Bergstolz Issue No. 48 - page 34

Seite 34 | BERGSTOLZ Ski Magazin Oktober 2014
FREERIDEMAP
OBERGURGL - HOCHGURGL
in Kooperation mit
Foto: Dominic Ebenbichler
Auf unserer Powder-Pirsch begeben wir uns diesmal tief hinein
ins Ötztal. Tief im doppeltem Sinn: Weit weg von der Partymeile
Sölden und mitten rein in ein fettes Schneeloch. Dass die Tim-
melsjochstraße am Talende als Übergang von Hochgurgl nach
Südtirol den gesamten Winter über gesperrt ist, spricht Bände.
Sie schlummert unter einer bis zu 10 Meter dicken Schneedecke,
die im Frühling in wochenlanger Arbeit von Schneefräsen freige-
pustet werden muss.
Nobel, nobel! Was den Standard der Hotels betrifft, rangieren Ober-
gurgl und das 250 Meter höher gelegene Hoteldorf Hochgurgl unter
den Top-Skigebieten Tirols. Aber auch aus Sicht tiefschneehungriger
Freerider liegen die beiden Orte ganz vorne in den Winter-Charts.
Denn in puncto Neuschnee sind die Gurgler wahre Glückskinder.
Schneewolken, die von Norden und Westen heranrauschen, bleiben
hier ebenso hängen wie die Ausläufer von Genua-Tiefs, die sich von
Südtirol her entladen. Am besten, man wartet zwischen den Fronten
ein Schönwetterfester ab und legt dann gleich los. Denn die Höhen-
lage beschert Ober- und Hochgurgl nicht nur eine lange Freeride-Sai-
son, die oft schon im November beginnt und erst im Mai endet, sie
plagt Powdersüchtige bisweilen auch mit Whiteout auf den weitge-
hend baumlosen Hängen. Dann bleiben fast nur die Lines nahe der
Liftschneise von Hochgurgl runter zur Talstation der Hochgurglbahn
I oder ein paar Runs im Zirbenwald am Fuße der Hohe Mut.
Also, rein in die weiße Glitzerwelt! Warteschlangen an den Liften?
Fehlanzeige! Das königliche Vergnügen kann beginnen. Am besten
im Königstal. Startpunkt ist die Bergstation der Top Wurmkoglbahn
II. Über den Wurmferner und das Vordere Wurmkar gleitet man ge-
nussvoll in den Taleinschnitt, der Hochgurgl und Obergurgl trennt.
Das macht Bock auf mehr. Die Steigerung lautet Festkogel. Von der
Bergstation der Plattachbahn führt ein kurzer Hike auf den gut 3000
Meter hohen Gipfel. SichereVerhältnisse vorausgesetzt, packt Ihr jetzt
die anspruchsvollen Rinnen auf der Ostseite ins Verwalltal an. Als
Alternative oder Variante für den nächsten Run bietet sich eine ge-
waltigeAbfahrt über weite Hänge ins Gaisbergtal an, im unteren Be-
reich gespickt mit einigen kleinen Rinnen. Zur Mittagspause auf der
Hohe Mut Hütte könnt Ihr dann Eure Lines bei einem dampfen den
Kaiserschmarrn bestaunen.
Diesen Energieschub solltet Ihr Euch auf jeden Fall gönnen, denn
nach dem Lunch gibt es an den Süd- undWestflanken der Hohe Mut
noch jede Menge Freeride-Terrain zu erkunden. Fürs Finale lohnt ein
Abstecher zurück nach Hochgurgl. Dort folgt Ihr demVerlauf der ver-
schneiten Mautstraße hinter der Mautstation noch ein Stück und
nehmt dann links dieWaldschneise ins Tal der Gurgler Ache. Auf der
anderen Bachseite bringt Euch der Bus zurück nach Obergurgl oder
Richtung Sölden. Zuvor aber kommt Ihr an einem Stopp im Sahnest-
überl nicht vorbei. Eine g’scheite Jaus’n in der urigenAlmhütte ist das
Sahnehäubchen am Ende der Freeride-Pirsch durch die hintersten
und schönstenWinkel des Ötztals.
Autor: Christian Penning
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