IRAN
BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016 | Seite 63
EINSAMEWEISSE BERGE, VIELWIND UND NOCH MEHR HERZLICHKEIT
Teheran Airport, 4.00 Uhr Ortszeit: Nach 13-stündiger Anreise und mit ge-
fühlten 100 Gepäckstücken kommen wir gerädert am Flughafen in Teheran
an.Wir, das sind Raphi, der die ganze Sache ins Leben gerufen und als Foto-
graf und Filmer dabei ist, unser Kameramann Jochen, ORTOVOXler Felix, der
seinen Job als Vertriebsleiter für zwei Wochen an den Nagel gehängt hat,
und ich, Tine, die im Winter das ORTOVOX Office gerne gegen steile Hänge
und Powder tauscht. Im Gepäck: ziemlich viel Skiausrüstung, Abenteuerlust
und Vorfreude auf ein mystisches Land mit uns unbekannter Kultur.
Der Plan: Direkt nach Ankunft in Teheran in die Alam Kuh Region aufbrechen,
um den zweithöchsten Berg des Iran, den Alam Kuh, der stolze 4.848 Meter
misst, zu besteigen. Danach sollte es für ein paar einsame Touren weiter in
die Region rund um den Vulkan Damavand, mit 5671 Metern höchster Berg
des Nahen Ostens, gehen. Von einer Besteigung dieses eisigen Vulkankegels
imWinter hat uns der iranische Bergführer Majid aber schon im Vorfeld abge-
raten. Zurecht, denn „Damavand“ bedeutet auf Persisch nicht umsonst „Fros-
tiger Berg“. Ein Abstecher nach Shiraz, einer Kulturmetropole im Süden des
Landes, sollte den Abschluss unserer Reise bilden. Doch wie heißt es so schön?
Pläne sind dazu da, um sie über den Haufen zu werfen! Aber jetzt erst mal
zurück auf Anfang.
ALLER ANFANG IST SCHWER
Flughafen, 4.00 Uhr morgens. Da stehen wir also müde, voll bepackt und mit
einem wertvollen Zettel in der Hand. Auf dem Zettel stehen Name und Adresse
eines uns Unbekannten, der uns in Teheran beherbergen wird, sowie eine
Anweisung, wieviel ein Taxi kosten darf. Wir wollen ja schließlich nicht übers
Ohr gehauen werden! Erste Herausforderung: einen Taxifahrer finden, der
beim Anblick unseres Gepäcks nicht fluchtartig davon fährt. Und tatsächlich,
es findet sich einer. Kleiner Haken, die Straße die wir suchen kennt er nicht.
Die Fahrt führt uns kreuz und quer durch das nächtliche Teheran und sämltiche
Einbahnstraßen – natürlich ohne Licht, damit uns die Polizei nicht entdeckt.
Um das Chaos perfekt zu machen telefonieren Raphi und unser Taxifahrer ab-
wechselnd mit unserem Gastgeber, bis irgendwann in einer engen Gasse je-
mand im Nachthemd auf der Straße steht und uns freudig zuwinkt: Ali Reza!
Es stellt sich schnell heraus, dass Ali Reza’s Englisch begrenzt ist. Macht aber
nichts, erst einmal wollen wir eh nur schlafen.
MIT KAFFEE UND KOPFTUCH
Nach ein paar Stunden Schlaf krabbeln wir aus unseren Schlafsäcken und rea-
lisieren, dass wir angekommen sind. In einem Land, das unwahrscheinlich be-
eindruckend ist und gleichzeitig so viele Fragen aufwirft. Einem Land mit
aufgeschlossenen und lebenslustigen Menschen, die so gar nicht in unser Bild
des Iran passen.




