Bergstolz Issue No. 97

ISRAEL 25 Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04 | 2021 Flowige Wüstentrails in Bilderbuch-Kulisse. Technische Endurolines rund um eine geschichtsträchtige Weltme- tropole. Imposante Felsformationen, die Utah-Feeling aufkommen lassen. Kulinarische Highlights an jeder Ecke. Ein Land, in dem Gastfreundlichkeit großgeschrie- ben wird. Eine Wahnsinns motivierte lokale MTB Com- munity. Und drei Mädels aus den Alpen mittendrin: mit dem MTB auf den Holy Trails Israels. Langsam lasse ich meinen Blick schweifen, um diese einmalige Stimmung aufzusaugen. “Keine Kamera kann das festhalten.” Unwirklich. Wir, mitten im Nirgendwo. Umgeben von schier nie enden wollender Wüste. Mit unseren Bikes. Einzig ein ewig langer Flowtrail zieht sich durch die Wüstenlandschaft. Genial. Aber von Anfang an: Bereits im Frühjahr stand für uns, Lena, Sabine und Manuela fest, dass wir dieses Jahr unsere Bike- saison verlängern wollen, bevor die Skisaison startet. Wir hatten einige Ziele im Kopf, doch nach etwas Recherche - vor allem die Videos der Wüstenrides haben uns in den Bann gezogen - entschieden wir einstimmig für Israel. Ein fremdes Land mit dem MTB zu erkunden ist etwas ganz besonders. Vor allem dann, wenn man mit Freunden unterwegs ist, die dieselbe Leidenschaft mit dir teilen. Nahostkonflikt, Terro- risten, Anschläge - ja, die schlechte Presse Israels ging auch an uns nicht vorbei. Was wir vor Ort aber erleben durften, ergab ein ganz anderes Bild von Land & Menschen! Let the Adventure begin! Unsere Anreise mit Bikebags nach Tel Aviv verlief super easy - ein Mietauto zu bekommen, wo die Bikes reinpassen war da schon schwieriger: Nach 2-stündigen Erklärungsversuchen, warum nach unserer Mietauto-Buchung eines VW Caddy eine Limousine für uns kein “upgrade” ist, tuckerten wir kurz da- rauf mit einem riesigen 9-Sitzer Bus durch den Verkehr Tel Avivs. Hupen gehört hier zum guten Ton, überholt wird von allen Seiten, egal wie eng es wird. Okay, cool! Nachdem wir unsere Bike- bags für die Zeit des Aufent- halts im nahe gelegenen Bikeshop gestored hatten, verbrachten wir den Rest des ersten Tages in Tel Aviv. Was für eine imposante Stadt: unzählige Street Art Kunstwerke, chillige Strände, hippe Bars und Kunstläden und eine unge- zwungene Stimmung! XC Rides im Norden: Misgav, Mishmar HaEmek & Ben Shemen Forest Die ersten 3 Tage wollten wir uns dem Norden widmen. Das Trail-Netzwerk in Misgav ist für alle Mountainbiker, die den Norden Israels kennen lernen wollen, mit Sicherheit ein Muss - ein Cross Country Paradies, das auch den Enduristen unter den Bikern richtig viel Spaß bereitet. Auch Mishmar HaEmek bietet einen perfekten Playground: kurze Anstiege und ausgezeichnete mittelschwere Trails, einige schöne Drops, Felspassagen und Northshoreelemente in abgelege- ner Umgebung lassen das Bikerherz höherschlagen! Vor dem Trip habe ich bereits mit der israelischen Enduro- fahrerin Noga Korem Kontakt aufgenommen, die uns reich- lich Tipps mitgegeben hat: so wussten wir auch, dass der Bike Demo Day in Ben Shemen stattfand - und wow, wir waren richtig beeindruckt, wie groß die Bikeszene in Israel ist. Das Ben Shemen Bike Festival ist “the place to be”, um mit der lokalen MTB Community in Kontakt zu kommen! Wir konnten es nicht glauben, wie offen und hilfsbereit die lokale Szene war - unzählige Tipps und Angebote, uns die besten Trails des Landes zu zeigen, das konnten wir natür- lich nicht ausschlagen! Ben Shemen bietet aber auch eine Vielzahl an Cross Country Möglichkeiten, die wir uns natür- lich nicht entgehen ließen und uns so richtig auspowerten. Fazit: SO macht XC Spaß! Exploring Jerusalem mit den Locals Jerusalem verursacht unwillkürlich überwältigende Emotionen – eine unglaubliche Mischung aus Religionen, Kulturen, Aro- men. Vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenun- tergang am Samstag wird Sabbat gefeiert - und was man kurz davor hier erlebt ist einmalig: Alles ist laut & bunt, es herrscht reges Treiben - vor allem auf dem bekannten Mahane Yehuda Market. Innerhalb nur kurzer Zeit, sobald offiziell Sabbat be- ginnt, wird es ganz plötzlich friedlich und ruhig in Jerusalem: die Restaurants schließen und die Straßen sind wie leergefegt – so etwas muss man einmal erlebt haben. Das Herz der Alt- stadt ist von einer Mauer umgeben und in einzelne Viertel unterteilt: das jüdische, das armenische, das christliche und das muslimische. Hier befindet sich auch die Klagemauer, die viele Gläubige täglich besuchen, um ihre Gebete zu sprechen und Zettel mit Wünschen zwischen den gewaltigen Steinblö- cken zu hinterlassen. Für viele Juden ist die Mauer ein Symbol für den Bund Gottes mit seinemVolk. Nicht nur kulturell, auch Trail-technisch ist Jerusalem einfach einmalig, und mit den Jungs, die wir zuvor am Bike Demo Day kennenlernten, durf- ten wir die besten Trails davon erleben. Zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass wir mit Ofir jemanden an unserer Seite hatten, der maßgeblich zur Entwicklung und Erschaffung neuer Trails rund um Jerusalem und außerhalb beiträgt.

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