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Seite 68 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016

EQUIPMENT

Ser v i ce LVS-Gerät e

PIEPS Micro

Reichweite:

40 m

Suchstreifenbreite:

40 m

1 Batterie

AA

Batterielebensdauer:

200 h

Gewicht:

150 g

Größe:

106 x 74 x 20 mm

Anzeige Mehrfachverschüttung: 4+

Zusatzfeatures:

• erweiterter Gruppencheck

• Schaltet automatisch von Senden auf

Suchen, wenn aus der Halterung ge-

nommen

• Gerätemanagement über Bluetooth

und PiepsApp

• iProbe Support

www.pieps.com

Ortovox 3+

Reichweite:

40 m

Suchstreifenbreite:

40 m

1 Batterie

AA

Batterielebensdauer:

250 h

Gewicht:

210 g

Größe:

122 x 73 x 27 mm

Anzeige Mehrfachverschüttung: 4+

Zusatzfeatures:

• Partnercheckfunktion

• Smart-Antenna-Technologie mit intel-

ligenter Lageerkennung

• RECCO-Reflektor

www.ortovox.com

Mammut Pulse Barryvox

Reichweite:

60 m

Suchstreifenbreite:

50 m

3 Batterien

AAA

Batterielebensdauer:

200 h

Gewicht inkl. Batterien: 210 g

Größe:

113 x 75 x 27 mm

Anzeige Mehrfachverschüttung: 4+

Zusatzfeatures:

• intelligenter Gruppentest

• Basic /Advanced-Modus

• 3D-Bewegungssensor zur Übermitt-

lung der Vitaldaten

• Scrollen durch Verschütteten-Liste

möglich

www.mammut.ch

Arva Axio

Reichweite:

60 m

Suchstreifenbreite:

60 m

3 Batterien

AAA

Batterielebensdauer: 250 h

Gewicht inkl. Batterien: 230 g

Größe:

112 x 75 x 30 mm

Anzeige Mehrfachverschüttung: 4+

Zusatzfeatures:

• Gruppencheck

• Scrollen durch Verschütteten-Liste

möglich

• Spheric Search Technology (ausklapp-

bare dritte Antenne, dadurch sphäri-

sche Suche mit drei gleichzeitig

arbeitenden Antennen möglich)

www.arva-equipment.com

Bca Tracker3

Reichweite:

55 m

Suchstreifenbreite:

50 m

3 Batterien

AAA

Batterielebensdauer:

250 h

Gewicht inkl. Batterien: 215 g

Größe:

115 x 71 x 24 mm

Anzeige Mehrfachverschüttung: 2+

Zusatzfeatures:

• Sehr lautes akkustisches Signal

• „Big Picture“ Modus: alle LVS-Signale

werden angezeigt mit ihrer ungefähren

Entfernung um die Grobsuche zu be-

schleunigen

• Sehr gute akustische Suchunterstüt-

zung

www.backcountryaccess.com

Das LawinenVerschüttetenSuch-Gerät – oder umgangssprachlich „der Piepser“ – gehört zur

absoluten Standardausrüstung für alle, die sich abseits gesicherter Pisten bewegen. Egal ob

gelegentlicher Tourengeher oder Profi-Freerider – ohne LVS-Gerät sollte niemand im Gelände

unterwegs sein. Dabei geht es ja nicht nur um seine eigene Sicherheit - gefunden werden,

sondern auch um die der Buddies - jemanden finden. Digitale 3-Antennen-Geräte sind mitt-

lerweile Standard, weil sie eine relativ schnelle und intuitive Verschüttetensuche ermöglichen.

Trotzdem ist unumgänglich, mit dem Piepser zu üben, zu üben und nochmal zu üben. Ange-

bote dafür gibt es mittlerweile etliche. Wir haben uns die neuesten digitalen 3-Antennen-Mo-

delle der Hersteller angesehen und in die Hand genommen.

Prinzipiell sind drei Gruppen von LVS-Geräten am Markt erhältlich: Profi-, Standard- und Ba-

sisgeräte. Diese unterscheiden sich in ihrem Funktionsumfang. Während Basis-LVS zwar ge-

eignet sind, als Sender zu dienen – also gefunden zu werden, sollte man verschüttet werden

– benötigt eine rasche Suche mit ihnen viel Übung. Profigeräte hingegen verfügen über etliche

Zusatzfunktionen, die eigentlich nur Bergführer, Tourenleiter und Bergretter sinnvoll einsetzen

können, weil sich die jeden Tag mit ihrem LVS beschäftigen. Es macht also für die meisten,

die sich im freien Gelände auf Ski bewegen Sinn, sich ein Standardgerät zuzulegen. Die Ge-

räte, die wir hier vorstellen, fallen in diese Kategorie, wenn auch das Mammut Pulse Barryvox

im Advanced-Modus ein Profi-LVS ist.

Im Ernstfall geht es darum, Verschüttete so schnell wie möglich an die rettende Oberfläche

zu bringen. Dafür ist es nicht nur sinnvoll, ein LVS-Gerät mit aktueller Technologie und

Software zu besitzen, sondern auch verwenden zu können. Möglichst intuitive und einfa-

che Handhabung des Geräts, auch mit Handschuhen, können hier entscheidend sein, da

umständliches Herumnesteln in der Stresssituation eines Lawinenabgangs wertvolle Zeit

kostet. Die Standardgeräte bieten alle Funktionen, die in so einem Ernstfall nötig sind: sie

zeigen auf einem beleuchteten Display Laufrichtung und Entfernung an, sowie die Anzahl

der Verschütteten. Sobald man einen Verschütteten bis zum ersten Sondenstich geortet

hat, kann man das Opfer mit der Markierfunktion ausblenden. Alle LVS-Geräte, die hier

vorgestellt werden, weisen außerdem eine Nachlawinenumschaltung auf. Das bedeutet,

dass das Gerät nach einer bestimmten bewegungslosen Zeitspanne im Suchmodus au-

tomatisch auf Senden umschaltet, weil es eine Nachlawinenverschüttung vermutet.

Ebenso wird die Suche auch akustisch unterstützt. Dabei verändert sich der Signalton mit

unterschiedlicher Entfernung zum Verschütteten. Besonders laut und gut wahrnehmbar

ist dabei der Tracker3 von bca (wir haben ihn „das Raumschiff“ getauft). Bis auf dieses

Gerät ist auf allen auch eine Suchanleitung in Piktogrammen angebracht – im Ernstfall und

in Panik vielleicht hilfreich, um sich an das in Kursen erlernte Vorgehen bei der Suche zu

erinnern. Außerdem werden alle Testgeräte mit Tragesystemen geliefert, aus denen sie bei

der Verschüttetensuche genommen werden können, ohne erst umständlich die Jacke aus-

ziehen zu müssen.

Die Hersteller legen diese Halterungen verschieden an: Beim Ortovox 3+ steckt das Gerät in

einer Tasche, die mit Reissverschluss zu öffnen ist. Ähnlich der bca Tracker3, dessen Tasche

mit einem Schnappverschluss geschlossen wird. Bei Arvas Axio steckt das Gerät in einer

seitlich offenen Neoprentasche mit großem Sichtfenster. Dadurch kann das Gerät bedient

werden, ohne dass man es überhaupt herausnehmen muss. Erst beim Markieren einer ver-

schütteten Person muss die Halterung geöffnet werden, um an den entsprechenden Knopf

zu kommen. Mammut und Pieps setzen auf Plastikhalterungen, wobei beim Pieps Micro beim

Herausnehmen automatisch in den Suchmodus schaltet. Bleibt das Gerät verstaut, so ist der

Sensor bedeckt, der für diesen Umschaltmechanismus verantwortlich ist.

Auch in der Technologie bzw. in den Zusatztechnologien unterscheiden sich die LVS-Geräte.

Das Pieps Micro hat sehr sensible Antennen und lokalisiert auch schwache Signale gut. Die

Smart Antenna Technologie im Ortovox 3+ sorgt dafür, dass das Gerät die Lage in der Lawine

erkennt und jeweils diejenige Antenne zur Sendeantenne macht wird, die über der Oberfläche

den größten Senderadius bietet. Mammut setzt auf sehr klare Anweisungen auf dem Display

und gute akustische Unterstützung. Beim bca Tracker3 kann durch den „Big Picture“-Modus

die Grobsuche beschleunigt werden: alle verschütteten Personen und ihre ungefähre Entfer-

nung werden auf dem Display angezeigt. Arva setzt beim Axio mit der ausklappbaren dritten

Antenne auf sphärische Suche und drei gleichzeitig arbeitende Antennen, was eine noch

schnellere Ortung ermöglicht.

Für welches Gerät man sich letztendlich entscheidet, liegt an den persönlichen Vorlieben. Um

das herauszufinden, macht es aber Sinn, einen Fachhändler aufzusuchen und sich die ver-

schiedenen LVS-Geräte nicht nur online, sondern in natura anzusehen, letztendlich auch in

die Hand zu nehmen und auszuprobieren. Diese Zeit ist sicherlich gut investiert – es könnte

ein Leben davon abhängen.

Was muss ein LVS heutzutage unbedingt haben und

können?

3Antennen, digitale Distanzanzeige und Richtungs-

führung, Lösungsansatz für eine Mehr-Personen-

Verschüttung, z.B.Ausblenden von georteten Opfern

und direkte Suche weiterer Opfer.

Wie entscheidet man sich für das richtige Gerät?

Am besten Geräte in der Praxis testen – man kann

sich auch durch Bergführer beraten lassen, die ken-

nen Bedürfnisse und Fähigkeiten des Kunden und

können ein passendes Gerät empfehlen.

Gibt es entscheidende Unterschiede oder deutliche

Qualitätsunterschiede?

Ja, jedes Gerät hat Schwächen in bestimmten Such-

phasen. Diese sollte man kennen und lernen, wie

man mit diesen umgeht. In einem professionellen

Kurs kann man dies erlernen.

Wie pflege/warte ich mein LVS?Wann brauche ich

ein neues?

DieWartung ist vom Hersteller vorgegeben, da gibt

es deutliche Unterschiede. Modernen Geräte sind

updatefähig und können im Fachhandel mit der ak-

tuellen Software aktualisiert werden, im Zweifel

kann man auch den Hersteller kontaktieren. Im

Sommer unbedingt ohne Batterien einlagern! Wer

kein 3-Antennen-Gerät besitzt, sollte in ein neues

LVS investieren.

Was hältst du vom neuen CAT-Handy, das mittels In-

frarot die Suche nach Verschütteten verbessern soll?

Diese Technologie kann auf gar keinen Fall ein LVS-

Gerät ersetzen! Für eine schnelle und zielführende

Verschütteten-Suche reichen weder Reichweite

noch Genauigkeit. Schnee besteht aus Wasser, das

dämpft. Es existieren viele Versuche mit Bluetooth

oder Infrarot, aktuell wird mit neuen Sendetechno-

logien und Frequenzen experimentiert.

www.bergfuehren.de

EXPERTEN TIPP 

von

CHRIS SEMMEL

Bergführer-Ausbilder, Leiter Lawi-

nenkurse in der Deutschen Berg-

führerausbildung, öffentl.

bestellter & vereidigter Sachver-

ständiger für Lawinenunfälle IHK