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DIARIES

BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2016 | Seite 37

Wir kämpfen uns die letzten Meter zum Gipfelrestaurant des Patscherkofel. Seit einer Stunde

kassieren wir Faceshots ohne Ende, allerdings in Form von groben Schneekörnern, mit denen

uns der Föhnsturm mit gefühltem 100 km/h ein ordentliches Peeling verpasst. Aus jeder erdenk-

lichen Rinne rund um Innsbruck hat der Föhnsturm den Schnee geblasen und übrig bleibt nur

hässliches Geröll.Wir haben es satt. Noch am gleichen Abend vergleichen wir Preise vonWohn-

mobilvermietungen, denn unser Schicksal wollen wir nun selbst in die Hand nehmen.

Ein geeigneter Schlitten war schnell gefunden und die Packliste hielt sich in überschaubarem

Rahmen. Ein Grill, vier Liegestühle, eine Kaffeemaschine, vier Kopfkissen, zwei Satz Schneeketten

und jede Menge Skiequipment, nicht mehr und nicht weniger. Den Rest hatte unsere fünf Sterne

Luxussuite auf Rädern bereits an Bord. Aber wohin damit? Mit der knappen Ansage „Da fahr

ma jetzt hin!“ deutete Tobi kurz vor Abfahrt auf seinem Bildschirm auf einen tief lila Fleck ir-

gendwo im französisch-italienischen Grenznirvana - Crevacol war noch irgendwie zu entziffern.

CREVACOL

12. Februar 2016, 14:30

| Ein übertrieben lautes Hupen von der Straße - das ist unser Startsignal!

Tasche zu, Kappe auf. Wie eine Horde Kleinkinder zum Eiswagen sprinten wir zur Haustür. Draußen

wartet Philipp mit unserem Bett für die nächsten drei Wochen.

12. Februar 2016, 16:00

| Als auf die Frage: „Haben wir jetzt alles?“ keiner mehr hastig aufspringt

und murmelnd zurück ins Haus rennt, kann es endlich losgehen. Kaum biegen wir in die Hauptstraße

ein, kommt von hinten aus dem Doppelbett, aus welchem Tobi nach dem Probeliegen noch nicht

rausgefunden hatte, die Frage: „Wie sieht’s eigentlich mit Essen aus?“. Also ab zum nächsten Su-

permarkt.

12. Februar 2016, 23:00

| Sechs Stunden sind wir mittlerweile unterwegs, die erste Playlist ist durch-

gehört und die Scheinwerfer unserer Karosse lassen immer noch grünes Gras unter der Leitplanke

erahnen. Die Stimmung ist am absoluten Tiefpunkt. Das Navi verkündet noch 30 Minuten Fahrzeit.

Langsam zweifeln wir an den Schneefall-Prognosen. Über 180 Zentimeter in den nächsten sechs

Tagen waren uns prophezeit worden. In Aosta sieht es mehr nach Rasenhockey oder Minigolf, als

nach perfekten Freeridebedingungen aus.

12. Februar 2016, 23:03

| Raus aus dem letzten Tunnel und da ist es endlich, das weiße Gold. Mo-

mentan noch braun und matschig doch von Minute zu Minute und Höhenmeter zu Höhenmeter wird

es mehr und mehr Schnee. Vor lauter Erleichterung setzt Fabi unsere rollende Schüssel in einer Kehre

beinahe an die Leitplanke. Die Reifen drehen durch, der Gestank von verbranntem Gummi und heißer

Kupplung liegt in der Luft, wir ziehen Schneeketten auf, frei nach dem Motto: „Viel hilft viel“, vor-

sichtshalber gleich vorn und hinten. Mit unserem improvisierten Kettenfahrzeug klettern wir mühsam

die letzten Kehren hinauf bis zum Talschluss. Irgendwo in Italien, mitten drin im Powder, parken wir

das Wohnmobil und hüpfen direkt in die Falle.