U.S.A.
BERGSTOLZ Ski Magazin November 2013 | Seite 45
Ein kurzer Check der Schneeverhältnisse im Internet bestätigt dies. Mammoth Mtn. hat einen der
besten Saisonstarts, seit mit Aufzeichnungen begonnen worden ist. Nach folgender genauerer
Recherche ergibt sich der April wohl als ganz guter Zeitpunkt, schließlich laufen die Lifte in
Mammoth in guten Jahren bis zum 4.Juli!!! Und neben Skitouren wäre es ja schon ganz geil, auch
den Mythen rund um die Skigebiete in Kalifornien auf den Grund zu gehen.
Squaw Valley, Kirkwood oder eben Mammoth Mountain hat mittlerweile wohl jeder dem weißen
Gold frönende Gleitholzartist schon mal gehört?
Die passende Crew zusammen zu trommeln ergab sich als erfreulich einfach. Klar, wer hat nicht
Lust auf einen Roadtrip von San Fransisco beinah bis Los Angeles. In zwei Bergführer Aspiranten
fanden sich die perfekten Begleiter für die Mischung aus Freeride Gaudi und schweißtreibendem
Steigeisengehatsche, um die schier endlos vorhanden scheinenden Couloirs hoch zu pusten.
Christoph Hummel war anfangs etwas irritiert, kannte er die Granitfelsen des Yosemite Valleys nur
zu gut, als ob er sich beinah schämte nicht zu wissen, dass es dort laut meiner Aussagen genial
zum Skifahren wäre. Julian Bückers als Fotograph war dagegen unser Nordamerika Greenhorn,
was seine Vorfreude nur noch steigerte, mein 18 Jahre altes Projekt in Bildern zu dokumentieren.
Nachdem bekanntlich der letzte Winter in den heimischen Gefilden relativ wenige Wünsche aus
Sicht eines Skifahrers offen ließ, war jedoch kaum mehr Zeit für die schönste aller Freuden. Anfang
April fanden wir Drei uns am Check In mit dem Ziel San Fransisco, bewaffnet mit jeweils ordent-
lich Übergepäck, das wir knapp 15 Stunden später unter Bewunderung des Personals von der
Automietstation in den für amerikanische Verhältnisse „kleinen“ SUV stopften und sogar selbst
Platz darin fanden.
Letztlich 32 Std. nach demAufbruch in München, um kurz nach 24 Uhr Ortszeit flackerte dann bei-
nahe plötzlich die Olympische Flamme von Squaw Valley am Lake Tahoe, unserem ersten nörd-
lichsten Ziel, vor uns.
Ordentlich gerädert bezogen wir unsere für Skibums mehr als luxuriöse Behausung. Ohne Zweifel
waren wir in Amerika angekommen. Unser Apartment glich einer kleinen Lodge mit offenem
Kamin und selbstverständlich einem Bad samt Whirlpoolbadewanne für jedes Schlafzimmer. Total
neu für uns war der Skiständer direkt in den eigenen vier Wänden. Was folgte war die logische
Konsequenz, schließlich musste ja der Duty Free Whisky probiert werden und überhaupt auf unse-
re Ankunft angestoßen werden. Nachdem Julian sich als fürchterlich vernünftig entpuppte, blieb
die Verantwortung für die Flasche ab 2 Uhr Nachts bei Christoph und mir, mit dem logischen
Ergebnis, dass der erste Skitag nicht nur jetlag geprägt war. Jedenfalls durften wir schnell fest stel-
len, dass zwar derWinterbeginn großartig war, die restliche Saison über Frau Holle Kalifornien aber
nicht wirklich berücksichtigte, zumindest nicht in dem üblichen Maße. Das unbekümmerte
Firndriften kam Christoph und mir grad recht und spätestens nach dem fetten Mittagsburger
waren Squaw Valley und wir Freunde. Die einzigartige Landschaft mit den urigen verknöcherten
Redwoodbäumen, die bis auf über 2.500 Meter wachsen und das verspielte Gelände mit den
Granitfelsen entschädigen obendrein für manch selbst angerichteten Schaden. Lediglich die etwas
längeren Sessellifte ohne Fußstützen machten mir ein wenig zu schaffen. „Gott, was sind wir
Europäer verwöhnte Schnösel“, dachte ich mir und biss mich durch! DemAuflösen des nächtlichen
Nebels folgte die Erkenntnis, dass Dank des wenigen Schnees einige „must to do“ Klassiker wie
die berüchtigten Palisades Shutes oberhalb der Siberia Bowl bereits gesperrt bzw. die Lifte
geschlossen und somit nur via Fußmarsch zu erreichen waren. Wir waren uns schnell einig, dass
wenn wir schon hiken würden solange wir rund um Skigebiete unterwegs sind, es sich lohnen soll-
te und es ruhig weg vom Gebiet sein dürfte. Das Ziel im Backcountry war auch gleich ausgemacht