für ihn das Fundament von allem. „Schau dir Tadej Pogacar an – er hebt sich von allen anderen ab, weil er Spaß hat und den Sport nicht nur als Job sieht.“










