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AOSTA

BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016 | Seite 49

Gestrüpp Richtung Tal. Gar nicht das, was wir erhofft hatten aber irgendwie auch geil. Die Tour

endet an der Hauptstraße des Valle d’Aosta und schon an der Bushaltestelle schlägt Giorgio ein

spätes Mittagessen vor, was natürlich allgemeine Zustimmung findet. Natürlich kennt er den Chef

und alle Mitarbeiter, ein Tisch ist schnell gefunden, Essen und Wein bestellt und da draußen immer

noch die Nebelsuppe hängt und keiner Lust auf Pistenskifahren hat, klingt der Tag so aus wie ihn

unser italienischer Bergführer schon begonnen hat – extrem gechillt.

Am zweiten Tag dann ganz anderes Wetter und auch ein anderer Giorgio – Blue Bird, der Heli im

Anflug, Eile ist geboten, wir sind die erste Gruppe! Aus der geplanten Tour Richtung Zermatt wird

leider nichts, da oben auf dem Schwarztor der Wind mit über 80km/h pfeift, aber Giorgio verspricht

uns ein „passendes“ Alternativprogramm. Mit dem Lift geht es zum Startplatz. Und schon hier sind

wir von den Bergen und der Aussicht überwältigt, als dann noch das entfernte und immer lauter

werdende Knattern eines Eurocopters zu hören ist, steigt die Vorfreude nochmals an. Ein Helikopter

macht aus jedem noch so gestandenen Mann einen kleinen Jungen! Und so sitzen wir kurze Zeit

später drin, mit glänzenden Augen wie früher an Weihnachten, und fliegen unserem ersten Lande-

punkt entgegen. Giorgio hat als erstes ein Face zum Einfahren ausgesucht. Der erste Hang in ab-

soluter Stille, weit ab von irgendeinem Lift in der Aprilsonne macht einfach nur Spaß. Kurz auffellen

und den Gegenhang hoch, dann eine lange wunderbare Abfahrt bis ins Tal, wo wir direkt an einer

wunderbaren Bar rauskommen und einen schnelle Caffè trinken. Für den zweiten Flug hat uns

unser Guide ein Face ausgesucht, das er „nur alle paar Jahre mit Gästen fährt“. Sein Vertrauen in

unsere Skills ehrt uns natürlich, aber bei der Einfahrt in das Couloir merkt man deutlich seine und

unsere Anspannung. „Bitte, bitte vorsichtig und nicht stürzen!“ Der Hang verengt sich immer mehr

und nimmt mit jedem Meter an Steilheit zu. Im oberen Bereich schien noch die Sonne auf den

Schnee und wir konnten in perfekten Firnbedingungen Bigturns fahren, je weiter wir auf das

„schwarze Loch“ zusteuern, desto härter werden auch die Schneebedingungen, die breiten Ski fin-

den nur noch wenig Halt. Bei jedem Schwung schabt man kleine Eiskügelchen ab, die einem dann

beim nächsten Schwung um die Ohren fliegen. Aber das Wissen, einige der Wenigen zu sein, die

diese Rinne in diesem Winter bezwungen haben, ist großartig. Noch großartiger ist es, wenn man

unten zwischen den Felswänden in einen weiten Hang rausfährt, sich die Schneebedingungen

schlagartig ändern und man mit großen genussvollen Schwüngen auf die wartende Gruppe zurast.

Das Adrenalin schwappt uns zu den Ohren raus, die Sonne brennt und der Tisch in der Trattoria ist

schon bestellt. Es warten die besten Spagetti Carbonara und der beste Hauswein Italiens auf uns.