Montafon
BERGSTOLZ Ski Magazin November 2014 | Seite 35
Wir schreiben das Jahr 2007. Ich hatte von Freeriden genauso wenigAh-
nung wie von Contest fahren. Meine Wettkämpfe waren jahrelang von
roten und blauen Toren, einer „brettlebenen“ Piste und einer Zeitmes-
sung geprägt. Durch Umwege und Empfehlungen von Freunden und
Sponsoren bekam ich dann einen Startpaltz beim Freeride Quest imMon-
tafon. Vergleichbar mit der jetzigen World Qualifier Tour. Das berühmte
Hochjoch war unser Contest-Spielplatz. Ein Nordhang, steil, ausgesetzt,
mit vielen Felsen gespickt.
Ich war eingeschüchtert, nicht nur von den Stars der Freeride Szene, auch
der Hang imponierte mir sehr. Schließlich war ich das Greenhorn unter
den Startern.Am Ende des Tages hätte es für mich jedoch fast nicht bes-
ser laufen können. Nachdem ich auf Anhieb den zweiten Platz einfuhr,
war das Montafon der Startschuss meiner Freeride-Karriere. Wenn ich
als totaler Neuling, ohne viel Ahnung und Training gleich aufs Podium
fahren kann, dann hab ich vielleicht Talent, dachte ich. Und so beschloss
ich noch im Montafon, das Ganze ernst zu nehmen um irgendwan viel-
leicht davon leben zu können.
Die besten Erinnerungen also führen mich wieder zurück in das 39 Kilo-
meter lange Tal umgeben von der Verwallgruppe, der Silvretta und vom
Rätikon. Der Heimat von Snowbaord Legende Eric Themel. Der auch
Schuld daran war, dass in Schruns jedes Jahr einer der coolsten Freeride
Events statt fand. Irgendwie kommen alle immer wieder gern zurück ins
Montafon. Zum Skitouren gehen, das Backcountry zu erkunden und vor-
allem zu den Freeride Events von Eric Themel welcher mir auch einen
kleinen Maulkorb verpasst hat. Secret Spots sollen eben auch secret blei-
ben. In jedem Skigebiet gibt es diese feinen Geheimplätze die weniger für
die Öffentlichkeit bestimmt sind, sondern den Locals vorbehalten bleiben.
Das ist auch gut so und wird respektiert.
Mathieu und Francois kommen den weiten Weg aus den Französischen
Alpen, wir treffen uns ganz imWesten Österreichs und ich zeig ihnen, dass
auch die Alpenrepublik so einiges zu bieten hat. Auch für Berg- und Skiver-
wöhnte Franzosen. Zwar bin ich im Montafon weit davon weg ein Local zu
sein, geprägt von unzähligen offensichtlichen Runs finden wir aber genü-
gend spaßige Abfahrten. Den Rest zeigt uns der sehr übersichtliche und gut
beschriebene „Freeride Guide Montafon“. Und dann gibt es ja noch immer
die Locals, die den einen oder anderen Geheimtip rauslassen.Viele Freerider
treffen wir nicht. Warum das so ist, schwer zu sagen, vielleicht bleiben die
meisten am nahe gelegenen Arlberg hängen. Möglicherweise aber fahren
alle in Richtung Dolomiten wo Frau Holle dieses Jahr alle Arbeit geleistet
hat. Egal. Gut für uns. Wer will schon gerne Teilen?!
Wir starten mit der Valisera Gondelbahn. Es geht rauf auf 2300 Meter zur
Rinderhütte Bergstation. Der Ausgangspunkt unserer ersten Freerideabfahrt.
Wir sind früh dran. Ein kurzer Anstieg über den Grad in Richtung Heimspitze,
das Paradies vor unserer Nase und der funkelnde Pulverschnee von der auf-
gehenden Sonne in grelles Gelb eingefärbt. Und wir sind die Ersten. Ein stil-
les Grinsen. Die Route führt runter ins Nova-Tal. Am Ende unseres Runs
stoppen wir.
Es fällt uns unweigerlich der Gegenhang ins Auge, die Versettla.
Ich kann mich noch genau erinnern, 2008 wurde der Contest auf diesen
Hang verlagert.