BAKHMARO
BERGSTOLZ Ski Magazin OKTOBER 2017 | Seite 17
Bevor ich angefangen habe diesen Artikel zu schreiben, habe ich mir noch mal meine Mail an
Ingo durchgelesen, die ich ihm ein paar Tage nach unserer Heimreise geschrieben hatte. Denn
vieles, was wir bei der „Set UpWeek“ in Bakhmaro erlebt haben, ist schon durch die rosa Brille
verklärt bzw. durch den massiven Powderrausch getrübt. Mittlerweile ist ja auch viel über das
neue Skigebiet in Georgien geschrieben und erzählt worden. Alle sind natürlich hellauf begeis-
tert, was sogar so weit führte, dass unser Fotograph Rainer einigen Spott über sich ergehen
lassen musste, als er seine Erlebnisse im kleinen Kaukasus in seinem Blog veröffentlichte. Und
um das mal vorwegzunehmen: Auch wir hatten Spaß, den wohl besten Schnee der vergangenen
Saison und wir sind die Firstlines gefahren, ABER:
Als ich am Freitagmorgen, es ist die Woche vor Weihnachten 2016, noch kurz ins Büro gehe, höre
ich schon beim Aufsperren der Tür das Telefon läuten. Kurz vor acht, wer ruft denn schon so früh
an? Es ist Ruedi, von der Schweizer Reisegruppe, die mit dem gleichen Ziel schon am Vorabend
aufgebrochen ist. Verzweifelt fragt er nach dem Kontakt von Ingo. Er könne niemanden erreichen,
sie seien nicht wie vereinbart am Flughafen abgeholt worden und in Georgien herrsche das völlige
Scheechaos. Ich klemme mich sofort ans Telefon schreibe Mails und Nachrichten, bekomme aber
auch keine Antwort. Der letzte Eintrag auf Facebook ist auch schon einige Tage alt, was zu heißen
Diskussionen in unserer Reisegruppe führt: Sollen wir zum Flughafen fahren? Sollen wir auf gut
Glück am späten Nachmittag losfliegen? Die letzte Mail von Ingo kam ja auch schon vor ein paar
Wochen! Wer ist Ingo überhaupt? Kann man jemand trauen, der einem auf der Alpin Messe in Inns-
bruck erzählt, er eröffne dieses Jahr ein neues Skigebiet in Georgien? Mit diesen Gedanken und
Diskussionen fahren wir schließlich nach Memmingen, wo uns kurz vor der Autobahnausfahrt die
erlösende Nachricht erreicht: „Alles gut. Scheechaos! Telefonnetz ausgefallen. Shuttle kommt“. So-
fort setzt wieder der „Powderrausch“ ein. Wir reden nur noch über meterweise Neuschnee und
nicht mehr über das ausgefallene Handynetz, nutzen im vierstündigen Flug nach Kutaissi ordentlich
das „zahl zwei, krieg drei Bier“-Angebot unserer Ungarischen Airline und schauen deshalb ziemlich
blöd aus der Wäsche, als der Pilot, nach mehrmaligen Landeanflügen und Schleifen, Richtung Tiflis
weiterfliegt. Zum Glück hat dort der Burger King noch offen und zum Glück konnte uns die nette
Dame vom Serviceschalter einen Bus zurück nach Kutaissi organisieren. Pech war, dass sich der
Fahrer zuerst weigerte, das ganze Gepäck mitzunehmen und der Bus keine Heizung hatte. Das
ganze bei gut 10 Grad unter Null und mittlerweile 3 Uhr nachts Ortszeit. Nach fünf Stunden Fahrt
durch das tief verschneite Georgien biegt unser Bus direkt von der Autobahn in einen Feldweg ab,
ruckelt ein paar hundert Meter durch diverse Schlaglöcher und kommt vor einem verlassenen Hotel
zum Stehen. Dort werden wir von Levan und Davit herzlichst begrüßt, das Gepäck vom Bus auf die
Dächer von zwei Jeeps verladen und mit besserenWäscheleinen „gesichert“. Levan hat einige Jahre
in Frankfurt gearbeitet, spricht Deutsch und kann in unseren Gesichtern lesen, was wir jetzt am
dringendsten brauchen: Ein Frühstück und heißen Kaffee! Das ist dann auch unser erster Kontakt
mit georgischem Essen: süß, mächtig und nach dieser Nacht jetzt genau das Richtige! Dann geht
es erst mal zu diversen Geschäften. Vollgepackt bis unters Dach mit Getränken, Brot, Diesel und
Mehl brechen wir schließlich aus der kolchischen Tiefebene Richtung Berge auf. Nächster Stopp soll
eine Fischzucht in der Nähe von Chokhatauri sein oder der Ort oder irgendwo dazwischen, wo wir
von den Jeeps zum „Radrak“ wechseln. Aber sicher sei er sich auch nicht, da ja Ingo oben in




