bergstolz

Ventimiglia - Grenzerfahrung


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Grenzerfahrung - Endurofeeling im ligurisch-französischen Grenzgebiet

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Manche Termine sind unverrückbar festgesetzt: Weihnach-ten, zum Beispiel. Dann wiederum gibt es andere Termine, deren Datum zwar wechselt, die aber an sich feststehen – dass man in den Urlaub fährt, zum Beispiel.

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Oder dass es einen alljährlichen Bike-Adventure-Trip geben wird! Das Ziel war für Christoph und mich bald klar: In Richtung Ven-timiglia an der Grenze zu Frankreich sollte es gehen. Hier wollten wir die Trails erkunden und noch ein paar Tage auf die französische Seite der Grenze nach Sospel fahren. Mit diesen Eckdaten machten wir uns an die Detailplanung und es wurde schnell klar, dass ein Wohnmobil das optimale Gefährt und gleichzeitig die perfekte Unterkunft für den Trip wäre. Da wir uns in den vergangenen Jahren beim Bergstolz immer wieder mal über die Unterstützung der Firma Hymer freuen durften, fragten wir auch für dieses Abenteuer an. Und freuten uns wenig später über die Info, dass wir eines der exzellenten Wohnmobile für den Trip zur Verfügung gestellt bekommen würden. Bella Italia, wir kommen!

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Aber wie das so ist mit Plänen: Erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt… Zwei Wochen vor Abfahrt riss sich Christoph bei einem Sturz die Sehne am Daumen an und fiel für den Trip aus. Was nun, das Ganze absagen? Nein! Ich griff zum Telefon und rief meinen alten Kumpel Robert an, der eigentlich nie Zeit hat zum Biken, da er immer viel arbeitet. Aber weil er auch die letzten beiden Jahre mit in Ligurien dabei war, versuchte ich einfach mein Glück. „Verlockend ist es ja schon, das wird sicher gut“, meinte Robert. Nach einem Tag Bedenkzeit sagte er zu und wir starteten durch. Bella Italia, jetzt kommen wir wirklich! Es war bereits November, bei uns nicht mehr gerade das beste Wetter zum Biken. In Ventimiglia angekommen, mussten wir fest-stellen, dass auch dort einige Campingplätze schon zu hatten. Nach zwei glücklosen Versuchen haben wir dann 200 Meter ent-fernt vom Strand einen gefunden. Perfekt für uns, denn genau das Feeling wollten wir haben: Zuerst biken und danach am Meer ent-spannen. Nach der ersten Nacht ging es auf die erste Erkundungsrunde. Ich hatte schon ein wenig Trailscouting betrieben und so fuhren wir nach Dolceaqua und von hier die Berge hoch. Nach einer langen Auffahrt erklommen wir auf einem ausgefahrenen Karrenweg den Gipfel des Monte Erisetta. Robert war als alter Trailmotorradspe-zialist auf der steilen, technischen Auffahrt sehr optimistisch un-terwegs, überschlug sich an einer Steilstufe rückwärts und krachte voll auf die Hüfte. Nun ging es doch schiebend weiter, es war zu grob und zu steil, um weiterzufahren. Staunend erkannten wir, dass wir Enduro-Motorradland betreten hatten: Mountainbiker tra-fen wir keine, aber dafür etliche Motocross- und Endurofahrer. Nach dieser schweißtreibenden E-Bike Schiebeaktion kamen wir endlich direkt am Gipfel an und erblickten einen wunderbaren Trail. Er schlängelte sich von Bergrücken zu Bergrücken und den Hintergrund bildete natürlich das ligurische Meer. Die Abfahrt hatte es in sich. Sehr felsig, steil und verblockt ging es hinunter. Der Vorteil war, dass dadurch die Motorräder keine tiefen Spurrillen in die Erde gruben. Trotzdem ist es ein ganz an-deres Fahren hier, als in unseren heimischen Gefilden. So führten uns die ersten Trails bis nach Camporosso und zurück ans Meer, wo wir bei einem Aperitivo den Sonnenuntergang genossen. Am zweiten Tag haben wir uns eine Ganztagesrunde auf den Monte Grammondo vorgenommen. Der liegt direkt an der franzö-sischen Grenze und ist der höchstaufragende Gipfel vom Meer aus gesehen. Uns erwartete eine ewig lange Auffahrt, die noch dazu umso schlechter wurde, je höher wir kamen. Zum Schluss ging es über kopfgroße Felsbrocken und wir waren sehr dankbar über un-sere E-Bikes, mit denen wir geradeso mit dem letzten Kraftauf-wand die Kiste noch am Fahren hielten. Oben am Sattel, zirka 50 Höhenmeter unter dem Gipfel, legten wir eine Rast ein. Wir hatten von hier einen gigantischen Ausblick hinüber nach Frankreich, ins Argentina Tal und auf das in der Ferne glitzernde Meer. Vor uns nun eine ewig lange technische Abfahrt, und Felsen, soweit das Auge reicht. Am Anfang sehr viel loses Ge-röll, dann im Gestrüpp viele Felsstufen und Dornensträucher, un-sere Langarmshirt waren schon ganz schön zerfetzt, aber besser als blutige Arme. Man könnte die Abfahrt auch den Dornenweg nennen. Ein paar Mal kamen wir nah an die französische Grenze und der Trail führt stetig weiter in Richtung Meer. Im unteren Be-reich gibt es Gottseidank keine Dornen mehr – dafür einen Haufen Jäger. Sie kampierten hier in Scharen und fragten uns recht er-staunt, ob wir uns sicher wären, gerade diesen Weg zu befahren: „Der ist steil und felsig, hier kann man auf keinen Fall fahren!“ Als wir bejahten, boten sie uns noch ein Glas Rotwein an und wünschten uns viel Glück – daran könnten sich unsere heimischen Jäger durchaus ein Beispiel nehmen… Bald merkten wir, was sie gemeint hatten: Im freien Handstand gings sehr steil und verblockt direkt ans Meer hinunter.

 

Auch hier dasselbe: Alle Campingplätze hatten geschlossen. Nach einigen Telefonaten und Handysprachübersetzung hatten wir end-lich unseren Platz. Es war sehr kalt, schon anders als die 22 Grad am Meer unten. Das Thermometer zeigte am Abend gerade noch zwei Grad an. Am nächsten Tag wollten wir zum Disneyland Trail, wir hörten von einigen Leuten, dass das der Trail der Trails sei. Aber wir mussten in ein anderes Tal hinüber und es waren 2.600 Höhenmeter und 80 Kilometer zu bewältigen. Wie sollten wir das an einem Tag schaffen, da wir ja noch einige Trails am Col de Braus mitnehmen wollten? Wir hatten zum Glück einen Ersatzakku dabei, den wir in der Nähe von L´Escarene im Unterholz versteckten. So konnten wir gelassen unsere Tour angehen und den über sieben Kilometer langen Trail nach L´Escarene in vollen Zügen genießen. Von L´Es-carene aus fuhren wir weiter nach Luceram, einem kleinen Berg-dörfchen, wo wir ein Baguette zu uns nahmen und das typische französische Flair in uns aufsogen. Hier steht die Zeit still, es kommt kein Stress auf. Nach diesem Erlebnis ging es weiter zum Col du Savel. Wir fuhren eine berühmte Teerstraße hoch. Vor jeder Kurve – und von denen gibt es hier einige – sahen wir einen Haufen schwarze Reifenspu-ren: Das hier ist eine der Wertungsprüfungen der Rallye Monte Carlo! Es kommen alte Erinnerungen in mir hoch, denn ich hatte diesen Sport auch mal zehn Jahre betrieben. So ging es Kehre um Kehre hoch, bis wir am Col du Savel in den Disneyland Trail ein-stiegen, und ich wieder in die Gegenwart zurückkehrte. Ein traum-hafter Trail mit ganz feinem, kiesigem Untergrund, es geht wie auf der Achterbahn dahin. Ab und an eine Felsstufe, aber voll zum bal-lern. Die Strapazen haben sich jedenfalls gelohnt, mehr als zehn Kilometer feinster Trail, der Hammer. Dieses Gebiet hat unzählige Trails zu bieten und man kann bis nach Nizza runterfahren. Nicht umsonst kommen viele Downhill- und Enduro-Heros von hier: Nicolas Vouilloz, Fabien Barrel und Flo Nicolai, um nur einige zu nennen, haben hier das ganze Jahr die besten Trainingsmöglichkeiten. Zurück in L´Escarene tauschen wir Der Ausblick war fantastisch. Wir hatten uns nun schon richtig gut eingefahren, und so ging es sehr gut und sicher zu fahren. Unten angekommen fuhren wir an der Küstenstraße zurück an unsere Strandbar und genehmigten uns unseren Sundowner. Was will man mehr!? Für den dritten Tag hatten wir eine größere Tour ins Hinterland ge-plant. Nur wussten wir vom Vortag, trotz ausschließlichem Fahren auf Ecostufe, dass wir die Tour niemals packen würden mit nur einer Akkuladung. Mit Biobikes erst recht nicht. So starteten wir die Tour erst hinter Isolabona und es sollte sich noch herausstellen, dass das genau richtig war. Zuerst einmal mussten wir wieder eine gefühlte Ewigkeit eine Teerstraße hoch bis zum Rifugio Gola di Gouta. Hier kehrten wir ein – wie könnten wir grünen Tagliatelle mit frischen Steinpilzen widerstehen? Ein Gedicht! Wir hatten noch nie so gute Pasta gegessen und fuhren danach weiter Richtung französische Grenze. Ich hatte hier ein paar Endurostages aus einem regionalen Rennen ausgekundschaftet, die wir uns ansehen wollten. Auf der französischen Seite startete der erste Trail, der sehr schwer zu finden war und schon seit längerer Zeit nicht mehr befahren wurde. Auf feinstem Waldboden, aber sehr steil, ging es ca. zwei Kilometer hinunter - ein Traum. Wir kamen wieder an das Rifugio zurück und erklommen den Monte Gouta, der von Wald bedeckt ist und auch hier mussten wir einige Male hin und her fahren, bis wir den Trail fanden. Die Landschaft ist hier sehr urig, alles ist sehr zugewachsen. Aber der Trail vom Gouta ist erste Sahne: Steil und steinig geht es von Höhenrücken zu Höhenrücken, immer wieder mit giftigen Anstiegen zwischendurch. So geht es eine Ewigkeit dahin. Keine Menschenseele trafen wir, nur pure Natur und wilde Landschaft. So kamen wir am Nachmittag wieder in Dolceaqua raus und rollten zurück ans Meer. Nach 7,5 Stundem, über 60 Ki-lometern Strecke und fast 2.000 Höhenmetern traten wir die letz-ten zehn Kilometer mit leerem Akku. Am Campingplatz angekommen räumten wir gleich alles zusammen und machten uns am frühen Morgen auf den Weg nach Sospel.

die Akkus und es geht wieder 15 Kilometer hoch zum Col de Braus und zurück zum Campingplatz. Am nächsten Tag fahren wir wieder hoch zum Col de Braus und Richtung Sospel ab. Die Trails rund um Sospel sind noch mal an-spruchsvoller als auf der italienischen Seite, auch geschuldet dem verheerenden Unwetter, das Ende 2020 hier wütete und alles überschwemmte und mitriss. Nun ist es noch etwas felsiger und steiniger. Am mittlerweile fünften Biketag fordert uns das Gelände nochmal richtig, aber wir werden mit uriger Natur und wilden Trails belohnt. Am Abend genießen wir das leckere französische Essen und einer Flasche Rotwein. Alles richtig gemacht, denn in der Nacht begann es zu regnen und am nächsten Morgen regnete es noch immer. Robert hatte keine Lust mehr zu fahren. Da ich schon mal in Sospel war, habe ich mich aufgemacht auf eine kurze Runde auf den Hausberg von Sospel, den Mont Agaisen, hier gibt es unzählige Trails. Leider war es sehr rutschig und kein Spaß auf den felsdurchsetzten Passagen. So endet unser gemeinsamer Trip. Ich brachte Robert nach Nizza und er flog zurück nach München. Ich selbst hatte noch eine Woche und machte mich mit dem Hymer Mobil auf den Weg zurück nach Ligurien, wo ich in San Remo, San Lorenzo al Mare und Finale Ligure noch verweilte. Aber von diesem Abenteuer erzähle ich Euch vielleicht das nächste Mal…

Infobox

Anreise
Von München über Autobahn Lindau nach Bregenz, weiter bis Chur - über St. Bernhardpass an Mailand vorbei - Richtung Genua auf die SS1 Richtung San Remo; weiter bis kurz vor die Landesgrenze Frankreich.
Auf italienischer Seite liegt der Ort Ventimiglia. Sospel liegt auf der anderen Seite der Berge und kann über Menton erreicht werden, oder aber über das Roya Tal von Ventimiglia aus.

Camping
Ventimiglia
» Camping Vallecrosia, Via G.Marconi 149, 18019 Vallecrosia, Tel. 0039184295591 www.campingvallecrosia.com
» Campground Helios, Via Dante Alighieri 1, 18033 Vallecrosia, Tel. 0039184251762 www.campinhelios.com
» Camp Por La Mar, Corso Nizza 107, 18039 Ventimiglia, Tel. 0039184229626 www.campingporlamar.business.site

Sospel
» Le Mas Fleuri, La Vasta Superieure, 06380 Sospel, Tel.+33603269607 www.camping-mas-fleuri.com
» Domaine Sainte Madeleine, 06380 Sospel Tel.+33493041048 www.camping-sainte-madeleine.com

Essen
Vallecrosia (Ventimiglia)
» Ristorante Storie di Mare, Via G.Marconi ,18019 Vallecrosia, Tel. 0039184255660 www.ristorantestoriedimare.com
» Ristorante Il Tridente, Via G. Marconi 8, 18019 Vallecrosia, Tel. 0039184998417

Sospel
» La Cabraia, 1 Palace de Cabraia, 06380 Sospel, Tel.+33493040054
» Bar Centrale, Palade de Cabraia, 06380 Sospel, Tel.+33493040138

Bikeguide & Shuttle
Ventimiglia
» Taxi: Giampaolo Biamonti, Tel. 00393276963700 (max. 2 Bikes, oder vorher abklären)

Sospel
» Cool Bus, Tel. +33632192962 (nur in den Sommermonaten) www.thecoolbus.co.uk


Text: Oli Dorn / Foto: Martin Erd




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