Bergstolz Issue No. 49 - page 36

Seite 36 | BERGSTOLZ Ski Magazin November 2014
Montafon
Noch mehr als der riesen Spielplatz der Versettla sticht uns aber ganz rechts
eine Rinne ins Auge. Die Madrisella Rinne. Ich packe mein Fernglas aus und
studiere das westseitige Couloir. Wir setzen es ganz nach oben auf unsere
Montafon To Do Liste. Diesen Spaß müssen wir uns allerdings aufsparen,
Neuschnee und Windverwehungen flösen uns ordentlich Respekt ein.
Derzeit zu gefährlich.Also entscheiden wir uns für ein paar gemütliche Runs
der gleich angrenzenden „Burg“ Variante. Rauf geht es mit der Nova Bahn,
danach den Burg Schlepplift, eine kleine Querung und et voila. Ein Hang
gespickt mit lauter kleinen Rinnen und lustigen Pillows.Wir halten uns den
ganzen Tag in der Valisera und Versettla Ecke auf, das Gebiet ist so groß und
weit, dass wir keinen Run zweimal fahren.
Während die nördlichen Alpen dieses Jahr nicht gerade von Schneemassen
überhäuft werden, finden wir imMontafon überraschend gute Bedingungen
und feinsten Pulver vom Schneefall der letzten Tage. Schließich gehört
das Montafon zu den niederschlagreichsten Regionen der Alpen. Wir
haben Glück.
Regina Knünz von den Bergbahnen lädt uns Mittwoch früh zur allwöchent-
lichen Hochjoch Totale ein. Klar dass wir zusagen. Noch vor dem offiziellen
Liftbeginn dürfen wir um 7:20 mit der Grasjoch Bahn rauf. Danach warten
1700 Höhenmeter frisch präperierte, und wenn man schnell ist und als erster
losstartet, auch menschenleere, Pisten. Zugegeben, das kann schon was.
Mit unseren breiten Freeridelatten und in Hockeposition geht es vollgas die
Pisten runter. Eine mords Gaudi. Beim anschließenden Mega-Frühstück im
Kapellrestaurant informieren wir uns bei SimonWohlgenannt, dem Monta-
foner Local Freerider über die Möglichkeiten in der Grasjoch und Kapell Ge-
gend. Simon ist als Profi-Freerider auf der World Qualifier Tour unterwegs
und weiß ziemlich genau was wir suchen. Leider sind die Bedingungen in
den kommenden Tagen nicht mehr ganz optimal, die Sonne vollbringt
Höchstleistungen, aber irgendwas finden wir immer.
Also geht es nach einem ausgedehnten Frühstück in Richtung Grasjoch wel-
ches noch Unverspurt ist. Wir traversieren den Grad und steigen zur Za-
mangspitze auf. Ein kurzer Aufstieg mit einigen einfachen Kletterpassagen.
Wir haben Glück. Der Schnee in dem Nordostseitigen Hang blieb von der
Sonnen größtenteils verschont. Eine schöne Abfahrt in feinstem Pulver.
Während wir mit einem Auge immer wieder in Richtung Madrisella Rinne
schielen, schwirrt auch noch die Silvrettagruppe im Kopf herum. Die Bieler-
höhe am Silvretta Stausee ist Ausgangspunkt eines riesengroßen Skitouren-
paradieses, von der landschaftlichen Komponente erst gar nicht zu sprechen.
Wir hätten alle richtig Bock drauf. Der Wetterbericht trübt unsere Euphorie
allerdings ein wenig. Mal schaun was die letzten Tage noch bringen. Nach
dem kurzen Ausschweifen in der Gondel über unsere Wunschpläne wollen
wir noch ein wenig das Grasjoch-Gebiet erkunden. Einige Abfahrten, voral-
lem Südseitig lohnen sich aufgrund der hohen Temperaturen und der Lawi-
nengefahr nicht mehr wirklich.Wir entscheiden uns für den Run neben der
Freda Bahn. Eine einfache, aber schöneAbfahrt, bevor es dann wieder zurück
richtung Madrisella geht.
Am späten Nachmittag versuchen wir die Gefahrensituation der Madri-
sella Rinne besser abzuschätzen. Also machen wir uns auf denWeg erneut
zur Bergstation Burg Lift. Dort steigen wir auf, in Richtung Versettla. Wir
sind relativ spät dran und müssen beim Aufstieg darauf achten die Son-
nenhänge zu meiden. Zahlreiche Nassschneerutscher kommen an den
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