STUBAI
BERGSTOLZ Ski Magazin November 2014 | Seite 43
Als ich als kleiner Bua meinen Vater und älteren Bruder morgens verfolgte
wie sie sich zum Schitraining am Stubaier Gletscher bereit machten und ich
mitfahren wollte, erwiderten sie immer, dass ich erst als großer Schifahrer auf
den Gletscher fahren dürfe. In der Zwischenzeit sollte ich mich auf der Schi-
piste direkt vor dem Haus darauf vorbereiten. Das habe ich natürlich mit
genau dem Ziel gemacht! Ebenfalls relativ früh entdeckte ich das Snowboar-
den für mich, ihr könnt euch vorstellen wie begeistert mein Vater war. Das
war damals ein Tabubruch in einer Tiroler Schifahrer Familie! „Diese weiten
Hosen und der Arsch bei den Knien“ schrie er mir morgens über den Dorfplatz
nach, als ich mich auf den Weg zum Gletscher machte. Das war die Zeit, als
das noch junge Snowboarden gerade den konservativen Schisport auf den
Kopf stellte!Wir waren Teil einer coolen Community, die alles anders machte.
Wir fuhren nur neben der Piste, weil das mit den breiten Snowboards eben
viel leichter möglich war als mit den damals am Skimarkt üblichen „Zahnsto-
chern“.
Als Einheimischer kannte ich natürlich die Risiken im Hochgebirge und habe schon
einen gewissen Respekt an den Tag gelegt, als wir Jungen dann an den Powder-
tagen zum Stubaier Gletscher ausgerückt sind. Schon sehr früh haben wir uns
mit der notwendigenAusrüstung vertraut gemacht und sind in Neustift der Berg-
rettung beigetreten. 1996 haben mein Freund Andre und ich uns dann einen der
ersten Airbags gekauft. 5000 Schilling hat der uns damals gekostet, das war der
Einkaufspreis, denn der Andre hat uns den über den Shop seines Vaters organi-
siert. Ich erinnere mich noch gut, wie meine besorgte Mama morgens noch aus
dem Fenster schrie, „bleibsch eh auf der Piste Bua!“, „Jaaa Mama sicher“, – das
waren dann immer meine Abschiedsworte, und verschwand mit meinem voll be-
packten Airbag Rucksack Richtung Gletscher.
Foto: Matt McHattie