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Seite 24 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016

ALASKA

Weg war. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass ich doch nicht falsch war

und das genau jenes Geläuf ist, von dem ich immer geträumt habe… Den

ersten drop in am Old Faithful und das Aussteigen dort oben aus dem Heli

habe ich noch sehr intensiv in Erinnerung… beim ersten Mal bist du ein-

fach so überwältigt und erschlagen bzw. glaubst am Mt. Everest gelandet

zu sein, auch wenn der Run als Einsteiger- und Testrun gilt… etwas später,

beim ersten Toe in Landing und demAussteigen auf einem Bierbank gros-

sen Gipfelplateau bist du dann endgültig angekommen und weisst warum

du hier immer her wolltest...“

Kraini hat mittlerweile 7 Saisonen in Haines, Alaska auf dem Buckel, will

heissen, damals als wir 2013 mit Shades of Winter zum ersten Mal nach

Haines sind (es war das zweite mal Alaska für mich, nachdem ich zuvor

in Girdwood mein Glück versucht hatte) war es immerhin bereits seine 4.

Saison im 50. Bundesstaat der USA.

Also zurück zu meiner ersten Big Line in Alaska, Berni am Drop-in neben

mir. Wir (Matilda Rapaport, Lorraine Huber und ich) hatten uns die Lines

von gegenüber angesehen. Am Vortag waren wir bereits über diese Zone

(genannt FFAA) drüber geflogen, allerdings hatte die Konkurrenzheliski-

company, SEABA zu dem Zeitpunkt dort „geparkt“, was soviel bedeutete

wie: die Crew in diesem Heli hatte ein Auge auf diese Zone geworfen.

Doch als wir am Abend beim Rückflug zur Base von Alaska Heliskiing bei

33 Miles wieder vorbei flogen war die Zone unberührt, entgegen unseren

Erwartungen war keine einzige Spur in dieser Area zu sehen. Die Crew

hatte scheinbar andere Pläne gehabt.

Und wie es halt so ist, tauschen sich diverse Filmcrews und Heliskigäste

und Guides am Abend in der berühmten Funny Farm in Haines, die Un-

terkunft und Meeting Point ist, aus. Kraini konnte es natürlich nicht lassen

seine Verwunderung auszudrücken, dass noch niemand FFAA gefahren

war und tat im gleichemAtemzug kund, dass er morgen mit „seinen girls“

diese Zone in Angriff nehmen würde. Quasi Besitzanspruch meldend für

uns. So läuft das nämlich. Für „seine girls“ die 2013 Geschichte geschrie-

ben haben in Haines Alaska - waren sie doch die „first-ever-all-female-

athletes“ Crew mit einer der beiden Heliskiunternehmen vor Ort. EVER.

Die Antwort eines anderen Guides kam prompt und deutlich: „Well, THIS

(FFAA) is NOT a girls line!“ ....

Und da stand ich nun – an dieser not-a-girls-Line. Kraini hatte uns

wohlweislich nicht von der Kommunikation informiert, sondern war

ganz solide und zielstrebig mit uns in diese Zone geflogen, der Heli ge-

parkt, Besitzanspruch für die Filmlines klar ersichtlich für alle anderen

herumschwirrenden Crews (das kann in Haines nämlich manchmal

ganz schön hektisch werden). Was ich sagte? „Das ist Lawinenstufe 7

von 5!“ Ich sag genau – nichts, naja gut – ok – ich sah die ersten 50

Meter, dann rollte der Hang weg und alles was mir blieb war ein Foto

und die Erinnerung an das „Face“.. doch irgendwie war das ausge-

löscht... wohin nur? Volle Hose? Definitiv!

Die Kunst ist nur, diese volle Hose vor dem Loszufahren auszuziehen, dann

fährt es sich nicht nur rein physikalisch besser, sondern auch tatsächlich!

Im Ernst: Respekt vor jeder Line ist wichtig – Herausforderungen können

Höchstleistungen in uns auslösen, Überforderungen aber lähmen, und

genau das ist es nicht was du braucht, wenn du eine AK Line fahren willst.

Hochkonzentriert, aufmerksam, wachsam, demütig aber bereit. Bereit zu

sein ist ganz wichtig. Bereit für Neues, bereit für die Herausforderung.

Ich habs bei dieser einen Line geschafft die volle Hose auszuziehen – auch

drei Jahre später eine meiner absoluten Lieblingslines in Haines und jene

mit der Fotograf Patrik Orton ins Finale von Red Bull Illume gekommen ist.

Auch Sven Kueenle, seineszeichen bereits 2008 zum ersten Mal in Haines

Alaska hat so seine Erfahrungen mit Alaska gemacht und beschreibt sie

ganz authentisch. Im Nachhinein gesehen hätte er wohl anfangs lieber

die Hosen etwas voller gehabt. „Bereits meine allererste Filmline war mehr

als der crazieste Rodeo meiner Karriere. Ohne wirklich zu wissen, was ich

da machte, ließ ich mich am Berg absetzen. Sofort war ich „lost“ und

wusste nicht, wo meine Line verläuft und wo ich hin muss. Es dauerte

lediglich bis zur zweiten Line, bis meine Arroganz und meine leichtsinnige

Art mit dem Risiko umzugehen nahezu mein Leben kosteten. Ich sah die

Jungs in den Filmen und wusste genau was ich machen werde, wenn ich

nach AK komme, ich werde diese Lines fahren. Ich dachte ich nehme die

Überholspur und lasse so einige Schritte aus und fahre dort, wo die Besten

der Besten fahren.“

Mit dieser Einstellung schafft man es vielleicht an anderen Plätzen der Welt

für eine Weile länger zumindest zu überleben, aber nicht in Alaska. „Und

somit bezahlte ich diesen Preis teuer. Und zwar mit einem 400 Meter Absturz

über Felsen und steilstes Gelände. In demMoment, als dieWächte unter mei-

FOTO: Justin Q. McCarty | SKIER: Matilda Rapaport