Seite 60 | BERGSTOLZ Ski Magazin November 2014
LORRAINE HUBER
NEVER GIVE UP
von Lorraine Huber
Seit vier Jahren schreibe ich schon diese Kolumne. Auf der Suche nach
einem neuen, für euch Leser interessantes Thema, kam ich auf die Idee
meine Entwicklung während den letzten fast vier Jahren Revue passieren
zu lassen. Damals in 2011 war ich sechs Monate lang krank mit pfeiffer-
schem Drüsenfieber und konnte kaum Ski fahren. Die Wettkämpfe die ich
mir vorgenommen hatte, musste ich gänzlich absagen. Meine lange Aus-
zeit endete mit der Entscheidung, meine Mandeln zu operieren, wonach
ich mit meinem körperlichen Training begann. Am absoluten Nullpunkt
angekommen, wollte ich alles in meiner Macht
mögliche unternehmen, körperlich topfit zu
werden. Ich engagierte Phil Anker als mein Kon-
ditionstrainer und begann einen Trainingsplan
abzusolvieren, welches alles von mir abver-
langte. Als ich eine Einladung zur FreerideWorld
Tour 2012 bekam, wurde dies zu meiner Haupt-
motivation beim Training. Im vergangenen Jahr
konnte ich mich für das Finale der FWT nicht
qualifizieren und ich war mit meiner Leistung
sehr enttäuscht gewesen. Nun hatte ich eine
Chance bekommen, mich zu revanchieren.
Obwohl ich bei der FWT Röldal 2012 den zwei-
ten Platz belegen konnte, stürzte ich bei den
anderen FWT-Stopps oder fuhr nur mittelmäßig.
Ich konnte mit dem Wettkampfdruck schlecht
umgehen und flog aus der FWT raus. An Aufgeben dachte ich nicht. Ich
entschied, noch einmal die Freeride World Qualifier Tour zu fahren um
hoffentlich wieder in die FWT rein zu kommen. Tief im Inneren wusste ich,
dass ich das Zeug dazu hatte, auf der FWT erfolgreich zu sein. Dieser
Glaube verlieh mir viel Kraft.
Im Sommer 2012 trainierte ich mit Phil weiter und verbrachte einige Mo-
nate beim Skifahren in Argentinien. Ich beschäftigte mich intensiver mit
dem Mentaltraining, etwas was mich persönlich fasziniert. Den ersten
FWQ im Jänner 2013 in La Clusaz mit 4 Sternen konnte ich für mich ent-
scheiden. Endlich begriff ich, dass ich mir in der Vergangenheit bei den
Wettkämpfen zu viel Druck gemacht hatte. Es folgte ein vierter Platz beim
4-Stern FWQ Engadin sowie einen weiteren Sieg beim 4-Stern FWQ Hoch-
fügen. Parallel dazu bekam ich erneut eine Wildcard für die FWT 2013,
da eine Teilnehmerin nach dem ersten Stopp verletzungsbedingt frühzeitig
ausscheiden musste. Ich nutze nun die Chance - alsWildcard und komplett
ohne Druck - so viel wie möglich auf der FWT zu lernen.
Das Highlight meiner Saison war ein zweiter Platz beim
Xtreme Verbier, das begehrte Finale der FWT. Ich er-
reichte nicht nur mein Ziel, mich wieder für die FWT zu
qualifizieren, sondern wurde Gesamtsiegerin der FWQ-
Tour in Europa. Im Sommer 2013 entschied ich mich, in
der Nebensaison nicht Skifahren zu gehen sondern mich
gänzlich auf mein Konditraining zu konzentrieren. Phil
Anker und ich waren schon ein eingeschweißtes Team.
Noch nie fühlte ich mich so bereit, auf der FWT mein Bes-
tes zu geben. 2014 gewann ich dann meinen ersten
FWT-Stopp in Snowbird, nachdem ich jeweils dritte in
Chamonix und Fieberbrunn geworden bin. Mit dem Ge-
samtsieg wurde es dann auf Grund eines schweren Stur-
zes beim Xtreme Verbier leider nichts, dennoch konnte
ich auf einer enorm starken Saison zurückblicken und bin
mit meiner Leistung als Vizeweltmeisterin sehr glücklich. Im Sommer 2014
konnten Phil und ich wieder große Fortschritte in meinem Training machen
und nun kann ich es kaum erwarten, wieder in die Saison zu starten. Rück-
blickend habe ich nie aufgegeben und verlor auch nie den Glauben an
meinen eigenen Fähigkeiten. Es war ein langer Weg, dennoch fühlte es
sich selten hart an, da es einfach das schönste ist für mich, jeden Tag auf-
stehen zu können und Ski fahren zu gehen.
Foto: Dom Daher
FREERIDEWORLDTOUR.COM / TERO REPO PHOTOGRAPHY