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Seite 48 | BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2017

SKI RIDE

üben lässt. Das macht er richtig gut, so dass jedem die alpinen Gefahren

sehr bewusst werden.

An diesem Tag hat lockeres Einfahren Priorität, was im frischen, tiefen

Powder der pistennahen Hänge schon einmal ziemlich viel Spaß macht.

Erstes Beschnuppern, wie alles so passt, skifahrerisch und menschlich in

der Gruppe. Per aus Dänemark ist anfangs etwas überfordert, bis ihm

Andreas kürzere Ski organisiert, womit es dann bei dem immer gut ge-

launten Dänen gleich viel besser und sturzfreier geht. Andrew, skifahre-

rischer Freigeist aus Vancouver ist extra am Vortag angereist, um bei

diesem Skiride die Alpen besser kennenzulernen. Nach einem letzten be-

geisterten Powerdrun hinunter von der Bühlalpe durch die sicheren

Hänge der Prärie, ist er dann - vom Jetlag geplagt - aber doch froh, als

ihn der öffentliche Skibus zurück in Haller’s Genusshotel

(www.hallers.at

)

in Mittelberg bringt, das übrigens seinem Namen alle Ehre macht.

Am nächsten Tag Wechsel der Talseite hinüber in Richtung Hoher Ifen

(2.228 m). Die Lawinengefahr ist weiter sehr groß, die Wetterprognose

nicht berauschend, so dass aus der geplanten langen Skitour nichts wird.

Also Ski plus und mit der Ifenbahn hinauf bis zur Bergstation auf 2030

Meter, dort Felle rauf und ein kurzer Aufstieg Richtung Hahnenköpfle

(2077 m). Dort will Lukas entscheiden, ob eventuell je nach Sicht doch

der Ifen-Gipfel und dann die lange, eigentlich wunderschöne Tourenab-

fahrt hinunter nach Schönenbach im Bregenzerwald, der zweiten Station

des Ski-Rides, machbar sind. Die Entscheidung wird ihm relativ leicht ge-

macht, nachdem der Nebel so dicht wird, dass selbst Elmar, der im Klein-

walsertal aufgewachsen und das Tal und die Berge dort wie seine

Westentasche kennt, sich nicht mehr wirklich imWhiteout zurechtfindet

und selbst der Versuch zum Hahnenköpfle vernünftigerweise abgebro-

chen werden muss. Schade, aber ein paar schöne Runs auf der bestens

präparierten Olympia-Piste machen dann auch Spaß, bevor Andreas die

Gruppe mit dem Tourbus hinüber über den Riedbergpass in den Bregen-

zerwald und dort ins idyllische, frisch renovierte und von Mariette und

Hubert liebevoll geführte Jagdgasthaus Egender

(www.jagdgasthaus-

egender.at) nach Schönenbach shuttelt, wo amAbend in der gemütlichen

Stube des Naturholzhauses die berühmten „Käsknöpfle“ und selbst ge-

brannter Enzianschnaps warten.

ARLBERG IM SONNENLICHT

Am nächsten Tag am frühen Morgen mit aufgehender Sonne gondelt

die Truppe in klirrender Kälte per Bus-Skijöring die einsame Straße hi-

nunter nach Bizau. Von dort geht es weiter im Shuttle über den Hoch-

tannberg/Auenfeld nachWarth. DenWidderstein (2533 m) als markante

Grenze zum Kleinwalsertal im Rücken, wartet ein zwar bitterkalter, dafür

umso sonnigerer Tag mit frischem Pulver am Arlberg. Ein grandioser Tag

in der Wiege des alpinen Skisports, auf weiten, weißen Hängen, wo Spu-

ren in schöner, symmetrischer Reihe nebeneinander zeigen, dass erste

Gruppen bereits im Offpiste unterwegs waren. „Die Guides weisen ihre

Kunden darauf hin, dass sie nur immer nebeneinander abfahren sollen,

dann bleibt am meisten Powder für alle. Ansonsten wären die Hänge

hier im Nu kreuz und quer zerfahren“, erklärt Lukas.Warth, Saloberkopf,

Steinmähder, Zugertobel, hinüber nach Zug, später kurzes Verschnaufen

und Kräfte tanken in der noblen, modernen Skihütte „Der Wolf“

(http://www.derwolf.ski/de/skihuette-in-lech/

), wo von so manch Arl-

berg-Klientel fette Edel-Burger mit noch fetteren Champagnerflaschen

hinuntergespült werden. Gestärkt und mit neuem Schwung geht es

hinab ins Tal, mit der Rüfikopfbahn wieder hinauf und variantenreich

weiter auf den Spuren des Weißen Ring in Richtung Hexenboden, nach

Zürs und viele Powder- und Höhenmeter später ziemlich glücklich zurück

ins autofreie Oberlech zur Übernachtung im Hotel Goldener Berg

(www.goldenerberg.at

).

Das Wetter ist auch am nächsten Morgen stabil schön, die prekäre La-

winenlage allerdings auch. Wir sind herübergekommen mit der hoch-

modernen neuen Flexen- und Albonabahn, sitzen im Albonagratstüberl

auf 2358 Metern und beraten. Eigentlich war der Plan, mit den Fellen in

Richtung Maroiköpfe aufzusteigen, um von dort via Klostertal über den

Sonnenkopf ins Silbertal ins Montafon zu gelangen. Doch das „eigent-

lich“ hat sich angesichts der großen Lawinenkegel und noch nicht ab-

gegangenen Schneefelder oberhalb der Aufstiegsspur dann für uns

schnell erledigt, obwohl sich bereits einige andere Gruppen drüben auf

den Weg gemacht haben. „Für mich ist das unverantwortlich“, meint

Lukas. Er hat viel mit anderen Ski- und Bergführern telefoniert am Mor-

gen und kann sich selbst nicht daran erinnern, hier schon mal eine ähn-

liche Situation mit so vielen selbstauslösenden Lawinen erlebt zu haben.

„Es ist ganz eigenartig, normalerweise ist der erste Tag nach großen

Schneefällen der gefährlichste. Aber hier und jetzt ist es total anders, so

dass es trotz des stabil schönen Wetters jeden Tag gefährlicher wird.

Aber das liegt wohl an der eisigen Kälte, dem starken Wind derzeit und

dem eigenartigen Schneedeckenaufbau in diesem Winter.“ Seine ganz

klare Ansage für das Skiride-Team deshalb: Die Felle bleiben in den Ruck-

säcken, Pisten rocken hinunter nach Stuben statt Höhenmeter hinauf