Bergstolz Issue No. 43 - page 48

Seite 48 | BERGSTOLZ Ski Magazin November 2013
THEMA
U.S. .
den Wetters nicht wirklich zu erwarten. Trotzdem packten wir in gewohnter Manier unsere
Rucksäcke samt LVS-Ausrüstung und begaben uns per Pedes in wenigen Minuten zur Gondel, die
einen sozusagen direkt vom Ufer auf den Berg chauffiert. Mike Frye in seiner Funktion als PR &
Event Manager des Skigebietes begleitete uns. Spätestens kurz nach der Mittelstation registrierte
er, dass ich seinen Ausführungen nur vage zu folgen vermochte, zu perfekt erschien mir der Wald
unter der Gondel. Anstelle von angepisst zu sein, verstärkte Mike meine Träumerei von einem
Pulvertag in dem lichten Gehölz, erwähnte gekonnt unbetont, dass es nur halblegal sei dort hin-
unter zu rauschen, ihm dies in der Vergangenheit jedoch stets egal gewesen wäre! Spätestens jetzt
war klar, wir haben den perfekten Local an unserer Seite. Ach ja, das Heavenly auf Grund der Nähe
zu Nevada zu Unrecht als Partygebiet abgestempelt würde, obwohl es gutes Terrain erschließe,
blieb mir dann doch noch hängen. In der Tat pendelt man auch während des Skifahrens zwischen
Kalifornien und Nevada. Unerfüllte skifahrerischeWünsche halten wir nach demTag mit Mike defi-
nitiv für ein Gerücht, welches mancher Local streute, um die Vielzahl geiler Runs rund um die Milky
Way und Dipper Bowl für sich zu beanspruchen. Anspruchsvoll wird es im Mott Canyon, dessen
Runs nicht zu Unrecht mit Double Diamond ausgezeichnet sind. Lieber erst gar nicht dran denken,
was dort an einem Powdertag los wäre?! Selbst im Frühjahrsfirn machte das Gebiet seinem
Namen aller Ehre und zwischen den etwas hochgezogenen Latschen durchzujagen verzückte auch
ohne Freshies. Hinzu kommt die kitschige Postkarten Aussicht mit Blick über den gesamten Lake
Tahoe im und am Rande des Sky Canyon bzw. gen Osten über die Steppe Nevadas. Beinah wia
z’Haus am Herzogstand… Mittags gab’s übrigens Burger.
Offensichtlich hatte unser Guide den selbigen Spaß wie wir und so wurde es eine der letzten
Gondeln, bevor er uns nach Nevada entführte! Der Teppich des kleinen Kasinos hatte was von Fear
and Loathing in Las Vegas, dafür war das Essen und die Drinks tatsächlich nah an einem
Geheimtipp.
Der nächste Morgen brachte die nächsten Meilen auf der Straße. Schweren Mutes verließen wir
die Area rund um den See und machten uns nach Kirkwood auf, einem der Stopps der Freeride
World Tour der letzten Saison. Besser kann es ja eigentlich nicht werden dachten wir uns und wur-
den eines besseren belehrt! Kirkwood ist zwar wesentlich kleiner als die ersten zwei Gebiete,
strotzt jedoch nur so mit geilem anspruchsvollem Freerideterrain. Unterstützt von Phil, einem Guide
von Expedition Kirkwood, spulten wir nahezu alle Klassiker des Gebietes ab. Selten bin ich in einem
Gebiet unterwegs gewesen das mit wenig Aufwand letztlich für jede Könnerstufe etliche Runs
beherbergt. Unterhalb des Glave Rock lässt die Sentinel Bowl nur wenig zu wünschen übrig und
wer an einem guten Tag ordentlich Luft unter seinem Hintern bevorzugt, kann sich ohne Probleme
an den Cliffs oberhalb der Palasades Bowl an sein bzw. das wohl mögliche Maximum schrauben.
Wir hielten uns lieber an Bodenkontakt zu dem gewohnten Firn und krönten einen weiteren geni-
alen Tag unter der Kalifornischen Sonne mit einem Run von den Sister Chutes. Definitiv ein „must
do“ Klassiker in Kirkwood, der am Einstieg durchaus zur steileren Sorte zählt. Einziger
Wehrmutstropfen, das beeindruckende Face von The Cirque bleibt leider den Teilnehmern der
Freeride Worldtour vorbehalten. Vollkommen benommen von den ersten vier Skitagen blieb uns
nichts Anderes übrig, als auf einer Sonnenterrasse dem amerikanischen Apreski zu frönen und
einer Liveband zu lauschen, ohne dabei aus dem Ohr zu bluten oder uns gar für die bloße
Anwesenheit zu schämen. Durchaus geschafft und träge ging es bereits am späten Nachmittag
auf zum nächsten Ziel Mammoth Mtn. Zum ersten Mal zeigte der schneearmeWinter sich von sei-
ner positiven Seite, die etwas kürzere Strecke via Highway 89 zur Interstate 395 über den Monitor
und Luther Pass, war bereits offen. Die abendliche Stimmung und Peter Gabriel’s Solsbury Hill taten
ihr übriges zu der atemberaubenden Landschaft, die kaum amerikanischer sein könnte und doch
schlicht weg als „unfucking fassbar“ betitelt werden dürfte, ohne dabei nur ansatzweise kitschig
zu sein. Vorbei am Mono Lake und June Mtn grinste uns plötzlich unmittelbar vor der Abfahrt
Mammoth ein nahezu perfektes Couloir im letzten Abendlicht an.
Mehr dazu gibt es im 2.Teil über unseren Trip quer durch Kalifornien im Januar Ausgabe – so stay
tuned für mehr Infos rund um die Möglichkeiten, die High Sierra im Skigebiet von Mammoth Mtn.
und drum herum mit Ski zu erkunden…
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