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RASOULI

BERGSTOLZ Bike Magazin JUNI 2016 | Seite 21

Tarek ist eine Legende! Was er mit seinen knapp 40 Lenzen geschaffen hat,

sucht seines gleichen. ImAlter von 8 Jahren began seine „Bike-Karriere“. Er fuhr

seine ersten BMX Rennen und wurde hier sehr schnell sehr erfolgreich. Er wurde

Deutscher Meister und gewann den Württemberg Cup, nahm an

Weltmeisterschaften teil und wurde 1994 BMX Profi. Das Leben als BMXler war

schon in den 90ern sehr aufwendig: Training, Ernährungsplan und viele

Wettkämpfe. Leider war und ist der BMX Sport in Deutschland nicht so populär,

wie zu der Zeit in den USA. Auch von einer Olympia Teilnahme konnten die

Fahrer damals nur träumen. Wäre es damals anders gewesen, hätte Tarek viel-

leicht noch weitergemacht, da er das BMXen liebte. Er fuhr damals für die

Marke GT, der deutsche Importeur Sport Import gab die Marke ab und löst so

das Rennteam 1999 auf. So stand Tarek auf der Straße. Nicht ganz, denn er

hatte schon einige Ausrüsterverträge und das eine oder andere

Fotoshooting, wo er sich etwas Geld verdiente. Was sollte er

nun tun? „Mountainbiken wäre ja auch nicht schlecht“, dach-

te er sich. „Und Rocky Mountain, das würde zu mir passen.“

Ein Frorider von Rocky Mountain zu werden, wie Dave Simonds,

Brain Tippie, Ritchie Schley das wäre doch was. Er rief also den

Importeur von Rocky Mountain in Deutschland an, der ihm aber

eine Absage erteilte – ein deutscher Fahrer sei uninteressant.

Tarek gab aber nicht auf, er hatte einen Plan. Im Jahr 2000 ging Tarek am Bike

Festival in Riva mit einem GT Bike mit Nicolaiaufkleber an den Start des 4Cross

und kam auf’s Podest. Nach der Veranstaltung ging Tarek mit der dicken

Pressemappe in der Hand (voll mit Titelbildern von Magazinen und einen Red

Bull Vertrag) noch mal zu Rocky Mountain. Er wollte den Chef doch noch davon

überzeugen, ihn als Frorider zu engagieren. Dirk ließ sich schließlich überzeugen

und so war Tarek nun auch mit im berühmten Rocky Mountain Team. Allerdings

war es zuerst ein reines Materialsponsoring mit Spesenerstattung. Gut, er hat

ein paar Sponsorverträge und da kam er über die Runden. 2000 ging es gleich

zwei Mal zu Shootings nach Kanada mit dem Ergebnis, dass Tarek bald „Euro-

Frorider“ von Rocky Mountain genannt wurde. War er – jetzt schon mit richti-

gem Vertrag - im Video „Krank4“ zu sehen. Das gab seiner Karriere einen rich-

tigen Schub. Es waren die Anfänge des Freeridens, die auch er mit seinen radi-

kalen Sprüngen und Stunts geprägt hatte. Leider kam es dann im Juli 2002 zum

tragischen Unfall: Bei Filmaufnahmen in Whistler, wo er bei einem 17 Meter

Sprung zu weit gesprungen ist und aus 6 Meter Höhe runter viel und sich dabei

einen Lendenwirbel zerschmetterte. Tarek musste sich zweimal operieren lassen

und war von da an querschnittsgelähmt. Das war für die gesamte Bikewelt ein

großer Schock.

Tarek ließ sich von seinem Schicksal aber nicht unterkriegen und kam nach sei-

ner Reha in die Scene zurück. Zuerst schrieb er im Magazin Bike die Kolumne

Dirt, aus der später die Freeride entstand. Er traf seinen kanadischen Freund

„Core“ wieder. Core war mit der Schwester des Bürgermeisters von Meersburg

verheiratet und er sagte zu Tarek, hier gäbe es eine coole Location für einen

Urban Ride Event. So gingen die Beiden das Projekt „Ride to the Lake“ an. Dies

war das erste Event dieser Art in Deutschland. Core baute die Strecke und Tarek

machte die Vermarktung und sorgte dafür, dass die richtigen Athleten am Start

waren. Tarek konnte große Sponsoren als Partner gewinnen und so wurde es

ein richtig fettes Event. Natürlich war es nicht einfach, ein solches Projekt auf

die Beine zu stellen, es wäre auch fast noch zum Scheitern gekommen, da sich

Core mit dem Bürgermeister überworfen hatte. Es ging um tausend kleine

Sachen, wer die Rampen baut und natürlich um die große Sache Budget! Dann

begann der Event und es hatte Tage nur geregnet und es gab keine Monitore

für die Judges.Tarek und Core hatten zwar eine Filmproduktionsgesellschaft, die

das Ganze filmte, aber es war nicht das nötige Geld vorhanden, um eine

Liveübertragung für die Judges zu realisieren. Die 12 Judges wurden also über

die Strecke verteilt und gaben ihre Kommentare und Bewertungen über Funk

durch. „Das Ganze war sehr abenteuerlich, aber es klappte ganz gut und trotz

des Regens kam der Event sehr gut an“. So gut, das Red Bull sagte dann, sie

möchten das Ganze übernehmen und Tarek und seine Leute sollten die sportli-

che Organisation weiterhin durchführen. Tarek hatte daraufhin wahnsinnig viele

Anfragen für so eine Art von Events, aus Portugal, Frankreich und vielen großen

europäischen Städten. Tarek wusste nicht, wie er dies alles bewerkstelligen soll-

te, die professionelle Aufbereitung der Unterlagen, Verhandlungen mit großen

PR Agenturen, das war sehr aufwendig und schwierig. So gründete er im Jahre

2005 die Rasoulotionen GbR. Eventmanagment, PR und Athletenmanagment

waren die Hauptsäulen der Unternehmung. Nun hatte er eine Teilhaberin, die

auch den kaufmännischen Background hatte. Es wurde ein Businessplan

gemacht und die ganze Sache auf solide Beine gestellt. Nach den ersten beiden

District Rides 2006 tauchte Nissan in der Szene auf und wollte richtig Gas

geben: Sie wollten eine ganze Serie mit 7 Events veranstalten. Dies war natür-

lich ein riesen Aufwand und Tarek saß drei bis vier Tage die Woche im Flugzeug

und flog von einer Agentur zur anderen. „Es war eine sehr stressige Zeit, aber

im nach hinein betrachtet, auch eine sehr Erfolgreiche“. Es gab insgesamt

200.000 Preisgeld, die Fahrer wohnten im 4Sterne Hotels und bekamen die

Anreisen bezahlt, die Events waren riesig und Rasolution mitten drin. Der näch-

ste Schritt war eine Weltrangliste auf die Füße zu stellen und so wurde der

FMBA (Freeride Mountain Bike Association) gegründet, die maßgeblich von

Tarek ins Leben gerufen wurde und wo er auch noch heute imVorstand mit tätig

ist. Mittlerweile wird über den FMBA nicht nur eine Weltrangliste erstellt, son-

dern auch eine ganze Serie ausgeschrieben. Das Leben von Tarek hat sich

grundlegend geändert, er fährt heute sehr gerne Handbike „Natürlich nur, wenn

es die Zeit erlaubt“. BeimWings for Life Event ließ er es sich nicht nehmen, an

den Start zu gehen. Er lebt nach wie vor für den Sport und setzt sein ganzes

Herzblut in seine Passion. Fahrer wir Dany McAskill, Max Frederiksson, Thomas

Genon uva. werden von Tarek und seiner Firma gemanagt. Der Sport und ins-

besondere das Freeriden hat Tarek sehr viel zu verdanken und wir hoffen, dass

er auch in Zukunft mit vielen tollen Ideen unseren Sport bereichern kann. Wir

wünschen ihm für seine weitere Zukunft alles Gute.

Mit Leib &

Seele Biker