GRAUBÜNDEN
BERGSTOLZ Bike Magazin Juli 2014 | Seite 21
Tütatour
Ein wenig zerknirscht ging ich letzten Herbst nach der feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier ins Bett.
38 Jahre, dachte ich mir, das ist doch noch kein Alter! Und trotzdem erhielt ich von meinen
Kumpeln eine Busreise geschenkt. So etwas kriegt man allenfalls zum Siebzigsten, aber ich bin
gerade mal bei der Hälfte. Wenigstens kündigten sie an, dass sie alle mit von der Partie sein wer-
den. Dann wird die Reise sicherlich unterhaltsam, wenigstens das.
Das war vor rund zehn Monaten, jetzt sind wir die Reise angetreten. Ich grinse über beide Ohren.
Meine Freunde haben mir damals bloss die halbe Wahrheit gesagt. Der Reisebus ist in Wahrheit
ein Schweizer Postauto und zieht einen Anhänger mit unseren Mountainbikes hinterher. Andere
Gäste gibt es während der kommenden drei Tage nicht, der Bus gehört exklusiv uns. Mit von der
Partie sind einzig Meini, der Busfahrer, und Niculin, der Bike-Guide. Letzterer mustert uns von Kopf
bis Fuss und meint dann trocken: «Ihr riecht nach Singletrails!». Er habe bereits eine Route im
Kopf, die uns passen dürfte. Bei Bedarf könne er diese aber jederzeit anpassen – unseren
Fertigkeiten, demWetter oder der Moral entsprechend.Während Niculin in Chur unser Gepäck im
Bus verstaut und Meini auf dem Hänger die Bikes festzurrt, umarme ich jeden einzelnen meiner
Freunde. Keine fünf Minuten später knurrt der Motor des Kleinbusses, und wir fahren los in die
Berge. Das Einzugsgebiet der Postauto-Tour sei der ganze Kanton Graubünden, meint Niculin. Es
gebe hier kaum noch einen Trail, den er nicht kenne. Und Meini sagt trocken, dass es wiederum
kein befahrbares Bergsträsschen gebe, das er nicht schon mit einem Bus angesteuert hat. Einzige
Fixpunkte der Tour sind die zwei Hotelübernachtungen, eine im Engadin und die andere in der
Lenzerheide. Der Rest ist à la carte.
Shuttle ohne Freeride-Ambitionen
Meini kutschiert uns erst einmal nach Davos, wo wir vom Sessel auf den Sattel wechseln, von der
Strasse auf den Singletrail. Er benötigt keine zwei Minuten, um alle Bikes vom Hänger zu laden.
Jeder Handgriff sitzt. Nur ein Rad bleibt oben. Meini grinst verschmitzt. Das sei seines. Vielleicht
ergebe sich ja eine Gelegenheit, dass er auf einem Abschnitt mitfahren könne, und für diesen Fall
sei dann die Fahreruniform in Sekunden durch Bike-Klamotten ersetzt.
Meini hätte uns noch ein Stück weiter hochgefahren, doch wir haben darauf bestanden, die 300
Ein eigenes Postauto inklusive Fahrer, Touren-Guide und Anhänger für Mountainbikes – in Graubünden ist das möglich. Statt
Heizdecken gibts hier Singletrails. Der Begriff einer Busreise bekommt auf der Postauto-Tour eine ganz neue Bedeutung.