WALKNER
BERGSTOLZ Ski Magazin Oktober 2013 | Seite 35
THE NEVER
ENDING
Ein Traum zerplatzt!
Wie schnell so ein Traum in der Luft zerplatzt hab ich bei meinem Double-Cliff spüren dürfen.
Ich hab riskiert, bin das höchte Cliff bei den Frauen gesprungen und auch gelandet, zwar nicht
sauber, aber gestanden. Die Landung wählte ich etwas gegen die Falllinie, es sind dort zuvor
schon Dutzende Jungs hineingelandet. Leider musste ich den Preis für meinen unbändigen
Ehrgeiz, nicht zu stürzen, zahlen. Hätte ich mich nach meinem Backslap einfach fallen lassen,
hätte ich ein paar Saltos geschlagen, wär aufgestanden und hätte mich ein wenig geärgert. Nein.
Ich hab gekämpft und alle meine Kräfte zusammengenommen, dass ich meinen Hintern wieder
nach oben bringe. Dann höre ich dieses Geräusch in meinem Knie. Oh NO! Bitte nicht! Ich ver-
mutete das Schlimmste, trotzdem war der Schmerz nicht allzu groß. Also, weiterfahren und den
Run zu Ende bringen, ein Podiumsplatz könnte schon noch drinnen sein. Beim nächsten Schwung
bricht dann eine Welt zusammen. Mein Oberschenkel schiebt sich über meinen Unterschenkel
hinaus. Ein grauenvolles Gefühl! Ich stürze. Eigendiagnose: Kreuzbandriss. Von einer Sekunde auf
die andere zerplatzen alle meine Projekte, Pläne und Träume für diesen Winter wie eine
Seifenblase. Wieder einmal. Nach vier schweren Verletzungen immer wieder den Weg zurückfin-
den ist alles andere als ein Kinderspiel und ich weiß genau, was die nächsten Monate auf mich
zukommt, dachte ich zumindest. Doch es kommt alles ganz anders, viel schlimmer als ich es mir
je vorstellen hätte können.
Eine Thrombose als Willkommensgeschenk
Zuhause angekommen fahre ich sofort zu meinem Vertrauensarzt. Das komische, meine Wade
schmerzt viel mehr als mein Knie, so als ob dieser ganze Erguss nach unten gewandert ist.
Diagnose: Thrombose! Nachdem ich die Ärztin in Revelstoke dreimal darauf hingewisen hatte mir
ob der langen Rückreise bitte eine Thrombosespritze zu geben, diese aber verweigerte, darf ich
mich zuhause gleich direkt drei Tage ins Spital begeben. Vier Wochen später dann die Kreuzband
OP und meine Leidensgeschichte beginnt. Keine Ahnung an was es gelegen hat, wer oder was
Schuld war, warum es mich diesesmal so extrem erwischt hat – jedenfalls hatte ich eine
Kreuzband Rekonvaleszenz etwas anders in Erinnerung. Und zwar so, dass ich verdammt schnel-
le Vortschritte mache und im Winter wieder fast zu 100% fit bin, zumindest war es bei meinen
zwei anderen Kreuzband-Verletzungen so. Dass es auch anders als optimal laufen kann, zeigen
mir die nächsten zehn Monate.
Zeit für neue Träume!
Das eigentliche Problem, welches sich über Wochen zieht, ist meine Streckung. Trotz täglicher
Physiotherapie, Akkupunktur und Fleiß, keine Streckung in Sicht. Mein Physiotherapeut stimmt
mich immer positiv und motiviert mich: „Nicht aufgeben und dran bleiben“. Das mache ich auch.
Egal welche Therapieform ich versuche, leider hilft einfach gar nichts. Zwischendurch versuche ich
mich als Judge einiger Freeride Qualifier Events. Jetzt weiß ich auch wie unglaublich schwer es
ist, einen Freeride Contest fair zu judgen. Außerdem hab ich ein wenig für mich selber dazuge-
lernt. Theoretisch weiß ich nun also ganz genau wie ich gewinne. Durch die viele Zeit die mir
bleibt, hab ich nun Zeit etwas früher mit der Winterplanung zu beginnen. Mit NadineWallner und