HAINES, AK
Das Spiel beginnt von neuem. Ein paar Tage später dasselbe Szenario. Mit demselben
Ausgang. Und wieder warten. Innerhalb von gut 2 Wochen sind die Meisten nicht mehr
als vier bis fünf Runs gefahren. Herumsitzen und die Tage totschlagen und plötzlich, wenn
der Tag X gekommen ist, muss man ready sein, 100% geben und perfekt funktionieren.
Ich werde krank, so wie viele von der Organisations Crew. Mit Husten, Schnupfen und
Gliederschmerzen könnte ich ja leben, aber das Fieber streckt mich nieder.Auf eine Stress-
situation folgt also die Nächste. Ich muss gesund werden, irgendwie! DieWettertage sind
vorüber und unsere Flüge nach Hause gehen in zwei Tagen. Ein Wetterfenster wird vo-
rausgesagt, von einer sehr sicheren Quelle, in zwei Tagen. Bei einem Meeting beschließen
wir einstimmig, unsere Flüge umzubuchen und Alaska noch eine letzte Chance zu geben.
Es wäre fatal gewesen, diesen Event in die Hauptstadt des Heliskiings zu bringen und
dann mit leeren Händen wieder abzureisen. Viel Geld wurde investiert, nicht nur von der
Organisation, auch von uns Ridern. Alaska ist kostspielig.
On – Off – On – Off und nun endlich ON. Strahlend blauer Himmel, schon sehr früh mor-
gens. Das Fieber hat sich am Vortag gelegt, trotzdem fühle ich mich extrem müde und
schlapp. Lediglich zwei Miuten muss ich durchbeissen und alles geben. Als wir im Heli
sitzen haben wir die Gewissheit, dass es heute klappt. Oben angekommen sehen wir zum
ersten Mal das Contest Face. Zum einen haben alle einen fetten Grinser im Gesicht, zum
anderen macht sich aber auch ein extrem angespanntes Gefühl bemerkbar! Alaska ist
einfach anders. Wir können schwer die Dimensionen einschätzen, die Steilheit, Schnee-
bedingungen und die Höhe der Cliffs.
Es ist nicht unser alltäglicher Spielplatz, die wenigsten waren in Alaska und haben Erfah-
rung mit den komplett anderen Bedingungen. Eine große Herausforderung wartet auf
uns alle. Viel Zeit zum Besichtigen haben wir nicht.Während wir es gewohnt sind, ein bis
zwei Tage in die Linienauswahl zu investieren, müssen wir hier innerhalb einer Stunde
alle Entscheidungen treffen und im Kopf haben. Zur Nervosität kommt etwas Unsicherheit
dazu. Ein verrücktes Gefühl. Unglaubliche Glücksgefühle undAnspannung,Vorfreude und
Angst, Entschlossenheit, aber doch ein wenig Unsicherheit. Wir sehen den Snowboard
Jungs zu. Sluff, fetter Pulver und noch fettere Grinser in deren Gesichter, als sie zurück im
Zuschauer Gelände ankommen.Alaska wird seinem Ruf gerecht. Es geht kaum noch bes-
ser. Ein perfekter Contesttag, Contesthang und Contestwetter. Leider nicht ganz für uns.
Die Ski Damen fahren meist als Letzte. Das heißt, wir haben in etwa 30 Spuren drinnen.
Flat light im mittlerweile schattigen Nordhang, der Sluff hat an vielen Stellen den Pulver-
schnee mitgerissen und die Landungen sind komplett zerbomt. Auch dieser Fakt muss in
die Linienwahl miteinbezogen werden, genauso wie der, dass ich mich noch immer sehr
schwach fühle. Was ich auch mache. Ich entscheide mich für eine technischere Linie und
nachdem ich am Start mitbekommen habe, wieviel Mädls Probleme hatten und gestürzt
sind, entscheide ich mich auch noch spontan um. Bei den Damen gewinnt die Gesamt-
wertung nicht diejenige, die bei jedem Stop am meisten riskiert, sondern die Fahrerin, die
am konstantesten Top Resultate einfährt. Genau das ist meine Taktik. Ich gehe nicht auf
Sieg, sondern auf Podium.
Foto: FWT_DDaher




