Background Image
Previous Page  17 / 32 Next Page
Basic version Information
Show Menu
Previous Page 17 / 32 Next Page
Page Background

TRANSALP

BERGSTOLZ Bike Magazin Mai 2015 | Seite 17

Der zweite Tag mit Livigno als Ziel erwies sich als Königsetappe unserer Tour: mit über

2000 Höhenmetern – und davon knapp vier Kilometern Trage-Pasagen – warteten drei

Pässe auf uns: Ofenpass, Passo del Gallo und Passo di Val Trela. Vor allem Letztere lock-

ten mit sensationellen Trailabfahrten, die aber in knackigen Anstiegen über schier end-

lose Schotterrampen und – serpentinen verdient werden wollten. Verwöhnt vom ersten

Tag und dem komfortablen Seilbahnaufstieg, war der zweite Tag umso härter. Hart an

der Grenze zu Ganzkörperkrämpfen kämpften wir uns auf die Pässe. Alle Anstrengung

war aber vergessen, als wir die endlosen Trails sahen: mal flowig, mal verblockt; tech-

nisch verlangten die Abfahrten uns alles ab. In Livigno genehmigten wir uns den obliga-

torischen ersten Kaffee auf italienischem Boden.

Wurden wir die ersten beiden Tage von bestem Wetter verwöhnt, so zeigten sich die

Alpen am dritten Tag von ihrer kalten Seite. Regen und Hagel verhüllten die lombardi-

schen Berge in dichten Nebel. Im Hinblick auf knapp 1500 Höhenmeter mit nicht uner-

heblichen Trage-Passagen bewegte sich unsere Motivation gegen Null. Deshalb genos-

sen wir ausgiebig das hervorragende Frühstück in unserer Herberge, bevor wir die

Regenklamotten anzogen und Richtung Furcolapass aufbrachen. Nach den ersten zehn

Kilometern – noch unspannend auf Asphalt – bogen wir kurz vor der Passhöhe auf einen

Singletrail ab. Er mündete nach kürzester Zeit in eine Tragepassage. Begleitet von

Dauerregen und Nebel mit Sichtweiten unter fünf Metern kämpfen wir uns die 500

Höhenmeter auf die Passhöhe La Stretta. Ohne Zeit zu verlieren – Panorama

Fehlanzeige! – füllten wir unsere Kraftreserven mit einem Müsliriegel auf und fuhren

Richtung Bernina-Pass ab. Dort erwartete uns ein weiterer Freund, der uns von hier an

bis zum Comer See begleiten wollte. Auch wenn die äußeren Bedingungen alles andere

als freundlich waren, freuten wir uns auf die endlosen Trails hinunter nach Poschiavo.

Auf zehn Kilometer fanden wir hier ein weiteres Trail-Highlight: 1200 Tiefenmeter spä-

ter war das Dauergrinsen in unsere Gesichter eingemeißelt. Mit der Rhätischen Bahn

fuhren wir in endlosen Serpentinen zurück auf den Bernina-Pass und rollten auf Bikes

bis nach St. Moritz locker aus.

Der vierte Tag unserer Enduro-Transalp stand ganz im Zeichen des Shuttlens. Schon früh

weckte uns strahlender Sonnenschein. Auf zu den Trails um St. Moritz! Insbesondere die

Tour Trais Fluors hatte es uns angetan. Zuvor wollten wir uns auf dem Flow Trail in

Corviglia warmfahren. Mit der Corviglia-Bahn ging es bis auf knapp 2500 Meter zum

Start des Flow Trails. Die erste Abfahrt gingen wir noch etwas langsamer an, da wir ver-

muteten, der Dauerregen des Vortages hätte die Strecke aufgeweicht und rutschig

gemacht. Davon war aber nichts zu spüren. Die Steilkurven des Flow Trails waren per-

fekt in die natürliche Form der Hänge und Wiesen geschnitzt. Dazu kam noch, dass sie

durch ihre Ausrichtung sehr schnell getrocknet waren. Ein Hochgenuss! Nachdem wir

den Flow Trail mehrere Male gefahren waren, wollten wir die Freeride Tour Trais Fluors

unter die Stollen nehmen. Mit der Bahn ließen wir uns also bis zur Bergstation des Piz