Seite 42 | BERGSTOLZ Ski Magazin Oktober 2013
LORRAINE HUBER
Inside the Life of a Freeski Pro
von und mit Lorraine Huber
„2012/13 war die Saison meines
Lebens“
Ein Winter, wo alles zusammen gepasst hat: Schnee, körperliche Verfassung,
Termine,Wettkämpfe, Filmprojekte. Noch nie habe ich in einemWinter so viel
erreicht. Aber lass uns am Anfang beginnen. Nachdem ich 2012 aus der
Freeride World Tour raus geflogen bin, entschloss ich es noch einmal bei den
Freeride World Qualifier Events zu probieren. Ich stellte mir das Ultimatum,
falls es diesen Winter mit den Wettkämpfen nicht klappt, dann lass ich es
auch lieber sein. Ich hatte Zweifel und war mir nicht sicher, ob ich überhaupt
ein Wettkampfstyp bin.
Den ersten Freeride World Qualifier in La Clusaz (4-Stern) gewann ich auf
Anhieb. Ich hatte eine sehr frühe Startnummer und auf Grund vom
Schlechtwetter am Vortag, fand die Besichtigung am gleichen Tag wie der
Wettkampf statt. Ich hatte nur 10 Minuten Zeit um meine Linie zu finden und
einzuprägen. Deshalb machte ich mir überhaupt keinen Druck. Ich fuhr meine
recht einfache Linie ohne Nervosität sowie Zögern wie geplant und kam recht
glücklich ins Ziel. Das Tüpfelchen auf dem i war für den Rest des Tages mit
den Locals wie Candide Thovex, mein absoluter Held, sowie meine
Mitbewerberin Laure Vailly, den frischen Powder im Skigebiet zu fahren.
Danach folgte ein 4. Platz im Engadin sowie ein weiterer Sieg in Hochfügen,
Tirol (beide 4-Stern FWQ Events). Danach wusste ich schon, dass ich für die
FWT 2014 fix qualifiziert bin. Parallel dazu erhielt ich eine Wildcard für die
Freeride World Tour Stopps 2 bis 4, da Eva Walkner auf Grund einer
Verletzung in Revelstoke für die Saison ausscheiden musste. Bei der FWT
Chamonix landete ich auf den 4. Platz. Nicht schlecht für mein Comeback auf
der Pro-Tour. Am folgenden Tag fuhr ich nach Hause um mein Women’s
Freeride & Yoga Camp in Lech amArlberg zu leiten. 14 Teilnehmerinnen war-
teten dort auf mich, um die besten Runs am Arlberg kennen zu lernen und
ihren Fertigkeiten einen weiteren Schliff zu geben. Den restlichen Februar
nutze ich zum Filmen für Sandra Lahnsteiner’s Film „Shades of Winter“ sowie
ein eigenes Projekt Zuhause am Arlberg mit Hanno Mackowitz. Wetter und
Schneebedingungen spielten perfekt mit. Die folgenden zwei FWT-Stopps in
Kirkwood (USA) sowie Fieberbrunn, Tirol, endeten in beiden Fällen mit
Stürzen, aber ich war an einem neuen Level angekommen: ich fuhr voller
Selbstvertrauen und mit Fluss, genau so, wie ich mir das vorgestellt habe. In
Kirkwood traute ich mir bei den harten Schneebedingungen zu viel zu, in
Fieberbrunn hatte ich einfach sehr viel Pech und landete bei meinem letzten
Sprung in einem Feld von eingefrorenen und von Neuschnee zugedeckten
Eisbrocken – der Sieg wäre sonst so gut wie sicher gewesen. Die FWT
Organisation gab mir für das Finale in Verbier eine Wildcard, wo ich dann
auch auf den zweiten Platz gelandet bin – mein bisher bestes Ergebnis. Kurz
danach ging die Reise zusammen mit Matilda Rapaport und Sandra
Lahnsteiner nach Haines, Alaska, wo wir für „Shades of Winter“ Filmmaterial
produzieren wollten. Wir erwischten die besten Tage der Saison und konnten
fünf volle Tage lang mit dem Heli die geilsten Big Mountain lines meines
Lebens fahren. Für mich war es bisher das coolste, was ich jemals auf Skiern
gemacht habe. Noch nie davor hatte ich so viel Angst beim Skifahren oder so
viel Freude, nachdem ich die Abfahrten gut gemeistert habe. Es war der ulti-
mative Test meiner Fähigkeiten, die ich über mein ganzes Leben angeeignet
habe, und ich habe mit Bravour bestanden. Später erhielt ich die
Auszeichnung vom International Freeski Film Festival (IF3) für „Best Freeride
Female Segment“ von allen eingereichten Filmen – eine sehr große Ehre
sowie Bestätigung für mich. Übrigens filmte ich in nur 1,5 Tagen mit Hanno
Mackowitz mein bisher schönstes Filmprojekt: Lorraine, Freeriden am Arlberg
zu G-Dur. Dieser Film stellt ein komplett neues Konzept dar und demonstriert
in Zeitlupe sowie zur klassischen Musik, wie schön Freeriden sein kann.
Ob 13/14 so erfolgreich wie der vergangene Winter sein wird, ist schwer zu
sagen. Sicher ist, dass ich diesbezüglich keine Erwartungen habe, denn
Erwartungen kann man hier gar nicht gebrauchen.Wir werden schon sehen!
Sponsoren:
Lech Zürs, Scott, Snowlife, Garmont, Pieps.
Foto: Mirja Geh
Foto: Hanno Mackowitz
Foto: Philip Field