Seite 26 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016
ALASKA
nen Füßen wegbrach und mir der Teppich unter den Füßen weggezogen
wurde, schloss ich mit meinem Leben ab. Ich wusste wo ich war und in
diesem Moment wusste ich auch, dass ich nicht überleben würde. Nie
zuvor hatte ich ein emotionales Erlebnis wie dieses. Da ich heute diese
Worte schreiben kann, ist klar, dass ich überlebt habe, auf mir unbegreif-
licheWeise. Es war sogar so, dass ich 4Wochen nach dem Unfall bereits
wieder auf Skiern stand.“
So schlimm dieser Augenblick war, so sehr überwiegt die Dankbarkeit
für diese Erfahrung: „Von diesem Tag an veränderte sich mein Leben
grundlegend. Es würde den Rahmen dieser Geschichte an dieser Stelle
sprengen, aber ohne das Erlebnis in Alaska, wäre ich heute nicht der,
der ich bin. Als ich letztes Jahr zum letzten Mal in Alaska war, durfte
ich zudem erfahren, welchen Prozess ich absolviert hatte. Ich kam jetzt
an diesen Ort zurück mit einer Einstellung, die grundlegend anders
war. Aus dem arroganten Fratzen wurde ein respektvoller junger Mann
und es war eines meiner schönsten Erfahrungen nun tatsächlich in
der Lage zu sein, die anspruchsvollsten Lines fahren zu können und
dies gewissenhaft und mit sehr großem Respekt zu tun. Für mich hat
Alaska seither eine große Bedeutung. Es ist ein Ort, der mich nicht
nur sportlich gefordert, sondern mein Sein grundlegend geprägt hat.“
Wir können keine Berge bezwingen und in Alaska kannst du erst recht
nicht dem Berg deine Linie aufdrücken. Du musst demütig und dank-
bar dafür sein, welcher Spielplatz dir angeboten wird am jeweiligen
Tag. Dass es manchmal einen Tritt in den Allerwertesten braucht durfte
ich auch jedes Mal mindestens einmal erfahren – und dass es meist
Berni (eigentlich Bernd aber die Amis haben tatsächlich ein Problem
BERND auszusprechen, deswegen ist er eben der Berni, zumindest da
drüben) war ist, auch kein Geheimnis. Ohne ihn hätten wir in den ver-
gangenen Wintern definitiv nicht so tolle Lines in Alaska fahren kön-
nen. a) weil wir sie nicht gefunden hätten und b) weil keiner der an-
deren Guides uns von Line oder Minute 1 eben auf diese Berge /
Drop-offs hinauf gestellt hätte.
Kraini hat uns Shades ofWinter Athleten im ersten (Lorraine, Matilda und
ich) und in den darauffolgenden Jahren (Janina Kuzma, Matilda und ich)
verteidigt in allen GuideMeetings, war überzeugt davon was wir können
(und was eventuell nicht), hat uns vertraut. Und dabei war es ihm egal
ob Männlein oder Weiblein, ganz genau wie er auch bei der Premiere
gesagt hat. Darum geht es nämlich nicht. Jeder sucht sich seine Heraus-
forderung in Alaska, ganz genau wie überall sonst auch. Und da ist es
tatsächlich nicht entscheidend, ob weiblich oder männlich. Alaska ist
groß, weit, unbeschreiblich beeindruckend, großartig, wunderschön, gi-
gantisch –da macht das männliche Auge keinen Unterschied zum weib-
lichen Pendant. Deswegen gibt es so was wie eine „girls line“ oder
„not-a girls“ line für Kraini und für uns zum Glück nicht. Das haben wir
bewiesen und somit den Weg für zum Glück viele nachfolgende Girls-
Crews ein wenig geebnet, und für uns auch.
Letztendlich lieben wir alle Skifahren und das am liebsten mit weiten
Hosen, obwohl – der Tom Leitner hat mit seinen skinny Pants Haines
auch ganz schön gerockt... also kann man das so auch wieder nicht
sagen... Egal – lassen wir das mal so stehen. Es ist etwas besonderes.
Nicht nur für Girls. Genauso wenig wie eben auch Shades of Winter:
Between nicht nur für Frauen ist – ich mein – ja, VOR der Kamera
schon – aber HINTER der Kamera und für alle die den Film sehen wol-
len eben nicht.
Einen guten Winter uns allen, in nicht-vollen-Hosen.
FOTO: Pally Learmond | SKIER: Sven Kueenle
FOTO: Daniel Ronnback
FOTO: Bruno Long




