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Seite 66 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016

IRAN

uns auf und hören den Ruf des Muezzins. Und wir feiern und tanzen. Damit

hätten wir wohl am wenigsten gerechnet.Wer verbindet schon ausgelassene

Partystimmung mit dem Iran?

ALAM KUH

Endlich. Petrus scheint doch noch Erbarmen mit uns gefunden zu haben. Wir

sitzen auf der Ladefläche eines Pick-ups und rollen über Stock und Stein durch

das Khoram-Dasht-Tal – den weiß überzogenen Alam Kuh haben wir stets im

Blick. Angekommen geht es gleich weiter, eine Pause gibt es nicht, denn das

Ziel für den ersten Tag ist klar: ein kleines Basislager auf rund 2.800 Metern.

Weiter können die Mulis leider nicht. Das Equipment aus eigener Kraft weiter

nach oben zu transportieren wäre zu umständlich und würde zu lange dauern.

So warten vom Basislager bis zum Gipfel mehr als 2.000 Höhenmeter auf

uns. Doch wenn wir den Iran vom Gipfel des Alam Kuh aus sehen wollen (Na-

türlich wollen wir das!), haben wir keine andere Wahl, als die Besteigung an

einem Tag zu versuchen – mehr Zeit bleibt uns nicht.

Obwohl der Alam-Kuh von einigen Viertausendern umgeben ist, sticht der

Berg durch seinen schroffen, steilen Aufbau heraus. Besonders bekannt ist

der zweithöchste Berg im Iran durch seine senkrechte Nordwand.

Nach einer stürmischen Nacht starten wir früh am nächsten Morgen. Die Fahrt

und der wenige Schlaf zerrt an unseren Kräften und eisiger Wind pfeifft uns

entgegen. Doch wir haben den Gipfel im Visier und schnallen die Ski an. Der

Hang ist erst steil und eisig, dann geht es relativ flach in das Tal hinein. Erst

am Gipfelaufbau flacht er etwas ab. Der Wind, immer von vorne kommend,

zwingt uns abwechselnd in die Knie und verlangt uns bei dem sowieso schon

langen Aufstieg alles ab.

Nach vielen mühsamen Stunden befinden wir uns 400 Höhenmeter unter

dem Gipfel. Ausgelaugt, kaputt. Wir sind uns alle einig: Der Vorgipfel des

Alam-Kuh wird unser Ziel. Es hatte wohl einfach nicht sein sollen. Unsere Ent-

täuschung hält aber nicht lange an.Wir fellen ab, steigen auf die Ski und ge-

nießen jeden Schwung, wohlwissend, dass dies vorerst unsere letzte Abfahrt

auf iranischem Boden ist.

Mit vielen schönen Erinnerungen, spannenden Erlebnissen und neuen Freun-

den im Gepäck machen wir uns auf die Heimreise. Und wer weiß, vielleicht

kommen wir ja wieder!