GASTEIN
BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2017 | Seite 41
Freeriderinnen sind für mich wie Lottomillionäre – ich weiß, dass es sie gibt, in meinem
Bekanntenkreis sind sie aber bisher nicht aufgetaucht. Ein Mädels Freeride Camp ist also der
„Millionairs Club“ meiner Welt. Als sich im letzte Winter die Gelegenheit ergibt, beim Shades
of Winter Camp in Gastein dabei zu sein, bin ich logischerweise sofort dabei.
An Shades of Winter und Sandra Lahnsteiner, der treibenden Kraft dahinter, kommt man seit
Jahren, wenn es um Freeriden beziehungsweise Freeridederinnen geht, nicht herum. Mit den
Filmen, die internationale Aufmerksamkeit bekommen haben, den Freeride-Camps, die sie seit
2011 für Damen organisiert und dem umfangreichen und dem schon fast omnipräsenten Social-
Media-Auftritt ist Shades of Winter mittlerweile DIE Female Freeriding Institution. Von einem der
allerersten Camps wurde mir abenteuerliches berichtet, aber hey! Es heißt ja, man soll öfter mal
was Neues ausprobieren!
Ende März: Ich packe mein Auto und nehme mit – nichts, was ich sonst nicht auch für einen Drei-
tages-Skitrip dabei hätte. Also mehrere Paar Ski, Stöcke, Skischuhe, Helm, Goggles, Piepser, Schaufel,
Sonde, Ersatzbatterien, Lawinenairbag, Handschuhe, Sonnenbrille, und nicht zu vergessen jede
Menge Funktionsbekleidung für alle möglichen und unmöglichen Lebenslagen und Wetterbedin-
gungen. Sicher ist sicher.
In Gastein, also zumindest in Sportgastein, war ich schon mal mit Freunden unterwegs, das Gelände
hat mich umgehauen. Mit dem zusätzlichen Expertenwissen von Sandra als Local sollten sich da
einige gute Runs ausgehen. Im Salzburger Hof in Bad Hofgastein angebkommen, steht einiges an
breiten Latten inklusive Besitzerinnen herum. Sehr lange dauert es nicht, bis alle Mädels miteinander
auf der Terrasse an einem Tisch sitzen, die Sonne genießen und quatschen. Sandra und Melissa
Presslaber, die das Camp zusammen mit der Schneesportschule Gastein leiten werden, sind noch
nicht mal da. Klischee „Girls talk“ – check, übererfüllt.
Gesprochen wird englisch: Die Teilnehmerinnen sind aus ganz Europa angereist, Katerina kommt
aus Griechenland, Julia, Linnea und Erika sind aus Schweden eingeflogen, Anne aus London. Dazu
kommen noch Marlene und Steffi, die in Salzburg Sport studieren, Eva aus dem Stubaital und Laura
aus Deutschland. Das Zimmer teile ich mit Magda und Lena, die eine war in Engelberg bereits beim
Camp dabei, die zweite kommt aus dem Kaunertal und hatte Sandra schon als Coach. Eine bunte
Mischung also, die so nicht geplant war. „Mich überrascht die Reichweite von Shades of Winter
selbst immer wieder, dass die Mädels von überall her zu den Camps kommen ist für mich faszinie-
rend“, erzählt Sandra. Die Ursprungsidee zu den Camps entstand in ihrer Arbeit als Skilehrerin und
Trainerin: „Mir hat das immer schon sehr viel gegeben, wenn ich jemandem weiterhelfen konnte,
jemanden dazu bringen konnte, seine Grenzen auszuloten und ein Stück weit zu verschieben.
Irgendwann ist mir aufgefallen, dass es keine Campangebote für Freeriderinnen gab. Da war der
Gedanke geboren und 2011 startete ich mit dem ersten Girls Freeridecamp. Da stand keine
kommerzielle Absicht dahinter, wir wollten einfach Mädels unterstützen, die im Gelände Skifahren
und Spaß haben wollten.“
Wie diese Unterstützung genau aussehen soll, wird nach dem Abendessen in einer offiziellen




