Bergstolz Issue No. 120

24 GLAM TRAILS Bergstolz Ski & Bike Magazin • 02 |2024 Unser Ziel: Die Schweiz. Und zwar in den rätoromanischen Teil von Graubünden. Wir sind auf dem Weg nach Laax. 330 Kilometer variantenreiches Trailnetz, so heißt es. Die Entscheidung hierherzukommen, fiel uns leicht. Sobald wir die Autobahn verlassen und unser Gefährt sich aus der Rheinschlucht langsam nach oben in die saftig grüne Berglandschaft schraubt, riechen wir die reine Luft schon im Auto. Uns präsentiert sich ein prächtiges Bergpanorama, als endlich das Ortsschild Laax auftaucht. Wir sind da! Es ist noch vor Mittag. Ich schrecke hoch. Gerade habe ich noch tief und fest geschlafen und nun sitze ich plötzlich in meinem Bett und reibe mir die Augen. Ich fürchte, die Herde trampelt gleich über mich in meinem Bett, so laut sind die Kuhglocken. Ich schaue um mich, weiches Morgenlicht fällt durch die dünnen Leinenzeltwände. Langsam dämmerts mir, wo ich mich befinde. Carina schläft seelig neben mir. Die Alphirtin hat uns vorgewarnt. An die vierzig Kühe werden frühmorgens von der Alp in den Stall getrieben. Melkzeit. Beruhigt, dass alles so richtig ist, schlafe ich wieder ein. Wir schweben entspannt mit der Luftseilbahn von Laax auf den Crap Soig. Das OneWay Ticket bringt uns ganz nach oben. Von über 1000 hm auf über 2000 hm. Von hier oben startet auch der Never End Trail. Ein feinster Freeride Trail, über 1000 hm und 7 km bergab, mit fetten Anliegern, coolen Sprüngen und großen Tables. Wir gönnen uns aber erstmal einen Espresso. Luxus, denn hier im sogenannten Galaxy, auf über 2.200 Höhe genießen wir die Bergfrische und die imposante wildromantische Berglandschaft. Unser Blick schweift auf die Surselva. Vor 10.000 Jahren rumpelte und wackelte es gewaltig hier in den Bergen rund um Flims und Laax. Milliarden von Kubikmetern Gestein donnerten vom Flimserstein herunter. Entstanden sind einzigartige, Mondlandschaft ähnliche Felsformationen. Für uns heißt es nun, ein paar Höhenmeter zurückzulegen. Auf der breit angelegten Alpstraße pedalieren wir den Crap Masogn. Wir sind alleine. Dafür pfeifen uns die Murmeltiere zu. Bald taucht ein kleines Schild auf, das uns in einen Trail weist. Hier beginnt unser Singletrailspass. Anfangs noch eher karg führt uns der Trail durch hochalpines Gelände, über klare Bergbäche, und spuckt uns auf einer flacheren Hochebene aus. Wir durchrollen grüne Almwiesen, vorbei an glücklichen Kühen und finden schnell unseren Anschluss. Ich höre Carina hinter mir juchzen. Vor mir sehe ich, wie Jenny immer wieder mit kleiner Airtime spielt. Der Trail ist einfach perfekt. So wie wir uns Flow auf natürlichen Trails vorstellen. Irgendwann stoßen wir auf die Alp Sogn Martin. Niemand da, aber die Türe der kleinen Alp steht offen. Ein großes Schild davor preist das Tagesangebot Alpkäse an. Unsere wenigen Schweizer Münzen werfen wir brav in die kleine Box und bedienen uns aus dem Kühlschrank. Gestärkt pedalieren wir nochmals ein kleines Stück auf der Naturstraße bergauf. Heute haben wir keinen Stress. Die Sonne steht zwar schon tief und der Schatten der umliegenden Berge wirft sich bereits in das Tal, wir bleiben aber hier oben. Und deshalb lassen wir uns einen letzten Trail nicht entgehen. Rechtzeitig mit dem Abendlicht kommen wir an. Schon von weitem konnten wir die Dächer rausspitzen sehen. Unser Beduinenlager heißt uns mit seinen weiß-

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