POSTAUTO TOUR
Seite 22 | BERGSTOLZ Bike Magazin Juli 2014
Höhenmeter selber zu bewältigen. Geschwätzig wie eine Rentnergruppe kurbeln
wir das Strässchen hoch. Mit zunehmender Distanz wird dieses steiler und wir
ruhiger. Als schliesslich auch der letzte unserer Gruppe statt quatschend nun keu-
chend unterwegs ist, steigt Niculin vom Rad. «Jetzt stehen Singletrails auf dem
Programm.» Sagts und verschwindet hinter der nächsten Kurve. Im Rudel neh-
men wir die Verfolgung auf. Der wellige Kurs ist erstklassig. Meist führt er leicht
bergab, immer wieder stehen auch kurze Anstiege an. Links, rechts, dann auf eine
kleine Brücke, schadlos zwischen Steinen hindurch, es folgt eine Wurzelpartie,
und schliesslich stehen wir inmitten der Landwasser-Schlucht. Wir klatschen
gegenseitig ab: Was für eine tolle Busreise!
Die wieder eingekehrte Plauderei hält nicht lange. Die Route führt nun einen wur-
zeligen Trail hoch, Einzelne meistern ihn fahrend, die meisten jedoch schieben hier
das Bike für einige Meter. Die Postauto-Tour ist alles andere als ein Freeride-
Abenteuer mit Shuttle-Bus. «Der Bus ermöglicht es uns, längere Aufstiege oder
Transfers zu überbrücken und damit viel grössere Touren zu fahren. Sportlich
gesehen ist die Postauto-Tour aber eine ganz normale Mountainbike-Ausfahrt»,
erklärt Niculin. Der Eindruck bestätigt sich wenig später, als wir auf dem Albula-
pass unter der Beobachtung einer Rentnergruppe die Räder erneut vom Hänger
laden. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite führt unsere Route über einen
gut ausgebauten Trail die steile Bergflanke hoch. Der Abfahrtsspass will auch auf
einer Busreise hart verdient sein. Wieder meistert Niculin die ganze Strecke im
Sattel, ein paar Unsrige tun es ihm gleich. Eine Dreiviertelstunde benötigen wir
zur prächtig gelegenen Es-cha-Hütte. Kaffee und Kuchen sind angesagt – wie auf
jeder anständigen Busreise. Bloss ist hier die Kulisse ungleich spektakulärer. Im
Rücken macht sich der felsige Piz Kesch breit, unter uns liegt der weite Talboden
des Oberengadins, dahinter glitzern die Gletscherformationen des
Berninamassivs.
Als wir eine bombastische Singletrail-Abfahrt später beim Hotel eintreffen, sitzt
Meini bereits beim Feierabendbier.Wo er den Bus versteckt habe, wollen wir wis-
sen, um unser Gepäck auszuladen. Er lächelt. «Die Taschen befinden sich bereits
auf den Zimmern.» Das Bier geht auf unsere Rechnung!