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CANADA

BERGSTOLZ Ski Magazin November 2015 | Seite 47

Mein Kopf und mein Bauch rebellieren. War wohl alles ein bisschen

viel die letzten 48 Stunden. Der Flug von Deutschland nach Calgary,

der Transfer nach Banff, der erste Skitag hier in Alberta und jetzt noch

das Abendessen im ‚The Grizzly House‘ - Banff s legendären Fondue

Restaurant. Ich lieg also nach einem Dreigänge-Fondue-Menü und ei-

nigen Kanadischen Bier mit einem dicken Bauch in meinem King Size

Bett und versuche einzuschlafen. Ortszeit, kurz vor ein Uhr Nachts, Zeit

in meinem Kopf 19.00 Uhr.

Tja, die letzten 48 Stunden hatten es in sich. Der Flug ab München ging

um 8.40 Uhr, ich hätte also keine Streß gehabt, wäre ich rechtzeitig los-

gefahren und wären nicht die kompletten 100km wegen Schneetreiben

auf 60km/h beschränkt gewesen. Kurz hinter München stellte sich also

die Frage: Führerschein riskieren oder Flug verpassen. Na ja, die Tatsache,

dass dieser Bericht erscheint, zeigt, dass ich mich für ersteres entschieden

habe und dass, Gott sei Dank, am Sonntag früh die festen Blitzer auf der

A9 entweder nicht eingeschaltet oder zugeschneit waren. Der erste Teil

der langen Anreise nach Calgary war also ganz schön aufregend. Den

zweiten Teil kennt jeder selbst: Sitzen, Warten, Filmprogramm, Lesen,

Essen, den zweiten Film, noch mal Essen – was erst über Island.

In Calgary wurde unsere Reisgruppe direkt am Gate von unserem Tour

Operateur ‚Stumböck Club‘ in Empfang genommen. „Skiing with Friends“

steht auf dem weißen Ami-Truck, was in meinem Fall auch stimmt. Bert,

der uns zusammen mit Mat die nächsten acht Tage durch Alberta und Bri-

tish Columbia fahren, begleiten und guiden wird, kenne ich schon seit

mehr als 10 Jahren. Der Chiemgauer verbringt seineWinter seit 18 Jahren

in Canada. Organisiert die Reisen, die Gruppen, hält Kontakt zu den Gebiet

und Hotels und fährt Ski! Unsere zweiter Guide Mathew ist das, was man

einen klassischen Skibum nennen kann – im Sommer verkauft er Hoodies

aus eigenen Produktion auf Jahrmärkten, arbeite hier und dort und spart

für denWinter. Sobald der Schnee fällt ist er zwischen seinem Heimatresort

Kicking Hors und der Wahlheimat Revelstoke und all den Gebieten da-

zwischen unterwegs. Mit dem breitesten Grinsen und strahlenden Husky

Augen erzählt er von seinem neuen Job: „Du glaubst es nicht – ich darf

Skifahren und bekommen auch noch Geld dafür!“

Vor uns liegen 8 Tage in Canada. Ein Roadtrip von Calgary nach Banff,

Revelstoke und Sun Peaks. Skifahren in Sunshine Village, Mount Norquay,

Lake Louise, Revelstoke und Sun Peaks. Und als Highlight einen Helitag

in Revelstoke, auf den wir uns alle – und Mat fast am meisten - freuen.

Leider war der letzte Winter auch in Kanada nicht von großen Nieder-

schlagsmengen gesegnet. Den „Champagne Powder“, wegen dem die

Skifahrer aus der ganzenWelt noch Kanada reisen, werden wir wohl eher

nicht erleben aber, so versichert Mat, der eine oder andere coole Run war-

tet sicher auf uns. Und da wird er Recht behalten!

Gleich am ersten Tag in Alberta steht Sunshine Village auf dem Programm.

Das Wetter und die Sicht lassen etwas zu wünschen übrig und so verbrin-

gen wir den Vormittag mit dem, wofür das Skigebiet eigentlich bekannt

ist: Pistenskifahren. Natürlich geht der eine oder andere Ausflug links und

rechts der Pisten aber als wir die Ski Mittags vor der Day Lodge abstellen,

frag ich mich schon wieso ich eigentlich den fetten dabei habe! Nach dem

Essen stößt dann Pistenchef Martin Papilon zu uns – K2 Pontoon, die ab-

gefucktesten Stöcke mit selbstgewickelter Griffzone und permanent das

Funkgerät am Ohr. Und darüber kommt dann auch die verheißungsvolle

Nachricht: Der Deliruim Drive soll in der nächsten Stunde öffnen. Der

„Drive“ ist eine der der steilsten Abfahrten Nordamerikas. 1000hm, durch-

schnittlich 39 Grad, mit „Gateway“ am Eingang an dessen Ende ein Mit-

arbeiter der Liftgesellschaft in einem kleine Häuschen sitzt, die Skifahrer

einschätzt und entscheidet, ob man sich in den Drive stürzen darf oder