Seite 56 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2017
LAVA
von unzähligen Straßenhändlern begleitet, welche aus ihren Autos Overalls
im 80er-Jahre-Style und Plastik-Bobs in allen Farben des Regenbogens ver-
kauften. Zweifel über das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage wurden
sofort ausgeräumt, als die Ausläufer des Skigebiets in Sichtweite kamen: Ein
ameisengleiches Gewusel aus neonfarbenen Italienern mit Plastik-Bobs über-
zog die Minikrater neben dem Parkplatz. Die völlig verwaisten Pisten ließen
vermuten, dass Sizilien sich wohl eher mit einer Bobmannschaft als mit einem
Ski-Team für Olympia 2018 qualifizieren würde.
Wir schmissen uns also in unsere vergleichsweise farblosen Skiklamotten
und setzten uns einen Vorgipfel des Ätnas nur knapp oberhalb des Skige-
bietes als erstes Ziel. Der Aufstieg zeigte uns schon einen deutlichen Ausblick
auf den Spielplatz für die nächsten Tage: Weite Flanken, unzählige kleine
Krater, Hügel und Kanten. Eine sanft geschwungene Komposition unter-
schiedlichster Formen, scheinbar ohne gerade Linien, die alle dasselbe ver-
hießen: Unendlich viele Möglichkeiten stilvoll und formvollendet in höchstem
Genuss und mit unbeschreiblichem Vergnügen auf dem gelobten Weiß vor
Freude jauchzend ins Tal zu gleiten!
Vom Vorgipfel offenbarte sich uns dann auch der Vulkan in all seiner Pracht.
Der schwarze Kegel wurde permanent von Rauch und Aschewolken umweht,
die ständigen Eruptionen waren in den folgenden Tagen eine mahnende Er-
innerung daran, dass dies kein erloschener Vulkan, geschweige denn ein nor-
maler Berg war. Uns zeigte sich der Ätna zwar von seiner friedlichen Seite,
aber keine zwei Wochen nach unserer Reise fanden wir in unserer Presse
doch noch sein wahres Gesicht. Auf Bildern sahen wir Lavaströme, die unsere
Skispuren verdeckten. Die Asche sorgte sogar dafür, dass kurzzeitig der Flug-
hafen in Catania lahmgelegt wurde. Der höchste Vulkan Europas und einer




