Bergstolz Issue No. 43 - page 55

ENGELBERG
BERGSTOLZ Ski Magazin November 2013 | Seite 55
Leider bin nicht nur ich zu spät. Stephan ist noch gar nicht am Stand, oder schon nicht mehr,
oder doch und er hat keine Zeit oder Lust. So genau kann ich das Roland, dem Deutschland
Vertreter von DPS, nicht entlocken. Nach einigem drehen und wenden stellt sich raus, dass ich
den Sprint von der Halle A6 umsonst gemacht hab, Stephan ist nicht am Stand, aber, so meint
Roland nach mehreren Minuten Smalltalk „Er meinte ich soll Dich mit nach Engelberg nehmen,
da wäre mehr Zeit und wir können auch gleich die Ski testen“. Was Engelberg, wann Engelberg
und wie und überhaupt? Roland bleibt ruhig – der weiß auch nicht, dass ich in 8 Minuten schon
wieder in der Halle B2 sein muss – und erklärt mir, dass DPS den Europasitz in Engelberg hätte
und das gesamte Team, inklusive Teamridern sowie Haus- und Hoffotograph Oscar immer direkt
von der ispo in München nach Engelberg fahren würde. Teammeetings, Fotoshootings,
Skifahren. Direkt nach der ispo nach Engelberg? Da war ich noch nie! Der Schnee müsste gigan-
tisch sein und ich könnte mitfahren. 5 Minuten zum nächsten Termin, keine Zeit mehr für lan-
ges rumüberlegen: OK ich bin dabei. Wann soll ich am Donnerstag wo sein?
Drei Tage später rollen wir auf schneebedeckter Fahrbahn durch Engelberg. Es ist dunkel und
schneit, außer dem Ort ist nicht viel zu sehen. Ein Glück, dass es bei uns im Hotel eine Fondue-
Stube gibt. Was gibt es geileres, als Skifahren in der Schweiz mit einem anständigen
Käsefondue zu beginnen. Und wie anständig das Fondue ist, riecht man jedes Mal, wenn man
für dringende Geschäfte kurz den Raum verlassen muß und dann zurück in die „Stube“ kommt
und dabei vor eine harte, fast undurchdringliche Wand aus Käse Duft läuft. Nach einem kur-
zen Treffen mit allen anderen ispo-Geschädigten und einem schnellen Absacker ist aber schnell
Schluss – man merkt, dass nach 4 Tagen Messe und einem Tag Anreise jeder heiß auf’s
Skifahren ist. Und es schneit ja immer noch!
Am nächsten Morgen müssen wir erst mal den Bus von Schnee befreien, um an unsere Ski zu
kommen. Geil, 20cm! Leider hat sich das Wetter nicht wirklich gebessert, was gegen das
Skigebiet Titlis spricht. Engelberg hat zwei Gebiete – das hochalpine und als Freeridemekka
bekannte Titlis und das Familienskigebiet Brunni. Leider geht es uns beim Treffpunkt vor dem
Sportshop Okay – dem lokalen Treffpunkt für Freerider und Bergführer – wieder so wie vor drei
Tagen auf der ispo: Stephan und die Teamrider sind zur Bannalp gefahren um dort Fotos zu
machen. Nach einem kurzen Informationsaustausch mit Dani, dem Chef vom Okay Shop, den-
ken wir zu wissen, wo wir am Brunni hin müssen. Das Gebiet Brunni besteht eigentlich nur aus
drei Liften, aber schon im zweiten davon – einem altersschwachen Zweiersessellift – erkennen
wir das Potential. Direkt unter dem Lift, im Wald daneben, rechts und links vom anschließen-
den Schlepplift. Das Gebiet geht nur bis auf 2040 Meter Höhe und ist eigentlich bis auf den
„Gipfelhang“ walddurchsetzt, was uns an dem Tag sehr zugute kommt. Auch ohne
Ortskenntnis und Karte finden wir den ganzen Tag gute Runs. Zweimal verfahren wir uns und
kommen dabei einmal mitten an der Staatsstraße und das zweite Mal mitten in Engelberg raus,
was aber beides, dank der eingespeicherten Taxirufnummer und schneebedeckter Straßen in
Engelberg kein Problem ist. Und das Erlebnis, mit den Ski durch Engelberg zu fahren, vor dem
Supermarkt anzuhalten, die Mittagsjause zu kaufen und dann mit den Ski weiter zum Bahnhof
zu fahren hat auch was!
Foto: Oskar Enander
Foto: Oskar Enander
Foto: Oskar Enander
1...,45,46,47,48,49,50,51,52,53,54 56,57,58,59,60,61,62,63,64
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