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Seite 38 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016

ROAD TRIP

13. Februar 2016, 8:00

| Die sanften Handtrommeln aus dem

Intro von Sympathy for the Devil wecken uns aus dem Schlaf

und beenden die erste Nacht in unserer 5 Sterne Unterkunft.

Wir tüfteln aus wie das Klappfenster zu öffnen ist, stecken den

Kopf nach draußen und bekommen gleich riesige Schneeflocken

in die müden Augen. Kopf wieder rein, neuer Versuch, Kopf wie-

der raus, Augen auf, doch außer Schnee ist nicht viel zu sehen.

Während uns Keith Richards ein turbulentes Gitarrensolo um die

Ohren schmeißt, spachteln wir unser Müsli in die leeren Mägen,

packen den Rucksack und ziehen den breitesten Ski aus dem

Stauraum unseres Winterpanzers.

13. Februar 2016, 10:00

| Der breiteste Ski? Unsere 125 Milli-

meter wirken in der hüfthohen Aufstiegsspur ziemlich lächerlich.

Mittelbreiten jenseits der 150er Marke und ein Paar Schwimm-

flügel wären wohl eher angebracht. Soviel Schnee haben wir in

unserem Leben noch nie gesehen. Das Bild, das uns der Lär-

chenwald um Crevacol bietet, kennen wir bestenfalls aus Kana-

dischen Powderpornos.

13. Februar 2016, 12:00

| Zu viel Schnee? Konnte das über-

haupt sein? Steiles Gelände ist tabu, im Flachen bleiben wir ste-

cken, doch zum Glück bieten die Wälder um Crevacol optimales

Gelände um die weiße Pracht durch Mund und Nase zu inhalie-

ren. Unsere Münder stehen vor Begeisterung derart weit offen,

dass wir Gefahr laufen, am frischen Powder zu ersticken.

CHAMONIX

16. Februar 2016, 19:00

| „Oh das passt scho, davon haben wir

ja wirklich genug.“ Sagt unser Freund und Bergführer des Ver-

trauens Stephan Schanderl zum wiederholten Male, als Fabi mit

der Gießkanne winkend seine ausgebaute Hütte betritt. Stefan

scheint es wenig zu jucken, dass wir unseren 200 Liter Tank aus

seiner Dusche befüllen, denn er steht ganz lässig am Herd und

wendet sein Steak in der Pfanne. Crevacol war abgegrast, der

Schnee hatte sich gesetzt, jetzt stehen steile Lines in Chamonix

auf dem Menüplan. „Also besser hättet ihr es euch wirklich nicht

aussuchen können. Das Cosmic und Glacier Ronde sehen beide

super aus zurzeit“, so Stefans Ansage zum Programm des nächs-

ten Tages.

17. Februar 2016, 11:00 Uhr

| Ja Herrgott ist hier was los. Schon

auf den ersten Blick trennt sich hier oben auf der Aiguille du

Midi die Spreu vom Weizen, die einen halten sich vor lauter

Atemnot ständig am Geländer fest und kommen kaum die Trep-

pen hoch zur Aussichtsplattform, die anderen sind bis unter die

Achseln ausgerüstet mit Equipment. Hier zählt die Eisschraube

am Klettergurt ähnlich viel wie im Wilden Westen der Colt im

Halfter. Ohne Sie bist du in der Seilbahn nur ein halber Mann

und wirst verächtlich als Jerry abgestempelt.

17. Februar 2016, 11:45 Uhr

| „Oh schaut doch gar ned so wild

aus!“, meint Philipp, der neben Fabi auf dem schmalen Einstieg

zum Glacier Ronde steht. Dem wiederum ist das hier oben alles

andere als geheuer. „Hier geht’s in einem einzigen Hang 3000

Höhenmeter senkrecht bis zum Poco Loco.“

Anmerkung: Poco Loco ist eine legendäre Burgerbude im Dorfzen-

trum von Chamonix, bei der es gestern Abend noch einen Bacon

Burger gab. Während sich die zwei über die Steilheit streiten, da-

ckelt Tobi mit der Kamera in der Hand hinter den beiden her und

schlägt mit einem Grinsen im Gesicht vor, sich doch einfach das

erste Stück abzuseilen. Kurz das Rappel Kit ausgepackt, und kurz

danach stehen alle im 45 Grad steilen Schneefeld, das ungefähr

der Größe von mehreren Fußballfeldern entspricht. Den Blick auf

Chamonix gerichtet, lassen wir die ersten Höhenmeter hinter uns

stehen schließlich am Anfang des schier endlos erscheinenden

Couloirs. Philipp macht den Anfang und obwohl er momentan in

der Form seines Lebens ist, muss er diverse Male stehen bleiben

um die Krämpfe aus seinen Beinen heraus zu massieren.

17. Februar 2016, 16:13 Uhr

| Chamonix Downtown. Junge

junge, was für ein Tag. Überglücklich und auch ein wenig erledigt

chillen wir in den Liegestühlen vor unserem rollenden Zuhause

und leben Dolce Vita Bavaria mit Grill und gutem bayrischem

Bier. Alle sind heile wieder unten und um eine Erkenntnis reicher:

Chamonix ist der S.H.I.T.