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SÖLDEN

BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2014 | Seite 43

Die ÖtztalerAlpen stellen die größteMassenerhebung der Ostalpen dar.

Keine andere Region in diesen Gebirgsgruppen weist eine so große Flä-

che in Höhenlagen über 3000 Meter auf wie die Ötztaler Alpen.

Sie umfassen verschiedene Klimabereiche und eine vielfältige Topo-

graphie. Die vomTourismus erschlossenen Regionen ,wie in der Um-

gebung von Sölden, stehen anderen Söldener Gebieten gegenüber,

die in einer ausgeprägten Abgeschiedenheit liegen.

Am Ende des Ötztales liegt das Söldener Skigebiet, zu dem auch zwei

Gletscher (Rettenbachferner und Tiefenbachferner) gehören. Der

Hauptteil des Skigebiets befindet sich auf einer Seehöhe von über

2.000 m und erreicht an drei Stellen eine Höhe von über 3.000 m

(BIG 3). Der höchste mit Lift erreichbare Punkt befindet sich in

3.250 m Höhe. Das Freeriden in Sölden findet also oberhalb von

2.000 m Seehöhe statt, wo manch andere Gebiete schon aufhören.

Die Freeridesaison geht deshalb, aufgrund der Höhenlage und der

daraus resultierenden Schneesicherheit, von November bis Mai.

Mein Name ist Markus Morandell. Ich bin hauptberuflich Bergführer,

Gründer und Leiter des Freeride Centers in Sölden. Ich darf euch das

Ötztal, im besonderen das Freeriden in und um Sölden vorstellen. Kurz

auf den Punkt

gebracht:Wer

hochalpines, teilweise vergletschertes Ter-

rain, steile Rinnen und Couloirs mag, ist hier goldrichtig und findet ein

schier endloses Betätigungsfeld.

Aber der Reihe nach: Man kann das Söldener Freeridegebiet in drei

Hauptgebiete aufteilen: Gaislachkogl, Giggijoch und in die beiden er-

schlossenen Gletschergebiete, Rettenbachferner und Tiefenbachferner.

Der Gaislachkogl mit 3.040 m ist zweifellos der Freerideberg, wo du am

meisten Höhenmeter in spektakulärer Umgebung an einemTag machen

kannst. Jeder Run hat zwischen 900 und 1.100 Höhenmeter. Nicht selten

machen wir amTag, mit guten Ridern, an die 10.000 Höhen/Tiefenmeter

rund um den Gaislachkogl. Das ganze ohne Aufstieg, direkt von der

Bahn weg und in allen Expositionen, führen uns die Runs talwärts. Bis

spät in denWinter hinein findet man in den zahlreichen windgeschützten

Rinnen und Couloirs besten Schnee vor.Wer sich gut auskennt kann im

Frühjahr nach ein paar Firnabfahrten auf der Südseite, am Nachmittag

den Powder auf der Nordseite geniessen.

Der Gaislachkogl ist sozusagen mein Hausberg an dessen Fuß ich auf-

gewachsen bin. Meine Eltern bewirtschafteten ein kleines Gasthaus auf

der Gaislachalm, hoch über Sölden auf knapp 2.000 m Seehöhe gele-

gen. Kurz vor meinem zweiten Geburtstag bin ich mit meinemVater der

Skilehrer war, das erste mal vom Gaislachkogl durch das Wasserkar im

Gelände abgefahren. Und dennoch, auch nach unzähligen Befahrungen,

ist es immer noch faszinierend für mich, welch fantastischer Skiberg der

Gaislachkogl ist.

Das Giggijoch – bietet vor allem für Einsteiger perfekte weite und offene,

nicht all zu steile Hänge.Von da aus erreicht man auch das südliche Ret-

tenbachtal. Ein super verspieltes, langgezogenes Gelände mit natürlichen

Halfpipes die auf der Gletscherstraße enden. Von da aus geht es dann

Richtung Langeggbahn um wieder zum Ausgangspunkt zu gelangen.

Das Giggijoch, direkt von Sölden mit einer Bahn erreichbar, ist auch der

Ausgangspunkt für viele versteckte fantastische Lines. Mit kurzen Auf-

stiegen tauchst du in eine völlig andere Welt ein. Gemeint ist das ein-

same, naturbelassene Pollestal welches in der weit entfernten

tiefgelegenen Ortschaft Huben endet. Unzählige steile Couloirs enden

im besagten Tal, das uns dann über sanftes Gelände aus der wilden

Szenerie hinausführt. Beim Rausfahren durch das Pollestal erkennt man

dann auch erst das volle Potential dieses Tales , wenn man hinaufschaut

in diese aufregende alpine Landschaft. Eine Rinne nach der anderen tut

sich auf und man kann es kaum erwarten, wieder im Skibus nach Sölden

zu sitzen, um die nächste Line anzugehen.

Die beiden erschlossenen Gletschergebiete bieten zumeist kurze, aber

dennoch sehr interessante Freeridemöglichkeiten. Quasi in Pistennähe

fängt dieWildnis aber an, denn viele vergessen, dass sie hier auf einem

Gletscher mit Spalten unterwegs sind. Es ist schon faszinierend zu sehen,

wie an manchen Tagen eine Line nach der anderen durch die Spalten-

zonen gezogen werden – leider auch von vielen, die keine Ahnung

haben, dass sie sich auf einem Gletscher bewegen, wo es natürlich be-

stimmte Gefahrenstellen gibt, die man unbedingt beachten muss! Denn

wenn man den Gletscher vom Sommer her kennt, weiss man welch tiefe

Abgründe sich teilweise unter der begehrten Powderschneedecke ver-

stecken.

Die beiden Gletscher sind aber auchAusgangsgebiet für einige Klassiker

an Freeride Lines in Sölden. Das Gelände Richtung Ventertal, nach

Heiligkreuz, ist schlichtweg grandios. Ich war schon auf der ganzenWelt

zum Skifahren unterwegs, aber diese Lines können sicher mithalten mit

den Besten die ich bisher befahren durfte.

Neu in Sölden ab dem Winter 2014/2015 sind die beiden Checkpoints

für Freerider. Einer davon befindet sich direkt an der Bergstation der

Gaislachkoglbahn (3.040 m) beim SB Bistro PowderQ und ist Treffpunkt

und Informationsstelle für alle Freerider vom Gaislachkogl. Hier erhältst

Du wichtige Informationen für Deine Routenwahl (aktuelle Lawinenwarn-

stufe,...). Mit dem LVS Checker überprüfst Du die Funktionsfähigkeit des

LVS Geräts.

An der Bergstation der 6SK Langeggbahn befindet sich der Freeride

Tower. Er ist im Bereich Giggijoch der Treff- und Sammelpunkt sowie

wichtige Informationsstelle für geplante Runs im freien Skiraum.

Vor 13 Jahren gründeten wir das Freeride Center in Sölden. Wir waren

damals die ersten in Österreich, die sich nur auf das Freeriden speziali-

siert haben und arbeiteten ein Programm aus, wovon sowohl der

Einsteiger als auch der erfahrene Rider profitieren sollte. Unser persön-

licher Ehrgeiz war und ist es, mit einfachen Methoden dem Einsteiger

das notwendige Wissen zu vermitteln, damit die gröbsten Fehler ver-

mieden werden können. Man kann nicht in wenigen Tagen zum Back-

country Pro oder Lawinenprognostiker werden!

Foto: Paul Koller