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Seite 20 | BERGSTOLZ Ski Magazin OKTOBER 2017

BAKHMARO

Beim Absteigen zeigt sich, dass es keine gute Idee ist, ohne angeschnallte

Ski in den Powder zu steigen oder von der Pistenraupe direkt reinzuspringen:

groundless!!!

Nach einem Gruppenbild für den Bürgermeister wagen wir die ersten

Abfahrten. Wie kleine Kinder, die zum ersten Mal Schnee sehen, tollen wir

durch den Wald. Der Schnee ist so tief und so pulvrig, die Möglichkeiten so

grenzenlos. Immer und immer wieder fährt uns Aslan ein paar hundert Meter

weiter den Grad entlang, so dass wir Firstline an Firstline reihen können. Als

wir abends zurück zu unseren Häusern kommen hat sich dort auch viel getan:

Ingo hat einen der Köche als „Feuerwart“ abgestellt, ein kleiner Generator

liefert Strom und das Bier und der Chacha wartet auch schon auf uns.

So schnell und so leicht sind Schneesüchtige wie wir zufrieden zu stellen.

Am nächsten Tag greifen wir uns die beiden Snowcats, weil Ingo mit der

Raupe ins Tal zum Einkaufen muss. Das erhöht die Schlagzahl und macht

noch mal mehr Spaß. Leider schaffen es die zwei Motorschlitten mit uns

hinten dran nur in den Spuren der Pistenraupe, was bei so viel Gelände und

mittlerweile ein paar angelegten Tracks aber keinen stört. Auch Ingo und sein

Team, das mittlerweile aus gefühlten 10 Personen besteht, haben mächtig

Gas gegeben und tischen beim Abendessen und Frühstück immer mehr

georgische Leckereien auf. Nur unseren Fotographen hat es böse erwischt,

scheinbar verträgt sein Magen den Chacha nicht und an Kohletabletten hat

natürlich auch niemand gedacht. Eine Situation, die sich bei Raumtempera-

turen von minus 15 Grad in den Toiletten, bei denen man das Spülwasser im

großen Topf direkt vom Ofen im ersten Stock mitbringen muss und dieses

dann sofort an der Keramik anfriert, eine denkbar ungute ist.

Am nächsten Tag wollen wir einen der höheren Berge befahren. Aslan mutet

seiner Kässbohrer alles ab, muss aber immer wieder vor den Schneebergen

kapitulieren und sich im Zick Zack die Hänge hocharbeiten, was irgendwann

einfach keinen Sinn mehr macht. Wir ziehen die Felle auf und können schon

nach eine guten halbe Stunde einen Rundumblick vom allerfeinsten

genießen. Im Westen das Schwarze Meer, im Osten der große Kaukasus im

Süden die Türkei und nach Norden die Tiefebene. Und vor uns unberührte

Hänge, weite Flächen, offener Wald – Skiers Paradies!!! Jetzt heißt es die

Gruppendynamik und Euphorie zu bremsen, schließlich sind wir immer noch

weit ab jeglicher Zivilisation. Wir beschließen, eine relativ konservative Line

über die freien Flächen zu nehmen und im Wald in Paaren zu fahren. Was

dem Spaß aber in keiner Weise abträglich ist. Der Schnee staubt, die Sonne

strahlt und das Gefühl, dass vor uns noch kein Skifahrer auf diesen Hängen

unterwegs war ist unglaublich. Als wir mit den Ski direkt an der Hütte

ankommen empfangen uns unsere georgischen Gastgeber mit einem Open

Air Mittagessen, klatschen jeden Einzelnen ab und fotographieren wie wild

unsere Spuren im Schnee. Jetzt kann sich auch Ingo nicht mehr zurückhalten

und begleitet uns auf dem nächsten Run. Die Stimmung ist super und wir

verleihen seiner Unterkunft das Prädikat „Ski in and Ski out“.

Als wir am nächsten Morgen wieder auf die Pistenraupe klettern weht

leider schon der Abschiedsschmerz um die beiden Hütten. Nach reichlich

Kartenstudium haben wir uns aber ein Highlight für unsere letzte Abfahrt

ausgesucht: Aslan soll und zum Ausgangspunkt fahren, von dort nehmen wir

ein neue Route Richtung Verbindungsstraße, wo wir auf Dobo treffen, der

uns mit dem Motorschlitten den langen Gegenanstieg hochzieht und uns so

die Abfahrt bis nach Chkhakoura möglich macht. Mittlerweile ist die Verstän-

digung und Organisation so gut, dass unser Plan minutiös aufgeht und uns

noch eine weitere Wahnsinns Abfahrt beschert. Als wir nach zwei Stunden

Abfahrt in dem kleinen Bergdorf aus den Ski steigen, sind wir eine Attraktion.

Die Dorfbewohner, die auch im Winter in Ihren Häusern bleiben, kommen

alle zusammen, schütteln aber nur ungläubig die Köpfe: einen so bunten,

aufgedrehten Haufen der sich gegenseitig in die Arme fällt haben sie sicher

noch nicht gesehen.

Als wir am nächsten Tag im Flugzeug zurück sitzen, sind wir hin und weg

von Georgien. Von den Eindrücken, der Gastfreundschaft, dem Schnee und

Ingos Vision. Aber wir sind auch sehr glücklich, dass alles gut ging, dass wir

dieses Abenteuer erleben durften, aber auch, dass wir es wohlbehalten über-

standen haben.