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RIDERPROFILE

BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016 | Seite 45

www.ebenbichlerlukas.com

| Portrait: Chris Ebenbichler

| Action: Hans-Martin Kudlinski

Alter:

25

Homespot:

Mayrhofen im Zillertal

Beruf:

Geoinformations- & Umwelttechnologie Spezialist, Freeskier

Sponsoren:

Blackcrows Skis, Scott Sports, Deuter, Skiwater, Bergzeit

Highlights:

u

if3 Movie Award Best AM Film Profile-Characters on Skis

u

FWQ 3 und 4 Stern Contests

LUKAS

EBENBICHLER

„Des weagsch

awol mea

du gwesen

sei, ha?“

Aufgewachsen im Herzen der Zillertaler Alpen, in einem klei-

nen Dorf oberhalb von Mayrhofenmit demNamen Brandberg,

war es inmitten der Bergwelt vorbestimmt, dass Lukas ziem-

lich schnell auf die Ski gestellt wurde. „Mein Vater hat mich

mit 1 ½ bereits hinterm Haus auf die Plastiklatten gestellt“,

bestätigt er. „Dort hat er mir die Liebe zum Skifahren vermit-

telt. Danach typische Laufbahn: Skikindergarten und Skiclub,

und wie jeder hier war auch ich begeisterter Rennläufer.“ Nach

den Pflichtschuljahren in Mayrhofen wechselt er ins Skigym-

nasium nach Saalfelden: „Um dort noch mehr Zeit für das

Rennfahren zu haben. Für eine große Karriere hat es aber nie

gereicht.“ Er stieg auf Skicross umund bestritt Rennen auf na-

tionalem und internationalem Niveau, bis ihn eine Verletzung

dazu zwang, die Rennski sein zu lassen. „Seitdem fahre ich ei-

gentlich nur mehr auf meinen Powderbabes“, grinst Lukas.

„Freeriden war für mich nichts ganz Neues, Unentdecktes –

es war ja all die Jahre immer als Ausgleich zum Training und

als Training selbst da. Auf schlechten Hängen lernt man das

Skifahren, heißt es.“ Wie viele andere auch hat Lukas seine

Studienzeit dazu genutzt, so viel Zeit wie nur irgendwie mög-

lich am Berg zu verbringen. „Im Studium hat man ja gewöhn-

lich viel Zeit um skizufahren und genau das habe ich

ausgenützt. Ich habe versucht mein Studium in der Mindestzeit

runter zu reißen und trotzdem jede freie Minute am Berg zu

sein und das hat geklappt.“

Da im Zillertal etliche gute Fahrer leben und wohnen war re-

lativ schnell der Kontakt zu ihnen hergestellt. „Roman Rohr-

moser und Felix Wiemers waren auch dafür verantwortlich,

dass ich die Aufnahmeprüfung von Midiafilm von Michael

Bernshausen geschafft habe. Seit drei Jahren produzieren wir

jetzt gemeinsamFilme und aus Filmkollegen sindmittlerweile

richtig gute Freunde geworden.“ Diese Freundschaft spiegeln

auch die Filme wider: „Wir haben Spaß zusammen, uns ver-

bindet dieselbe Leidenschaft und das macht unsere Filme

glaube ich so speziell.“

Seitdem Lukas wieder im Zillertal lebt, ist er auch Bergretter

in Mayrhofen. So kann er seine Leidenschaft für die Berge auf

zwei Arten verbinden, als Freerider und als Bergretter: „Die

Bergretter haben mich immer schon fasziniert. Sie kommen,

wenn es nicht mehr geht, sie kommen und holen dich aus

schwierigen Situationen. Sie sind da, um Personen die in Not

sind, zu helfen. Durch Schule und Studiumwar ich viele Jahre

nicht durchgehend im Zillertal, daher habe ich gewartet um

ein Bergretter zu werden. Aber jetzt bin ich seit einem Jahr

dabei, habemein Anwärterjahr abgeschlossen und bin ständig

in Einsatzbereitschaft.“ Die Ausbildung kommt aber nicht nur

in den Einsätzen zumTragen, auch beimFreeriden helfen Seil-

technik, Klettern, Bergetechniken und Erste Hilfe auf jeden

Fall. „Gute Ausbildung ist meiner Meinung nach essentiell,

wennman sich so viel in den Bergen bewegt wie ich. Lawinen-

bergungen, Sucheinsätze, Taubergungen, Kletterunfälle, Ab-

stürze stehen bei uns immer auf dem Programm. Und auf die

sollte man optimal vorbereitet sein, denn du bringst mit

schlechter Ausbildung auch deine Kameraden in Gefahr und

sowas sollte nie vorkommen.“ Dass sich die beiden Bereiche

überschneiden, liegt auf der Hand: „Ich wurde mit dem Hub-

schrauber direkt vom Skifahren zu einem Lawineneinsatz ge-

bracht, der leider tödlich geendet hat. Und da ist es mir dann

plötzlich geschossen, dass wir an dem Tag in ziemlich ähnli-

chem Gelände, bei gleicher Exposition unterwegs waren und

uns das eigentlich auch passieren hätte können. Seitdem be-

schäftige ich mich noch intensiver mit Wetterkarten und La-

winenberichten, lese nicht nur den vom Vortag sondern von

der ganzen Woche, hinterfrage noch stärker, ob ein Hang si-

cher sein sollte. Als Bergretter spielt der Sicherheitsaspekt

einfach eine noch größere Rolle als vorher, auch wenn wir

beimFreeriden weiterhin in der Gruppe gemeinsam entschei-

den, ob wir einen Hang fahren oder nicht.“

Bei seinen Kollegen von der Bergrettung kann er sich aber

dochmanchmal was anhören. „Besonders die, die viel mit mir

bei Einsätzen unterwegs sind, kennen mich ziemlich gut. Und

meistens, wenn bei Besprechungen wieder jemand erzählt,

dass da zwei potentielle Kunden irgendwo unterwegs waren,

wo eigentlich niemand hingeht, kommt spätestens nach dem

Ende der Geschichte der Blick zu mir und die Feststellung,

dass das wahrscheinlich eh wieder ich war. Und relativ oft

stimmt das dann halt auch“, lacht Lukas.

„Ich habe das Glück, dass ich meine Leidenschaft zu den

Bergen auf zwei Arten vereinen konnte, nämlich mit Freeri-

den und mit meiner freiwilligen Tätigkeit als Bergretter in

der Ortsstelle Mayrhofen. Ich betrachte manche Dinge viel-

leicht mit anderen Augen als manche Freeride-Kollegen. Ich

hab halt schon Situationen erlebt, wo ich mir gedacht habe,

das hätte mir auch passieren können.“ Zukunftspläne sind

relativ einfach erklärt: „Gsund bleim und in die Berg bleim.“

Er wird weiterhin mit Midiafilm filmen, das ein oder andere

Steilwandprojekt im Zillertal ist auch geplant. „Generell will

ich meinem Skifahren noch das Alpine hinzufügen.“ Lukas

Ebenbichler dürfte dann sowas wie ein All-Inclusive-Paket

auf Ski sein.