Seite 54 | BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2017
LORRAINE HUBER
Warum eigentlich Backcountry?
von Lorraine Huber
Beim Training für die FreerideWorld Tour
(www.freerideworldtour.com)
sowie bei den Wettkämpfen geht es vor allem um die sportliche
Leistung. Neben solchen sportlichen Herausforderungen ist es in
meinem Leben ebenso wichtig, mit der Natur verbunden zu sein. Dann
kann ich meine Batterien aufladen, ich fühle mich lebendig und
glücklich. Skitouren oder Bergsteigen zu gehen gibt mir die Zeit und
Ruhe, meine Umwelt richtig zu genießen und meinen Körper, Geist und
meine Seele zu beleben. Das alles ist für ein vollkommenes Leben
gleichermaßen wichtig. Ich mag die körperliche Anstrengung und dass
ich mein Können, das ich mir über die Jahre angeeignet habe, unter
Beweis stellen kann. Auch liebe ich die mentale Herausforderung, wenn
man ein Vorhaben plant. Ständig sind meine Gedanken beim Gelände,
der Schneebeschaffenheit, dem Wetter und den Konsequenzen. Das
alles ist eine großartige Übung in „Mindfullness“, welches unter
anderem für Stressabbau sehr erfolgreich eingesetzt wird.
Das Bergsteigen lässt sich nicht mit pathetischen Floskeln etikettieren,
bestimmt nicht mit “Eroberung des Unnützen”. Im Gegenteil: „Der
Alpinismus ist gerade eine der nützlichsten Aktivitäten, die sich der
Mensch zugelegt hat. Kaum eine andere Beschäftigung bietet ihm die
Möglichkeit, seine seelische und körperliche Dynamik so wirksam und
direkt zur Geltung zu bringen“ (Harry Muré aus Jeanne Immink).
Die Berge sind großteils wild und still, ein besonderer Zustand den man
im heutigen Europa immer seltener antrifft. Im Backcountry unterwegs zu
sein ist für mich außerdem der Inbegriff des Abenteuers, vor allem wenn
ich in unbekanntem Gelände unterwegs bin und es nicht sicher ist, ob das
Vorhaben klappen wird oder nicht. Ich bin immer wieder erstaunt über die
Entfernungen, die ich auf meinen Tourenskiern zurücklegen kann. In
meinen Augen gibt es kein besseres Fortbewegungsmittel in den Bergen.
www.lorrainehuber.com|
insta.@lorrainehuberFoto: Melissa Presslaber
Foto: Jeremias Varela




