Seite 40 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2017
WILDSEELODER
umdrehe. Das hat mich aber dann so angezipft, dass man am Sonntag ir-
gendwo sein hätte müssen, und am nächsten Sonntag dann dort, dass ich
an keinem einzigen Rennen mehr teilgenommen habe. Da bin ich lieber da-
heim zum Skifahren gegangen.“ Diese Haltung wiederholt sich Jahre später
dann auch bei Martin wieder, der mit zwölf den Skirennen den Rücken kehrt.
„Das war mir zu viel Stress. Immer hat man da hin und dorthin fahren müs-
sen, und immer hat man nur da fahren dürfen wo die Trainer gesagt haben,
und immer hat man durch die Stangen fahren müssen, das wollte ich nicht
mehr. Dadurch, dass ich ja immer schon mit dem Papa im Gelände unter-
wegs war, habe ich Junior Contests für mich entdeckt. Und seit ich zwölf
bin, fahr ich eigentlich alles, was geht.“ Für 2018 hat sich Martin einiges
vorgenommen: Die FWQ Contests der Open Faces Freeride Series in Kappl-
Paznaun, Silvretta-Montafon und Obergurgl-Hochgurgl will er bestreiten,
außerdem Les Arcs und das Jasna Adrenalin, das Big Mountain Hochfügen
und das X Over Ride am Kitzsteinhorn. Einmal Racer, immer Racer? Das was
ihm am meisten Spaß macht am Skifahren hört sich aber irgendwie ganz
anders an: „Ich möchte Menschen treffen, mit denen ich meine große Lei-
denschaft teilen kann. Und auch ein paar unverspurte Hänge und Rinnen
fahren, wenns geht.“
Ganz Fieberbrunn und das Pillerseetal leben Freeride – da schaltet schon
mal der Chef der Bergbahnen extra den Lift ein für ein Fotoshooting oder
organisiert einen Heli, wenns sein muss. Die Freeride Contests haben die
beiden älteren Koglers durch Bergrettung und Lawinenkommission in Fie-
berbrunn von Anfang an mitbekommen, schon lange bevor Martin einge-
stiegen ist. „Wir waren schon bei den Qualifiern dabei, und in den
vergangenen zehn Jahren natürlich auch bei der Freeride World Tour“, er-
klärt Hannes. „Über die Jahre sieht man schon, wie sehr das fahrerische Ni-
veau gestiegen ist. Allerdings hat meiner Meinung nach auch die
Risikobereitschaft der Fahrer zugenommen. Und ich denke, dass die immer
spektakuläreren Sprünge und Lines nicht nur positiv sind. Es herrschen nicht
immer super Verhältnisse, da sollte man meiner Ansicht nach auch in der
Lage sein, seine Linie anzupassen.“
An dieser Stelle des Interviews entbrennt eine lebhafte Diskussion zwischen
den dreien, wieviel Druck auf den Fahrern lastet, wie viele Stürze auf indi-
viduelle Fahrfehler, was auf Risikobereitschaft- und was auf Pech zurückzu-
führen ist. Auch Otto diskutiert natürlich mit. Martin kann die Frage nach
dem vertretbaren Risiko nicht so einfach beantworten: „Wenn ich am Start
stehe und es ist vor mir jemand schwer gestürzt, vielleicht sogar einer mei-
ner Kumpels, dann kann ich das nicht so leicht wegschieben, das beschäftigt
mich dann sehr. Auf der anderen Seite könnte ich auch beim Skifahren mit
meinen Schwestern nur umfallen und mir dabei das Kreuzband reißen, oder
ich stolpere und falle die Treppe runter. Das Verletzungsrisiko gibt’s überall.“
Deshalb entscheidet er meistens auch eigenständig über seine Contestlines.
„Die Mama sagt schon immer ‚bitte aufpassen!‘ Normalerweise beraten
sich die Fahrer untereinander über Linienwahl, Features und solche Sachen.
Aber manchmal frag ich auch den Papa ob was geht oder nicht.“
Zusammen Skifahren gehen sie trotz allem eher selten. „Das ist dann schon
was Besonderes“, meint Otto. Martin lacht breit und erklärt, dass „der Opa
kein Freerider ist, der ist Tiefschneefahrer!“ Woraufhin die Antwort wie aus
der Pistole geschossen kommt: „Aber breite Ski hab ich schon! Das gehört
schließlich dazu! Früher bin ich mit einer Langriemenbindung und einem
Foto: Dom Daher
Foto: Mia Knoll
Foto: Mia Knoll




