PAZNAUN
BERGSTOLZ Ski Magazin November 2015 | Seite 37
Vielen ist das Paznaun lediglich durch das Epizentrum
Ischgl als Party- und Pisten-Hochburg bekannt. Wir über-
zeugten uns davon, dass die Gegend noch mehr als
Carvingschwünge und Cocktailgläser zu bieten hat.
Die Schrat Wollmütze bis weit über die Augenbrauen gezogen. Ein Bleistift
auf Halbmast gespitzt steckt, warum auch immer, hinter dem Ohr und
zeigt scheinbar an der Backe klebend schräg nach unten. Fast unpassend,
das Accessoire. Wenn es ein Joint wäre okay. Aber ein Schreibgerät? Mit
Schlabber T-Shirt und Hose hätte man ihn in den Neunzigern eindeutig
als Snowboarder gebrandet. Zu der Zeit war Hannes Mader maximal ein
Teenager. Mittlerweile ist der Neunundzwanzigjährige Berg- und Skiführer.
Und das seit fast zehn Jahren. Mit Achtzehn, in einem Alter, wo andere
sich fieberhaft Gedanken machen, was für einen Lehrberuf sie ergreifen
oder doch auf eine weiterführende Schule gehen um Zeit zu schinden,
war für ihn bereits alles klar: Bergführer! Aus, Punkt, Amen. Nach zwei
Jahren Abschluss. Seinerzeit war er der Jüngste seiner Zunft in Österreich.
Ach was! Vermutlich auf der ganzenWelt. Die jugendlichen Jahre nehmen
ihm keineswegs Selbstbewusstsein. „Wir haben momentan schwierige
Schneeverhältnisse was die Lawinenlage betrifft. Auf warme Tage folgte
üppiger Schneefall, welcher durch Stürme in die Niederungen geweht
wurde. Wir haben es mit der Gefahrenstufe drei, eher vier zu tun. Wenn
wir morgen losziehen, haltet euch bitte an das, was ich euch sage. Also
dann, gute Nacht!“ Wir verabschieden uns mit einem Gebrummel wie
‚nein, nein wir passen schon auf‘, oder ‚Sicherheit geht vor‘ und ‚wir sind
ja auch keine Anfänger‘.
Anderntags treffen wir uns also mit ihm am Fuße des heimlichen Haupt-
platzes von Ischgl, der Idalp. Fast hätten wir ihn in seinem himmelblauen
Skilehrer Outfit nicht erkannt. Die Alpin Uniform der Ischgler. Er ist wohl
nicht ganz happy über sein Beinkleid und meint sofort „morgen bei der
Tour zieht er was leichteres an. Aber heute werden wir nur Freeriden. Alle
Spots, welche wir erreichen wollen, benötigen nur ein paar Schritte“. Und:
„Das ist das Tolle am Paznaun. Nur selten benötigt man hier Felle, um
entlegenes und unverspurtes Areal zu erreichen. Die meisten hier begnü-
gen sich mit den hervorragend präparierten Pisten und den Partytempeln“.




