Bergstolz Issue No. 48 - page 37

OSTTIROL
BERGSTOLZ Ski Magazin Oktober 2014 | Seite 37
Das beschauliche Defereggental im österreichischen Osttirol bietet tatsächlich alles, was man heutzu-
tage im Alpenraum gar nicht mehr zu finden glaubt. Im Schatten seiner großen Geschwister Südtirol
im Süden und der Kitzbühel-Region im Norden hat sich das Tal seinen authentischen Charakter bewahrt
und sich trotzdem still und heimlich zu einem Tipp für Eingeweihte der hohen Powder-Kunst entwickelt.
Und im letzten Winter kam noch die ein oder andere Schlechtwetterfront dazu, die dem Süden
meterweise Schnee bescherte. Da war es natürlich kein Wunder, dass sich in Osttirol die Freerider die
Klinke quasi in die Hand gaben. Die Tatsache, dass man auch bei perfekten Schneebedingungen so
gut wie alleine im weit ausladenden Gelände unterwegs ist, mag dem Umstand geschuldet sein, dass
das Defereggental im Gegensatz zu anderen Freeride-Hochburgen von vielen Ausgangspunkten aus
nicht allzu schnell erreicht ist. Der nächste Autobahnanschluss ist 130 Kilometer entfernt, vielen ist
die Anfahrt über den Felbertauernpass schlicht zu lang. Wer diese jedoch auf sich genommen hat,
wird gleich mehrfach entlohnt – landschaftlich, kulinarisch und natürlich sportlich.
Die Schutzbedingungen des Nationalparks Hohe Tauern haben dem Defereggental seine Ursprüng-
lichkeit bewahrt. Das Tal ist eines der am wenigsten besiedelten in ganz Österreich und eines der un-
berührtesten Hochgebirgstäler in den Alpen überhaupt. Ruhe und Entschleunigung prägen die
Atmosphäre.
Und auch das Skizentrum Sankt Jakob selbst ist eher ein Zwerg, gemessen an den großen, bekannten
Vorbildern. Eine Zubringerbahn und drei Hauptlifte umspannen die Brunnalm, die aufgrund ihrer ge-
mäßigten Abfahrten vor allem Familien mit Kindern anspricht. Hat man den Ausstieg des Almspitzlifts
auf 2.525 Meter erreicht, bietet sich jedoch ein spektakuläres und anspruchsvolles Freeride-Revier
mit unvergleichlichem Panorama. 60 Gipfel über 3.000 Meter – darunter der königliche Großglockner
–, so heißt es, empfangen den Besucher. Spätestens hier können die Latten dann auch gar nicht breit
genug sein.
Foto: Anton Brey (5)
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