ABS
[1]
Der Lawinenairbag von ABS
®
besitzt zwei seitlich angebrachte Airbags. Mit einem Zug am
Auslösegriff des Rucksacks werden in Sekundenschnelle zwei Luftsäcke mit insgesamt 170 Liter
Fassungsvermögen aufgeblasen und so das eigene Körpervolumen um das etwa 1,5-fache er-
weitert. In allen Phasen der Lawine entwickeln die seitlich platzierten ABS
®
TwinBags ein so
großen dynamischen Auftrieb, dass ein Zurücksinken in die Schneemassen ver-
hindert wird. Durch die Positionierung der Airbags kommt das Lawinenopfer
in der alles entscheidenden Auslauf- und Ablagerungsphase in eine
möglichst flache Position. Laut IATS können nur leere Kartuschen im
Flugzeug transportiert werden und manche Fluglinien machen
Ärger wegen der Sprengkapsel im Auslösegriff.
Seite 62 | BERGSTOLZ Ski Magazin November 2014
EQUIPMENT CHECK
EQUI PMENT CHECK
LAWINENRÜCKSÄCKE
SCOTT | Alpride
[5]
Scott geht mit Ihrem Lawinenairbagsystem Al-
pride neue Wege. Auch hier werden Luftdruck-
kartuschen verwendet, doch diese unterscheiden
sich zur Konkurrenz. Scott verwendet zwei Kar-
tuschen mit vergleichsweise geringen Druck ähnlich
denen, die in Rettungswesten verwendet werden. Laut
der IATA steht einem Transport der Flaschen im Flugzeug
nichts im Wege. Innerhalb von drei Sekunden entfaltet sich der
Airbag, mit einem Fassungsvermögen von 150 Liter. Der Airbag
schützt Kopf und Rücken, dabei behindert er aber keineswegs
das Blickfeld des Fahrers. Bei diesem System handelt es sich
um Einwegkartuschen, die nach jeder Auslösung neu gekauft
werden müssen.
BCA | Floar
[4]
BCA verwendet für seinen, Lawinenrucksäcke Kartusche die mit reiner Druckluft be-
füllt sind und relativ einfach und kostengünstig nachgefüllt werden können. Der
Airbag fasst 150 Liter Volumen. Befüllt wird er initial mit der Druckluft aus der Kar-
tusche, der Rest wird mit Umgebungsluft angesaugt. Das hat den Vorteil, dass
sich kein Gas im Airbag befindet. Sollte es also bei der Verschüttung
zu einem Riß im Airbag kommen, kann dort nur reine Luft aus-
treten und so die Atmung nicht gefährden. Die Form des
Airbags wurde so gewählt, dass das Blickfeld des
Sportlers nicht eingeschränkt wird und das Law-
inenopfer generell in einer sitzpositionähnlichen Hal-
tung angespült werden und somit das Gesicht frei
ist. Das Material des Airbags ist aus einem beson-
ders strapazierfähigen Nylon gewebt und sehr
robust und langlebig.
MAMMUT | Protection Airbag System (P.A.S.)
[2]
Das Mammut Protection Airbag System ist die Weiterent-
wicklung des bekannten Snowpulse Lifebag Systems. Die
Airbagform schützt den Kopf-, Nacken- und Brustbereich
vor mechanischen Verletzungen und sorgt in der Lawine
für eine optimale Position, indem sie den Kopf und Ober-
körper an der Oberfläche hält. Der Airbag kann daher nicht
nur eine Ganzverschüttung verhindern, sondern bietet zu-
sätzlich Schutz vor mechanischen Verletzungen.
Zusätzlich zu den sicherheitstechnischen Features ist es
Mammut gelungen, das Airbag System vollständig heraus-
nehmbar zu gestalten. Somit kann der Besitzer ein System
für mehrere Rucksäcke verwenden und immer den geeigneten
Rucksack für den jeweiligen Einsatzbereich wählen.
Expertentipp von Patrick Nairz
- Lawinenprognostiker
Eine gute Ausrüstung am Berg ist heute eine Selbstverständlichkeit. LVS-Gerät, Schaufel und Sonde gehören zur Standardausrüstung, Lawinenairbags und
Helme sind für den ambitionierten Wintersportler zusätzlich wärmstens zu empfehlen. Diese sogenannte Sicherheitsausrüstung soll allerdings nicht dazu
verleiten, riskanter unterwegs zu sein, quasi nach dem Motto: Ohne Airbag wäre mir diese Abfahrt zu gefährlich, mit Airbag getraue ich mich schon. Risiko-
kompensation nennt sich dieses Phänomen, dem bewusst entgegengesteuert werden sollte. Überdies kann keine Ausrüstung eine gute Ausbildung sowie
Tourenplanung ersetzen. Topinfos über die aktuelle Lawinensituation finden sich übrigens auf den Seiten der Lawinenwarndienste, zentral zugänglich via
Wer sich für diese Saison noch einen Lawinenrucksack kaufen will,
hat die Qual der Wahl! War vor ein paar Jahren nur das System von
Airbag-Pionier ABS erhältlich, ist das Angebot an verschiedenen
Systemen und Herstellern die diese in Ihre Rucksäcke verbauen in
den letzten zwei, drei Jahren stark gewachsen.
In der Saison 2014/15 gibt es im wesentlichen fünf verschiedene
Systeme, die von zig Rucksack-Herstellern verbaut werden. Da fällt
der Überblick nicht mehr so leicht. Deshalb haben wir für Euch die
fünf Systeme auf dieser Seite dargestellt und die wichtigsten Unter-
schiede zusammengefasst.
BLACK DIAMOND | Jet Force
[3]
Jet Force ist die erste Lawinenairbag-Technologie mit Düsengebläse.
Dieses System ist ein Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit von Black
Diamond und PIEPS. Ein batteriebetriebener Ventilator befüllt einen 200 Liter Airbag
in 3,5 Sekunden, gefolgt von regelmäßigen Nachfüllungen, um den Airbag auch im Falle eines Risses oder Lochs
zu erhalten. Nach drei Minuten wird der Airbag automatisch entleert, um eventuell Hohlräume mit Luft im Schnee
zu bilden sowie die Ausgrabung zu unterstützen. Die Hersteller garantieren für den Lithium-Polymeer-Akku vier
Airbag Auslosungen pro Ladung und eine Stand by Zeit von drei Wochen. Durch das neue System, mit Düsenge-
bläse, kann der Airbag getestet werden. Auch das Zusammenlegen der Airbags ist sehr einfach. Ein großer Vorteil
des Jet Force Systems ist, das es problemlos im Flugzeug mitgeführt werden kann.
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