WILDSEELODER
BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2017 | Seite 39
Normale Familiengeschichten drehen sich meistens darum, wer an welchen Feiertagen mit
wem gestritten hat, in welchem Urlaub der kleine Bruder zum ersten Mal das Meer gesehen
und die große Schwester ihr erstes Eis gegessen hat. In normalen Familien sind die wichtigsten
Eckpunkte einer Kindheit der erste Zahn, die ersten Schritte, der erste Schultag. Aber was heißt
schon normal?
Darf ich vorstellen: Familie Kogler aus Fieberbrunn. In dieser Familie wird Normalität anders defi-
niert. Normal ist bei den Koglers zum Beispiel, dass man ab dem Tag seiner Geburt Mitglied beim
Österreichischen Alpenverein ist. „Als Hannes geboren wurde, bin ich sofort zur Sparkasse und
hab ein Konto eröffnet, weil man da automatisch Alpenvereinsmitglied wurde“, erzählt Otto, Jahr-
gang 1946. Sein Sohn Hannes ergänzt: „Ich hab das mit dem Martin dann natürlich genauso ge-
macht!“ Martin Kogler, 18 Jahre alt, fährt Freeride Contests, seit er 12 ist und mittlerweile auch
ziemlich erfolgreich auf der Freeride Juniors Tour. Vergangene Saison wurde er Gesamt-Fünfter der
FJT und gewann die Österreichische Ausgabe. Bei der Weltmeisterschaft der Juniors in Grandvalira
in Andorra wurde er Neunter. In der kommenden Saison wird Martin zum ersten Mal an der Qua-
lifier Tour teilnehmen. „Ich möchte hier zuerst einmal Erfahrungen sammeln und versuchen, meine
Leistung konstant zu steigern“, erklärt er. Außerdem steht in diesem Winter der Großglockner am
Plan – inklusive Skiabfahrt. Und selbstverständlich zusammen mit dem Papa.
Völlig normal sind für Otto, seinen Sohn Hannes und seinen Enkel Martin auch noch ein paar wei-
tere Dinge: Alle drei sind seit ihrer Jugend Teil der Bergrettung in Fieberbrunn – Otto seit 52, Han-
nes seit über 25 und Martin seit gut drei Jahren. Und natürlich sind alle auch in der
Lawinenkommission tätig. „Der Papa ist seit 42 Jahren dabei, ich hab mit 18 angefangen. So wie
jetzt auch der Martin, der gerade den Aufnahmekurs absolviert hat“, zeigt sich Hannes stolz. „Na-
türlich wollte ich zur Lawinenkommission, so wie der Papa und der Opa!“ bestätigt der, dass da-
rüber eigentlich nicht viele Worte zu verlieren sind. Ist doch ganz normal.
Auch die Eckdaten der wichtigsten Kindheitserlebnisse lesen sich in dieser Familie ein klein wenig
anders. „Meine erste Skitour mit dem Alpenverein hab ich mit zehn Jahren gemacht“, erinnert
sich Otto, „Und die ging gleich aufs Birnhorn in Leogang.“ Das Birnhorn ist der höchste Berg der
Leoganger Steinberge. „Bei meiner ersten Skitour war ich acht, ich kann mich genau erinnern. Der
Papa und der Opa haben meine Ski getragen und ich bin in den Moonboots hinter ihnen in der
Skispur auf die Henne gestapft“, erzählt Hannes. „Mit elf, zwölf Jahren war ich dann eigentlich
nur mehr mit den Tourenski unterwegs.“ Wann genau Martin zum ersten Mal mit auf Skitour war,
kann keiner mehr so genau sagen. „Ich bin immer schon mit dem Papa auf Skitour gegangen,
oder zum Tiefschneefahren.“
„Das wichtigste Kindheitserlebnis vom Martin“, unterbricht Hannes, „das einschneidende Erlebnis,
das war ja das legendäre Pfaffenschwendter Skirennen 2001.“ Geboren 1999 sah der nicht ganz
Zweijährige im Fernsehen die alpinen Skirennläufer bei der WM in St. Anton und spielte sie zuhause
nach. Wenig später, mit 22 Monaten, nahm er an seinem ersten Rennen, eben dem Pfaffen-
schwendter Skirennen teil. „Aber schon vollkommen selbstständig! Da hat niemand geholfen!“
Wer jetzt aber denkt, dass die Koglers skifahrerisch ein reines Männerunternehmen sind, täuscht
sich gewaltig. „Ha, dass die Mütter und Schwestern genauso viel Skifahren ist bei uns ganz nor-
mal!“ Schon wieder. „Schon Hannes‘ Mutter ist immer viel mit mir auf Skitour gegangen, erst mit
den Kindern wurde das weniger“, erzählt Otto. Und Hannes wendet sich auch gleich an seinen
Sohn: „Deine Mama geht schon viel Skifahren oder? Und Touren auch.“ Der Jüngste kann nur zu-
stimmen und grinst: „Auch meine beiden kleinen Schwestern Lisa und Katharina gehen viel Ski-
fahren, auf der Piste oder mit dem Papa ins Gelände. Ich nehm die beiden aber nicht mehr mit
zum Freeriden, da könnte ich ja nur langweilige Sachen fahren.“
Martins Weg schien von klein auf vorgezeichnet: „Mit fünf bin ich dann zusammen mit meiner
Cousine zum Skiclub gegangen.“ Denn – selbstverständlich – sind auch der Papa und der Opa
Skirennen gefahren. Wobei Otto seine „Rennkarriere“ mittlerweile entspannt sehen kann: „Als
Kind bin ich immer der Jüngste in meiner Altersklasse gewesen, die sind mir um die Ohren gefahren.
Da hab ich beschlossen, dass ich mit 40 Jahren dann Altersklasse fahren werde und den Spieß
Foto: Toni Niederwieser




