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WAY“ REY

BERGSTOLZ BikeMagazin MÄRZ 2017 | Seite 21

Hans Rey – der weltweit bekannteste Mountainbiketrialer. Seit 30 Jahren im

Geschäft, eine riesige Fangemeinde, trotzdem ein richtig bodenständiger Typ.

Ihn zeichnet durch seine gesamte Karriere hindurch sein exzellentes Fahrkön-

nen aus, das er auch als erster (von mittlerweile sehr vielen) in Filmen zeigte.

Hans Rey – eine Legende.

Hans wuchs in Emmendingen im Schwarzwald auf. Mit 12 Jahren entdeckten

er und seine Freunde Motorrad-Trial. Beim ansässigen Trialclub faszinierten

sie die Tricks, die die Fahrer mit ihren Maschinen zustande brachten. Eines

Tages veranstaltete der Club einen Fahrradgeschicklichkeits-Wettbewerb, da

mussten sie natürlich teilnehmen. Dieser Bewerb war der eigentliche Start-

schuss zu Hans‘ sportlicher Karriere: die Jungs hatten so viel Spaß dabei, dass

sie nicht mehr damit aufhörten. „Wir konnten uns kein Motorrad leisten, des-

halb versuchten wir, die Stunts der Motorradtrial-Fahrer mit unseren Schrott-

bikes nachzumachen“, erinnert sich Hans im Interview.

Schon bald entwickelt sich eine Szene mit ungefähr 50 Kids, die alle nur mehr

Trialbiken wollten. Dass Hans dafür ein außerordentliches Talent besaß, zeigte

sich sehr schnell: er startete in Wettbewerben und legte hier den Grundstein

für sein exzellentes Fahrkönnen. In den Jahren 1982-1985 gewann er den

deutschen Meistertitel im Trial und etablierte sich in der Szene. Trialbiken war

eine europäische Sportart, in der schon bald auch ein Europa- und Weltmeis-

tertitel ausgeschrieben wurden. Hans meinte aber, er wäre schon zu alt dafür

und dachte es wäre wohl besser, was Gescheites zu lernen.

Der Sport war ein reiner Amateursport und so schrieb er sich an der Uni ein,

um im Herbst sein Studium anzutreten. Wie so oft, kam es ein wenig anders.

Kevin Norton, der damalige nordamerikanische Trialchampion, der zu einigen

Bewerben nach Europa gekommen und schon Profi war, sprach ihn an und

erzählte ihm, dass es in Amerika diese neue Sportart Mountainbiken gab. Im

Rahmen der MTB-Rennen wurden oft auch Geschicklichkeitsbewerbe ausge-

tragen – Trial eben. Hier gäbe es die Möglichkeit, an Sponsoren ran zu kom-

men. „Kevin hat gemeint, ich soll in die USA kommen und an ein paar

Veranstaltungen teilnehmen. Das hab ich gemacht. Und so wartet die Hoch-

schule bis heute darauf, dass der Student Hans Rey im Hörsaal aufkreuzt“,

lacht er.

Er ging mit Kevin Norton in die USA und der stellte ihn bei einigen Firmen vor.

Die Sponsoren stellten sich ziemlich schnell ein – und blieben teilweise bis

heute: der Bike-Hersteller GT und der Schweizer Uhrenhersteller Swatch zum

Beispiel. Auf dessen Einladung kam Hans zu einem Show-Event nach New

York und überzeugte vom Fleck weg. Dass diese langjährigen Partnerschaften

noch immer aufrecht sind, zeugt von der Professionalität und Loyalität, die er

schon damals mit nur 22 Jahren an den Tag legte.

Seine Bekanntheit und die Größe seiner Auftritte wuchsen zusammen mit dem

MTB-Hype, der in Amerika ausgebrochen war. Eigentlich wollte er nur ein Jahr

bleiben, daraus sind dann doch ein paar mehr geworden – seit 1993 lebt er

mit Frau und Hund in Laguna Beach und genießt das kalifornische Leben,

wenn er denn überhaupt mal zuhause ist. Denn eigentlich ist er ständig un-

terwegs, auf der Suche nach neuen, spannenden Abenteuern. Mit seinen

Stunts hat er sich Anfang der 1990er eine riesige Fangemeinde erobert, un-

vergessen sein TV-Auftritt bei „Wetten dass?“ vor 40 Millionen Zuschauern,

legendär seine Auftritt bei den ersten X-Games 1995 und als Actionshowact

bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Parallel begann er zusätzlich,

seine Bike-Abenteuer in Filmen zu zeigen. 1993 kam „Level Vibes“ raus, der

Streifen wurde in Jamaika gedreht und zeigt atemberaubende Aufnahmen im

Dschungel und inWasserfällen. Jedes Jahr erschien seither ein neuer Film, der

Biken und Bikestunts in unfassbarer Kulisse in Szene setzt: mit dem von ihm

1995 gegründeten Adventure Team reiste Hans nach Peru auf den Machu

Pichu, nach Neuseeland und Südafrika. Seine aktuellsten Projekte führten ihn

mit Danny MacAskill auf den Kilimandscharo und mit Steve Peat nach Island.

Der Freeridepionier und Trialchampion – in seiner Sammlung befinden sich

deutsche, schweizerische, amerikanische und mehrere Weltmeistertitel, dazu

X-Games-Silber 1995 – engagiert sich mit seiner Frau Carmen auch sozial,

auch hier bildet seine Leidenschaft zum Fahrrad die Basis: Sie gründeten die

„Wheels4Life“-Stiftung, die Gelder in der Bikeindustrie sammelt und dafür

Fahrräder für Hilfsprojekte kauft und spendet.

Trotz all seiner Erfolge ist Hans Rey der sympathische Typ geblieben, der für

jeden Spaß zu haben ist und für den das Bike immer noch sein Lebensinhalt

ist. Mit seinen Freunden vom Laguna Rads Cycling Club fährt er die Trails, die

sie zusammen vorher geshaped haben – sein eigener endet direkt hinterm

Haus. Auch in seinem Bonsaigarten vor dem Haus kann er die Finger nicht

vom Bike lassen und liefert uns, locker von Stein zu Stein hüpfend, eine private

Trialshow. Er hats eindeutig immer noch drauf! Als er anschließend das Gara-

gentor öffnet, breiten sich 30 Jahre Bike-Geschichte vor uns Besuchern aus:

Bikes, Rahmen und Trophäen aus allen Epochen seiner Karriere, und zu jedem

Teil gibt es eine Geschichte. Und so sitzen wir noch eine ganze Zeit lang bei

Hans "No Way" Rey bei einem Bier und plaudern über alte Zeiten, während

die Sonne über dem Pazifik untergeht.