Bergstolz Issue No. 97
18 A F R I K A Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04 | 2021 Nach knapp 20 Minuten in gemütlichem Tempo im Pi- ckup, nur unterbrochen durch den Kauf einer Handy- Simkarte in einem einfachen Straßenkiosk, erreichen wir die Roma Trading Post Lodge. Auf dem Gelände eines ehemaligen Handelszentrums ist mittlerweile eine kleine Ferienanlage entstanden, die sich zum lo- kalen Bike-Spot entwickelt. Hier startet neben dem Kingdom Enduro auch das Lesotho Sky Marathon Ren- nen. Velosolutions aus der Schweiz haben hier den #pumpforpeace-Pumptrack als Sozialprojekt realisiert, auf dem die Jugendlichen der Umgebung gegen mini- male Kosten, Bikes leihen und fahren können. "Hier ist Dein Zelt. Stelle es hin, wo Du willst. Die Sa- chen kannst Du einfach darin liegen lassen. Du musst nichts einschließen", werde ich begrüßt. Die ent- spannte Freiheit wundert mich, denn das hoch gele- gene Lesotho ist eines der ärmsten Länder der Welt. Ohne mich groß zu akklimatisieren geht es unmittelbar aufs Bike. Der erste Eindruck der Trails ist wild und schroff. Einen Teil der Strecken hat Rene mit seiner Crew frisch und flowig angelegt, mehrheitlich führen sie aber über alte, felsige Pfade, die einige anspruchs- volle Überraschungen auf Lager haben. Mir gefällt der wilde Mix. Der physische und technische Anspruch ist enorm und gehört mit zum Schwierigsten, was ich je in einem Rennen gefahren bin. Der Großteil der Teilnehmer kommt aus dem nahen Südafrika, sie kennen Biken nur von ihren flowigen Crosscountry-Trails zuhause. Sie erleben einen regel- rechten Kulturschock, nehmen es aber sportlich und das Kingdom Enduro als die Herausforderung, die es ist. Tatsächlich stand das Motorrad-Enduro-Rennen „Roof of Africa“ Pate, das zum Teil auf denselben Stre- cken stattfindet. Und wie beim MotoX gilt auch am Bike: Schon alleine das Ankommen im Ziel ist eine sportliche Höchstleistung! Die wenigen internationalen Starter kenne ich. Wie Ludo May aus der Schweiz, Fabi Scholz aus Deutsch- land und Chris Johnston aus Kanada. Sie habe ich schon an den verschiedensten Ecken der Welt getrof- fen und bezeichne sie mittlerweile als gute Bike- Freunde. Für uns alle ist es die erste Reise in diesen Teil der Welt. Das Rennen beginnt und der Spaß wird ernst! Alle Räder werden, von rosa Matratzen geschützt, auf einen Lastwagen geladen. Wir folgen in Bussen über die schlaglochreiche Straße bis zu einer Passhöhe. Von hier schieben und tragen wir die Bikes noch eine knappe Stunde bis zum Start der ersten Stage auf einem Felsplateau. Die Orientierung auf den Transfe- retappen fällt dabei leicht: Schau Dich um und suche Dem Löwen auf der Spur
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