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Seite 38 | BERGSTOLZ Ski Magazin November 2015

PAZNAUN

Vorerst aber reihen auch wir uns ein in die Masse der Pistencarver. Kurz

überfliege ich auf demWeg zur Höllkarbahn das Skimaterial der anderen

Touristen. So gut wie gar kein breites Tiefschneewerkzeug. Auch fehlen

die eigentlich notwendigen Rucksäcke mit der beinhaltenden Lawinen-

ausrüstung oder gar Aufstiegsfelle. ‚Sehr schön‘, denke ich klammheimlich.

Alles noch beim Alten. Da bleibt viel Hinterland für uns. Zügig geht es

weiter über die Palinkopfbahn auf Gipfelniveau. Von dort über einen Zie-

her, auf einem Grad ein paar Meter leicht bergab Richtung Zeblasjoch.

Die Ski über den Rücken geschultert erreichen wir mit einem kurzen

„Gestapfe“ den Salaaserkopf. Ein herrlich weites Tal öffnet sich uns. Kaum

ist menschliches Schaffen zu entdecken. Dort drüben grüßt schon die

Schweiz. Bald würden wir das Zollparadies Samnaun erreichen. Ich kenne

die Gegend nicht nur vom Skifahren, sondern auch im Sommer mit dem

Bike. Mit der Gondel kann man selbst schwere Downhillräder in luftige

Höhen verfrachten. Die folgende Abfahrt ist nicht steil. Ich kann mich er-

innern dass ich sogar ein paar Mal pedalieren musste. Darum wundert

es mich, dass Hannes trotz des relativ schwachen Gefälles eindringlich

auf die Lawinengefahr hinweist. Toby ist der erste, welcher seine Bretter

in die Vertikale drückt. Auf Hannes Anweisung sollen wir einzeln fahren.

Und siehe da: als er leicht in einen Gegenhang einfährt und sich von

diesem abdrückt, bringt er ein kleines Schneebrett in Gang. Bis es ihm ge-

fährlich werden kann, ist er schon auf einer Anhöhe in Sicherheit. Nun

sind wir gewarnt. Hannes fühlt sich wohl bestätigt in seinen Anweisungen,

höllisch aufzupassen.

Obwohl wir uns noch durch ein enges, steiles Coloir, dem Ravaischer Sa-

laaser, zwängen und an einem zugefrorenen Wasserfall vorbei mogeln,

geht die Talfahrt ohne weitere Probleme von Statten. Zum zollfreien Ein-

kauf in Samnaun ist kaum Zeit. Eilig hangeln wir uns über Ischgler Pisten

weiter zum Schmuckstück der Ischgler. Der Piz val Gronda Bahn und ihrem

gleichnamigen Freeride Berg. Tatsächlich lässt sich der Kollos nahezu von

allen Seiten befahren. Für Normalo-Skifahrer, welche sich hierher verirrt

haben, wurde zwar brav eine Pistenautobahn hinunter gewalzt, aber der

Rest bleibt uns Tiefschneefreaks überlassen. Wunderbare weite offene

Hänge. Eigentlich wäre alleine dieser Buckel schon einen Skiausflug wert.

Aber der Tag ist schon weit voran gerückt und wir fahren ab durchs Fim-

bertal. Hier wird es mitunter recht flach. Mit Stockschüben und Skating

lässt sich dies aber schnell bewältigen.

Am zweiten Tag unseres Variantenabenteuers wird es etwas schweißtrei-

bender. Wie gehabt starten wir mit der Silvrettabahn. Über die Gribelea-

kopfbahn erreichen wir schnell den eigentlichen Tourenstart. Ein

großzügiges weites Tal erwartet uns. Es ist herrlich windstill und die

Februarsonne brennt schon frühjahrsgleich auf unseren Pelz. Jeder schält

sich so gut es geht aus seinen windsicheren Anoraks. Doch nicht nur an-

genehme Seiten haben die warmen Temperaturen. Hannes mahnt zu

schnellem Aufstieg. Wir sollten uns nicht zu lange aufhalten. Nicht nur

Skifahrer lösen Schneebretter aus, sondern auch schmelzende Hänge oder

überhängendeWechten. Human geht es über mäßige Steigung hinauf auf

den 2854 Meter hohen Malfraggkopf. Die lediglich halbstündige Skiwan-

derung hat uns nicht allzu viel abverlangt. Trotzdem schmeckt die Brotzeit

gleich viel besser. Lange können wir diese nicht genießen. Erneut treibt