SHADES OF WINTER
BERGSTOLZ Ski Magazin November 2014 | Seite 55
Wow, fühlt sich irgendwie komisch an, nicht schlecht, nur anders – wir
Freeskierinnen in Kleid und High Heels – acht der 12 ‚Shades of Winter’
Athletinnen sind von überall her angereist: Matilda Rapaport, Evelina Nils-
son, Emma Dahlström aus Schweden, Camillia Berra aus der Schweiz, Caja
Schöpf hält die deutsche Flagge hoch; die Kanadierin Nadia Samer hat
als einzige die Reise über den großen Teich angetreten – ja, wir vermissen
unsere Kiwi Janina Kuzma und Aussi Nat Segal und ebenso Silvia Bertagna
aus Italien und NadineWallner aus dem Ländle, die leider kurzfristig krank
geworden ist. Die österreichische Ehre halten dann eben Melissa
Presslaber und ich hoch....
Roter Teppich, große Pressewand mit all unseren Sponsoren. Shades of
Winter, a Sandra Lahnsteiner Film presented by Peak Performance in as-
sociation with Garmin, a Red Bull Media House – Co Production. Blitz-
lichtgewitter ....PURE... ein wenig ungewohnt aber eigentlich fühlt es
sich auch echt gut an. Naja, Hauptsache wir haben Spaß und strahlende
Gesichter wohin man blickt, also wird’s schon passen! Aber ich glaub, wir
sind eh nicht die Einzigen! Schön! Die Menschenschlange vor dem Kino
ist ziemlich lang – wollen die alle zu uns?Wie viele Leute passen ins Kino?
Gut 400... Eine Gruppe nach der anderen drängt vor die Pressewand um
von Fotografin Conny Marshaus ins rechte Licht gerückt zu werden.
Hashtag #shadesofwinter! YES! Coole Stimmung – Weltpremierenstim-
mung – klein Freeskihollywood in München im ausverkauften Filmtheater
Sendlinger Tor. Es kann losgehen!
Nico Zacek und Bernd Krainbucher gehen auf die Bühne .... Zwei Show-
master ‚par excellence’... celebrieren die wohl längste Pre-Show ever bei
einem Freeskifilm! Aber dem Publikum gefällt’s, die Stimmung ist großartig
und die drei Mädels, die sich bei einer äußerst männlichen Challenge um
einen Fischer Ski gematcht haben, haben sich eine Pause verdient, und
die eine eben die neuen Powderlatten – Gratuliere!
Nico und Berni – zwei langjährige und wichtige Wegbegleiter der letzten
Jahre. Bernd Krainbucher, als unser Guide in Alaska seit zwei Jahren neben
den Filmern der wichtigste Mann am Berg und unser „key to success“
auf den Spines. Und „oh boy“... Ich kann mich noch gut erinnern, als
ich 2009 mit der Idee von meinem ersten Skifilm, dem ‚girls ski movie’
‚As We Are’ am Computer bei Nico und Taylor im Downdays Office in Inns-
bruck gesessen bin und deren Meinung dazu hören wollte. Nico fand die
Idee cool und hat mich motiviert es doch einfach zu machen – blauäugigst
bin ich ins kalte Wasser gesprungen, ich hatte eigentlich KEINE Ahnung
was es tatsächlich heißt einen Film zu produzieren – ist ja nicht mein Busi-
ness – eigentlich; naja, besser gesagt – war es nicht... . schon cool, was
inzwischen alles passiert ist. Haha, wie cheesy war das Girls Ski Movie
wenn man zurück blickt – ein netter Skifilm damals, aber immerhin der
erste europäische Freeskifilm mit ausschließlich Mädels – das war der
Startschuss – und jetzt mein zweiter ‚Shades of Winter’ Film – PURE –
und Nico on stage sagt grad, dass ich damit 2014 die größte europäische
Freeski Film Produktion in Europa bin. Das gefällt dem Publikum –
BUMM... leider geil. Nicht planbar aber genial – danke an alle, die an
mich geglaubt und mich unterstützt haben, meine Crew, meine Freunde,
Sponsoren, Athleten. Allein kann man so was eben nicht machen.
Auf der Bühne mit allen Mädels – Moment, da fehlt aber noch jemand –
Berni gibt mir das Mikrofon und ich hol die zwei gleich mal rauf.
Shades of Winter hat zwar einen ‚all female’ Cast VOR der Kamera, HIN-
TER der Kamera agieren aber ‚Director of Photography’ Mathias Bergmann
und Regisseur, Cutter & Kameramann Mario Feil. Mathias und mich ver-
bindet mittlerweile eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft,
er war Filmer/Cutter beim ersten Projekt ‚As We Are’ und ist ein unglaub-
lich wichtiger Teil von und IN Shades of Winter als DOP, Freund, Berater –
wir sind beide stolz auf unseren bisherigen Weg und wie wir uns und
unser Projekt sich stetig weiter entwickelt hat. Nichts ist mehr mit cheesy
„Whirlpool“ oder Shoppingszenen zwischen der Skiaction! Die Kamer-
aarbeit, die Mathias und Mario geleistet haben, ist „TOP NOTCH“ wie die
internationalen Medien in ihren Reviews schreiben, ihre Leidenschaft für
das perfekte Bild spürbar und sehbar.
Und „Professor Mario“, wie ihn Emma und Evelina liebevoll nennen, hat
sich vom Sprung ins kalteWasser letztes Jahr erholt als er, wie die Jungfrau
zum Kind, als Editor an Board von Shades of Winter kam. Als eigentlicher
Nichtskifahrer hat er wieder mit dem Skifahren angefangen, um bei den
großen Trips selbst mit dabei sein zu können. Ein genialer Schachzug, wie
die Bilder beweisen – Mathias und Mario haben sich hinter den Kameras
sensationell ergänzt. Ich bin dankbar, dieses Team zu haben!
Matilda, Evelina, Melissa, Caja, Nadia, Emma, Camillia, Mathias, Mario
und ich sitzen aufgefädelt in der ersten Reihe im Kino. „Film ab!“
Der letzte Winter hat es uns in den Alpen ja nicht gerade leicht gemacht
zu filmen, das ist ein bekanntes Lied, soll aber hier nicht fertig gesungen
werden. Der Film soll inspirieren, da will keiner sehen, wie schwierig es
war. Dennoch, viele der geplanten Trips und Filmtage in den Alpen fielen
dem fehlenden Schnee zum Opfer. Unzählige Stunden vor dem Computer,
Telefonate, neue Pläne - die Stunden später bereits erneut geändert wer-
den. Dass einige der Mädels zudem auch mit der FreerideWorld Tour durch
dieWeltgeschichte tingeln oder so wie Janina und Emma in Sochi am Start
sind (und mit jeweils tollen 5. Plätzen in Halfpipe und Slopestyle heim-
kehren), macht die Koordination der Athleten, TV-Crew und Locations nicht
unbedingt leichter. Frau Holle richtet sich aber eben nicht nach deinen
Plänen, also mach das beste draus.
Während sich Melissa, Matilda, Janina und ich also auf der Leinwand un-
sere Lines in den Alpen (u.a. im schönen Haslital in der Schweiz) mit Hiken
verdienen (BILD) schaufeln sich Emma, Silvia und Camillia einen Kicker im
Backcountry von Maloja. (BILD) Ein Föhnsturm machte aus der geplanten
Powderlandung über Nacht allerdings eine weniger sanfte Variante. Drei
massive Einschläge der Freestylerinnen sind die Folge und sorgen im
Publikum für die ersten „ohhhhhhs“ und „ahhhhhs“. Die Mädels können,
müssen ganz schön einstecken! Das war zwar nicht so geplant, ich war
mir des Risikos eines ersten Backcountry Kicker Segments für Mädels aber
auch bewusst, vor allem weil es auch für die drei Top Freestylerinnen ein
„firstever“ auf einem derartigen Kicker war. Aber – no risk no fun! Und
Fun hatten die Mädels dann doch noch mit ihrem Setup und stellten nach
und nach ihre Tricks in den nicht-Powder, und toppten ihre Performance
dann mit einer Kickersession auf der Seiseralm.
Ich lehne mich entspannt zurück, summe leise vor mich hin – die Musik,
die Mario ausgewählt hat ist einfach PERFEKT, auch da hat er einen
genialen Job gemacht. Nico Zacek hat ja immer schon ein Herz für uns
Mädels gehabt und schafft mit seinem mittlerweile legendären Nine
Queens Event Jahr für Jahr die besten Voraussetzungen für die Freestyle-
rinnen ihr Niveau erstens zu zeigen und zweitens zu pushen. Und die Nine
Queens 2014 zeigen im zweiten Segment auch heuer wieder, dass sie die
besten ihrer Zunft sind. Emma Dahlström, Lisa Zimmermann, Camillia
Berra und viele mehr zwirbeln scheinbar mühelos ihre Tricks über das
gigantische Kicker Setup in Livigno. Das sorgt für den ersten tosenden
Zwischenapplaus und „wooooos“ im Kinosaal. Mario hat aus dem ge-
nialen Filmmaterial, das rund um das Team von Nico entstanden ist, einen
actiongeladenen Part gezaubert, der viele Münder offen stehen lässt.
Female Freeski Action auf höchstem Niveau.
Szenenwechsel. Die kleine Maria springt in den Federn, begleitet von
einem unbeschwerten Kinderlachen – fette Flocken fliegen vom
Himmel! Ich erinnere mich an den Dreh mit Maria, der Tochter einer mei-
ner besten Freundinnen, die repräsentativ für die Message des Films steht:
Wir sind doch alle ständig auf der Suche nach diesen puren Momenten,
in denen wir Freude, Glück aber auch Angst und neue Herausforderungen
erleben, nicht nur beim Skifahren. Zurück zum Dreh mit Maria; nur wenige
Stunden bevor wir, also Mario Feil und ich, zu Maria nach Hause gekom-
men sind um zu filmen, rief mich meine Freundin an um mir mitzuteilen,
dass ihre Tochter heute mit den Worten „Ich will nicht ins Kino......“ von
der Schule heimgekommen ist. Aber Mario war fantastisch in der „Arbeit“
mit Maria und bald hat sie ihn mit seiner Kamera durch das ganze Haus
gejagt. Ich finde, Maria ist die Natürlichste von uns allem im Film. Sie hat
das echt sensationell gut gemacht. Voll authentisch, PURE eben.
Foto: Conny Marshaus
Foto: Conny Marshaus
Foto: beech Studios