Bergstolz Issue No. 46 - page 28

All in
Nicola Thost ist wohl eine der bekanntesten
Snowboarderinnen der Welt. „Irgendwie verlief meine Profi-
-
Karriere wie im Schnelldurchlauf. Dennoch fühlte es sich so
unbeschwert an, so natürlich kam Eins zum Anderen – die
großartigen und überwältigenden Erfolge gleich zu Beginn,
als auch Verletzungen und scheinbar auswegslose
Rückschläge. Das gehörte für mich wie selbstverständlich
mit dazu.“
Als junges Mädchen wollte sie einfach nur herausfinden, wie
gut sie werden kann, wenn sie soviel Snowboarden darf, wie
sie gerne möchte. Dieser Satz steht bis heute und führt
eigentlich direkt zu Nicolas Lebensphilosophie: „Das Feuer
und die Leidenschaft sich von ganzem Herzen dem zu wid-
men, was einen am meisten begeistert ist die stärkste
Motivation im Leben.“ Vielleicht hätte sie noch mehr
Wettkämpfe gewinnen können, wenn sie nicht immer volles
Risiko gegangen wäre, nicht immer versucht hätte ihre
Grenzen zu testen und die Grenzen des Sports zu pushen.
„Mag sein. Aber ich bin eben nie für den Wettkampf gefahren
oder für Medaillen, sondern für mich, um zu sehen, was
geht.“
„Das Profi-Snowboarden hat mir ermöglicht, mein Leben
selbst in die Hand zu nehmen. Die Welt zu bereisen, großarti-
ge Menschen kennenlernen, am Berg zu sein, draußen in der
Natur mit Freunden oder auch allein Momente zu erleben, die
unbezahlbar sind.“ Natürlich sind Siege, Titel und Applaus
eine tolle Anerkennung und Wettkämpfe ein wichtiger Teil des
Sports. Aber für Nicola waren sie immer Resultat und nicht
Ziel. „In einen unberührten Powderhang oder eine frisch ges-
hapte Pipe zu droppen, das erste mal einen neuen Trick zu
landen und diese Passion mit anderen zu teilen – dafür liebe
ich das Snowboarden vom ersten Tag an bis heute.“
Eine neue Liebe hat Nicola vor vier Jahren entdeckt: Das
Mountainbiken. „Früher war das Rad für mich nur ein
Transportmittel, um in München von A nach B zu kommen“
Nach einer weiteren Knieverletzung bekam sie das
Mountainbike aber „verordnet“. Was anfänglich reine Pflicht
war ist aber schnell eine neue Leidenschaft geworden.
„Mountainbiken ist wie Freeriden beim Snowboarden, eine
unheimlich kreative Sportart“. Dabei fährt Nicola auch gerne
mal bergauf, aber ein schöner Trail – und der braucht gar
nicht zu extrem sein- liegt ihr mehr. „Ich würde mich als
Endurofahrerin bezeichnen“. Dass sie den Profisportler noch
immer in sich trägt, zeigen ihre Ergebnisse bei den von ihr
heißgeliebten Hobbyrennen: Sowohl beim TrailTrophy in
Latsch, bei der Tristkogel Challenge in Kitzbühel, bei einem
Ausflug in die Marathonszene – vordere Plätze sind gesetzt!
Seit 2009 kümmert sich Nicola mit ihremNachwuchs-Projekt
„Sprungbrett“ um die Förderung junger Talente. „Ich selbst
konnte durch das Snowboarden meine Träume verwirklichen.
Es macht mir Freude, der nächsten Generation und auch dem
Sport, der mir soviel gegeben hat, etwas zurückzugeben. Mit
Sprungbrett kann ich begeisterte Rookies dabei unterstützen,
ihren eigenen Weg im Snowboarden zu finden und zu gehen.
Ich mag das Snowboarden einfach und die Art Lebensschule,
die der Sport und alles drumherum mit sich bringt.“
Fotos: Portrait & Bike | Markus Reiterer & Oliver Lerch
Snow | Flo Jäger&Sandra Steh
Seite 28 | BERGSTOLZ Bike Magazin Juli 2014
RIDERPROFILE
RIDER PROFILE
Alter:
37
Wohnort: Kitzbüheler Alpen | München
Erfolge: Olympiasiegerin 1998 Nagano, Halfpipe
25 WeltcupSiege Snowboaard Halfpipe
ISF World Tour Sieger 1998 & 1999
Rider of the year
Deutsche Meisterin Halfpipe 2013
Österreichische Meisterin Halfpipe 2014
Nicola
Thost
1...,18,19,20,21,22,23,24,25,26,27 29,30,31,32
Powered by FlippingBook